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Eines des Taubenhäuser. Auf dem Boden sind noch deutlich die Spuren des Wassereinbruchs zu sehen. 

Gnadenhof in Gefahr

Tauben in Not: Starkregen überflutet Volieren

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Der heftige Regen am Sonntag hatte Volieren, Wiesen und Wege auf dem Gnadenhof des Stadttaubenprojektes Frankfurt in Oberrad so stark unter Wasser gesetzt, dass es zu verzweifelten Hilferufen für die Gurrer kam.

Oberrad – Knöchelhoch stand auf dem gesamten Grundstück Wasser. Zwischen riesigen Birken, Gingko- und Walnussbäumen, Buchen und Hibiskus wateten mehrere Stunden lang Ehrenamtliche von Voliere zu Voliere, um rund 600 Tauben vor den Wassermassen, die vom Himmel kamen, zu schützen. Sie schleppten Sandsäcke und Schaufeln, Eimer und Pumpen. Als es immer schlimmer wurde, rief der Verein Stadttaubenprojekt Frankfurt in seinem Oberräder Gnadenhof auf Facebook um Hilfe. "+++ DRINGENDER HILFEAUFRUF +++ Auf dem Gnadenhof steht alles unter Wasser!!!! Auch die Volieren mit zum Teil flugunfähigen Tieren. So etwas haben wir noch nie erlebt, bitte helft uns. Wer hat eine Wasserpumpe, Sandsäcke?"

296 Mal geteilt

Der Beitrag wurde 296 Mal geteilt, aus Frankfurt und dem Umkreis eilten Tierliebhaber mit Auto und Pumpen herbei, um den Wasserschaden so gering wie möglich zu halten. "Alle 12 Volieren standen unter Wasser, eine ist komplett zerstört und unsere ganz neue Voliere ist angeschlagen", so die Vorsitzende Gudrun Stürmer (65). "Zum Glück ist kein Vogel gestorben", sagt sie halb erleichtert, halb weinend. "Sogar unser Fasanweibchen mussten wir in Sicherheit bringen. Sie schwamm in ihrem Nest auf dem Wasser und wollte einfach nicht raus", berichtet Stürmer. Die Wassermassen, die die Fluggehege getroffen haben, waren so hoch, dass das Wasser in die Taubenhäuser floss. Stürmer, ihre Mitarbeiterin Petra und eine weitere Ehrenamtliche haben an alle Türen Sandsäcke geschleppt, damit nichts weiter eindringen kann. "Viele der Sandsäcke hat uns mal die Freiwillige Feuerwehr Oberrad überlassen, falls es zu Überschwemmungen kommt", erklärt Petra und berichtet, dass zwischendurch auch drei Helfer von der Feuerwehr gekommen sind und beim Pumpen und Schippen geholfen haben. "Das war ausgesprochen nett und hilfreich für die Tiere und die Volieren", so Petra.

Patschnasse Tauben sitzen im Gras 

Im Gras sitzen patschnasse Tauben, schlagen mit ihren Flügeln und kommen nicht hoch. Vorsichtig fangen die Taubenschützer die verängstigt gurrenden Vögel mit Keschern ein, nehmen sie auf den Arm. "Das sind Sorgenkinder von uns", erklärt Petra. "Sie wurden mit völlig verölten Federn zu uns gebracht. Haben wahrscheinlich unter Pommesbuden gelebt. Wenn die Federn verölt sind, kann das Wasser nicht mehr abperlen und fliegen ist für sie unmöglich."

Der Gnadenhof des Stadttaubenprojektes gibt Tauben ein Zuhause, die verletzt, angeschossen, vergiftet oder ausgesetzt wurden und bleibende Schäden davongetragen haben. Auch entkräftete Brieftauben und Rassetauben, die dem Rasseideal nicht entsprechen, werden bei Gudrun Stürmer untergebracht, da sie in Freiheit nicht überleben würden. Bis das Grundstück wieder trockengelegt ist, kommen die flugunfähigen Tauben einzeln in Transportkörbe. "Jetzt trocknen wir sie erst mal, dann bekommen sie Wasser und Futter. Sie zu duschen allein wird nicht reichen, da werden wir demnächst vorsichtig mit Wasser und Spülmittel das Öl aus dem Federkleid holen müssen", spricht sie leise weiter. Doch noch muss geschaufelt und getrocknet werden.

Nasse Handtücher

In den Vogelhäusern liegen klatschnasse Handtücher, die großen Außentröge für Wasser sind voller Schmutz, die weißen und grauen Tauben kauern in kleinen Holzkästen. "Wir sind so froh, dass keiner unserer Schützlinge ertrunken ist", sagt sie und streicht einer verölten Taube übers Gefieder. Nach über drei Stunden ist es geschafft, das Wasser ist aus den Volieren und Häusern verschwunden. Die Helfer sind erschöpft. "Das möchten wir nie wieder erleben. Gott sei Dank konnten uns Tierfreunde mit Pumpen aushelfen."

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