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Aufgereiht parken die Reisebusse am südlichen Mainufer. Das will die Stadt jetzt ändern. Zudem sollen die Abstellplätze kostenpflichtig werden.

Parkgebühr wird eingeführt

Reisebusse kommen weg vom Main - Diese Standorte sind die Alternative

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Schluss mit der Reisebus-Wand am südlichen Mainufer: Die Stadt will die Touristentransporter ab August weitgehend aus der Innenstadt verdrängen. Verkehrsstadtrat Klaus Oesterling (SPD) schlägt drei Alternativparkplätze vor. Er will auch eine stattliche Parkgebühr einführen.

Frankfurt - Wer als Tourist per Reisebus nach Frankfurt kommt, kann sich freuen: Am Paulsplatz, direkt im Herzen der Stadt, wird er abgesetzt. Römer, Dom, Altstadt, Museen – von hier aus können Besucher alle wichtigen Sightseeing-Ziele zu Fuß schnell erreichen.

Sind die Fahrgäste ausgeladen, werden die Zehntausenden Busse, die jedes Jahr die Mainmetropole ansteuern, aber zum Problem. Für die nächsten Stunden müssen die Gefährte parken. Busparkplätze in der Nähe sind jedoch Mangelware. Drei Parkplätze gibt’s am Untermainkai, einige weitere am Sachsenhäuser Ufer und am Schaumainkai.

Dort allerdings hat die Nutzung inzwischen überhandgenommen – verstärkt wohl auch dadurch, dass die neue Altstadt noch zusätzlich mehr Gäste anlockt. Nicht selten 25 Busse parken aufgereiht am Südufer des Mains. Und versperren so auch den Blick auf Ufer, Fluss und die Skyline. „Die Buswand ist nicht mehr tragbar“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen hatte von ihm ein Konzept für die Reisebus-Parkplätze gefordert. Er bringt es nun in die städtischen Gremien ein, die im Mai entscheiden sollen. Demnach sollen die Busparkplätze direkt am Main bereits ab August Geschichte sein.

Drei neue Standorte für Reisebusse 

Als Ersatz sollen die Busse an drei anderen Stellen parken:  

- Sachsenhausen am Theodor-Stern-Kai westlich der Friedensbrücke,

- Gutleutviertel entlang der äußersten westlichen Gutleutstraße,

- Ostend in der Eytelweinstraße am Honsell-Dreieck nahe Ostbahnhof und Europäischer Zentralbank.

Bereits im Vorfeld hatte der Verkehrsdezernent den Festplatz Ratsweg als dauerhafte Lösung ausgeschlossen, da die Flächen dort ja häufig von Veranstaltungen belegt seien. Auch die zwischenzeitlich von ihm ins Gespräch gebrachten Standorte wie die Schwarzwaldstraße in Niederrad oder die Niederräder Landstraße sind vom Tisch.

Nach Beschwerden von Anwohnern im Gutleutviertel will Oesterling die Busse dort in die Bereiche westlich von Sommerhoffpark und Wurzelsiedlung verdrängen. Damit erfüllt er einen entsprechenden Wunsch auch des Ortsbeirats. Parken können die Busse „bis an die Autobahnauffahrt heran“, dort sei reichlich Platz vorhanden.

An der Eytelweinstraße sollen die Busparkplätze außerdem keine Dauerlösung sein. „Später werden wir sie in die Franziusstraße verlegen, so in zwei bis drei Jahren“, kündigt der Verkehrsstadtrat an. Diese Straße – eine der Haupterschließungsrouten des Osthafens I – werde zunächst ab 2020 saniert. Denn sie ist in einem so schlechten Zustand, dass sie auf Platz eins der Sanierungsliste der Straßen in Frankfurter Gewerbegebieten steht.

Parkplätze für Reisebusse: Immerhin billiger als Paris

Zusätzlich will Oesterling Schluss machen mit kostenlosem Parken. Die neuen Busparkplätze sollen zehn Euro Gebühr pro Stunde kosten, maximal 50 Euro pro Tag. „Wir hoffen, dass wir so das Problem mit den Dauerparkern in den Griff kriegen“, sagt der Stadtrat. Immer wieder gibt es Klagen darüber, dass Busse teils wochenlang parken.

Wohl auch deshalb signalisiert die Tourismus+Congress GmbH (TCF) grünes Licht für Oesterlings Pläne. „Wir unterstützen den Vorschlag vollständig“, erklärt Ines Philipp, die Sprecherin von Geschäftsführer Thomas Feda. Vielleicht auch deshalb, weil den Bussen in Frankfurt so hohe Gebühren wie etwa in Paris erspart bleiben. Dort kosten sechs Stunden Parken in Zentrumsnähe bis zu 249 Euro.

Am wichtigsten ist der städtischen Vermarktungsgesellschaft, dass die Reisebusse weiter ihre Fahrgäste am Paulsplatz absetzen und wieder aufnehmen könnten. Deshalb sei dort ein Parkverbot notwendig, um genügend Halteplätze zu haben, erklärt Philipp. Wichtig sei ebenso, dass die Dauerparkplätze für die Busse „stadtnah liegen und nicht so weit draußen, zum Beispiel am Rebstock“, damit die Fahrstrecken nicht ausuferten. Ideal seien daher die neuen Parkplätze am Theodor-Stern-Kai. Bei jenen im Ostend „muss man eben Kompromisse eingehen“.

Auf Bitte der TCF will Klaus Oesterling den Busunternehmen auch noch „eine Karenzzeit“ einräumen. Diese hätten ihre Jahrestouren ja schon lange finanziell kalkuliert. Die neuen Parkgebühren sollen deshalb erst ab dem 1. Januar 2020 kassiert werden.

Kommentar von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Ein Problem gelöst, das nächste wartet

Drei Dauer-Reisebusparkplätze für den Frankfurter Touristenverkehr: Der Vorschlag von Klaus Oesterling scheint der große Wurf zu sein. Auf ihn warten geplagte Anwohner und genervte Busfahrer schon so lange. Sicherlich sind alle drei Standorte nicht zu 100 Prozent ideal. Am Theodor-Stern-Kai werden viele Autoparkplätze wegfallen. Das wird für die Betroffenen ebenso ärgerlich, wie es politisch und in Sachen Luftreinhaltung auch folgerichtig ist. Die Standorte ganz im Westen der Gutleutstraße sowie im Osthafen I liegen dagegen sehr dezentral. Dorthin locken kann die Stadt die Busfahrer natürlich, indem sie nützliche Infrastruktur wie Stromanschlüsse, Wasserzapfpunkte, vielleicht sogar Toiletten anbietet. Frankfurts ältestes Wasserhäuschen Jöst I am Franziusplatz darf sich wohl auf steigende Umsätze freuen.

Problem also gelöst? Nein, zu groß ist immer noch das Chaos zu Stoßzeiten am völlig überfüllten Reisebus-Halt am Paulsplatz. Verzweifelt halten die Busse hier in zwei Reihen. Stadtbesucher werden nur Zentimeter neben dem brandenden Verkehr der Berliner Straße entlanggeschleust. Das Prozedere hier ist hochgefährlich. Und überhaupt keine Werbung für Frankfurts Gastfreundlichkeit.

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