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Die Gewalt von jugendlichen auf dem Riedberg nimmt immer mehr zu. (Symbolbild

Polizei zeigt mehr Präsenz

Riedberg: Mann einfach ins Gesicht geschlagen - Gewalt von Jugendlichen nimmt zu

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Mitten am Tag wird Ulrich F. auf der Altenhöferallee angegriffen, geschlagen und getreten. Zwei Wochen später sitzt der Schock immer noch tief, auch wenn der Täter mittlerweile gefasst wurde. Aber: Es ist nicht der erste Fall auf dem Riedberg, der in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen sorgte.

Frankfurt - Es ist ein Donnerstagnachmittag kurz nach elf Uhr, die Sonne scheint, der Himmel ist blau. „So ein perfekter Frühlingstag eben, an dem man durch das schöne Wetter schon gute Laune bekommt“, erinnert sich Ulrich F. trotzdem eher ungern an diesen Tag Ende Februar.

Mit seinem Partner ist er zu Fuß an der Altenhöferallee unterwegs, ihr Ziel ist das Jugendhaus in der Friedrich-Dessauer-Straße. Auf Höhe der Bäckerei Ruppel kommt ihnen ein unauffälliger Mann entgegen. Als er F. passiert, geht alles ganz schnell. „Ohne irgendeine Vorwarnung hat er mit seiner Faust auf meine rechte Kopfseite geschlagen und mit dem Knie getreten. Mir flog alles weg“, erinnert er sich. Während F. versuchte sich zu orientieren, ging der Täter weiter. Er rannte nicht, sondern lief im Schritttempo und verschwand im Riedberg-Zentrum. „Mein Partner ist hinterhergelaufen, um ein Foto von ihm zu machen, was auch gelungen ist“, sagt der 64-Jährige. Das war ein Glücksfall, denn das Foto konnten die beiden Männer der Polizei übergeben, wo sie direkt nach dem Vorfall Strafanzeige stellten.

 Letztlich war es aber eine Zeugin, die dazu beitrug, dass der Täter noch am selben Tag gefasst werden konnte. Denn Ulrich Fs. Partner informierte im sozialen Netzwerk Facebook über den Vorfall. „Um zu warnen“, wie F. sagt. Doch daraufhin meldete sich eine Dame, die den Vorfall beobachtete und den Täter am Nachmittag im Riedbergzentrum wiedersah. Sie informierte die Polizei, der Mann konnte festgenommen werden.

Riedberg: Seelische Wunden nach Angriff

„Er war wohl psychisch krank, wohnt hier in einer Einrichtung auf dem Riedberg. Ich war nur ein Zufallsopfer“, sagt Ulrich F. Sowohl der Mann, wie auch die Einrichtung hätten sich bei ihm entschuldigt. Die körperlichen Wunden sind fast verheilt, die seelischen bleiben. Er schaue jetzt anders auf die Menschen, die ihm entgegenkommen, sagt der Riedberger. Auch achte er auf Schritte hinter sich und drehe sich öfters um.

„Verfolgungswahn ist das nicht, ich bin einfach viel aufmerksamer geworden. Das ist aber wohl auch völlig normal und wird sich bessern“, sagt er. Es könne aber durchaus vorkommen, dass er die Straßenseite wechselt, wenn ihm eine Person suspekt vorkommt. „Das hätte ich früher sicher nie gemacht“, sagt F.

Leichter machen würde ihm das Aufarbeiten des Unfalls, weil der Täter krank und es somit kein gezielter Angriff auf ihn war. „Ich kann dem Mann ja keinen Vorwurf machen“, sagt er. Ebenso wenig stünde die Tat an ihm in Zusammenhang mit dem schlimmen Ereignis Anfang Dezember, als ein Mann am Prozessionsweg von hinten mit einer Hantelstange angegriffen wurde. Wie auch im Fall von Ulrich F. wurden damals keine Wertgegenstände entwendet.

Waren es früher gestohlene Autos oder Navigationssysteme, die auf dem Riedberg für Schlagzeilen sorgten, so kam es in den vergangenen Wochen vermehrt zu Polizeimeldungen, die über körperliche Angriffe berichteten. „Das darf jetzt aber nicht überbewertet werden. Alleine bei drei Vorfällen ging es um Jugendliche, die sich untereinander Kopfhörer geklaut haben“, warnt Ulrich F. auch davor, dass der Riedberg jetzt zu einem sozialen Brennpunkt werden könnte. „Wir leben in einer Großstadt, in Frankfurt. Da kann so etwas immer passieren, auch auf dem Riedberg“, sagt F., der mit seinem Partner seit 2011 dort wohnt. Und nach wie vor gerne.

Anders reagieren

Unsicher fühle er sich gewiss nicht, trotz des Vorfalls. Auch weil die Polizeipräsenz mit dem Umzug des 14. Polizeireviers ins Mertonviertel „spürbar gestiegen“ sei. „Man muss mit wachsamen Augen unterwegs sein und schnell reagieren. Würde mir das jetzt noch einmal passieren, dann würde ich hinterher laufen“, sagt F., hofft aber derweil, dass er nie wieder in solch eine Situation kommen wird. „Laut Statistik passiert das nur einmal im Leben. Dann wäre ich ja durch“, hat er seinen Humor trotz allem nicht verloren.

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