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IAA- Eröffnung - Protest

IAA verschärft Sicherheitsmaßnahmen

Auto-Manager halten Branche für bedroht

Der IAA in Frankfurt weht dieses Jahr heftiger Gegenwind entgegen. Und zwar so heftiger, dass die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden.

Frankfurt - Gesperrte Straßen und strengere Taschenkontrollen: Bei der Frankfurter Automesse (IAA) werden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Denn Klimaaktivisten trommeln zur Großdemonstration und zu Protestaktionen. Die Polizei hält Anschläge auf Autohäuser für möglich. 

Veranstalter und Sicherheitsbehörden bereiten sich auf Proteste während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vor. Umweltschutz-Organisationen haben zu Demonstrationen aufgerufen, radikale Klimaaktivisten zur Blockade der Eingänge auf das Messegelände. Schwerpunkt der bisher angekündigten Aktionen ist das Publikumswochenende 14. und 15. September, an dem Zehntausende IAA-Besucher erwartet werden.

Um deren Sicherheit zu gewährleisten, setzt der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf strengere Kontrollen. "Die Besucher sollten sich auf längere Wartezeiten am Einlass einstellen und am besten nur mit leichtem Gepäck zur Messe kommen", sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter. Taschenkontrollen habe es zwar schon bei der IAA 2017 gegeben, "aber wir werden Sorgfalt und Genauigkeit anziehen". Mit den zuständigen Polizeibehörden stehe der IAA-Veranstalter in regelmäßigem Kontakt und passe das Sicherheitskonzept deren aktueller Lageeinschätzung an, so Rotter.

Problem: Rettungswege werden versperrt

Für die Frankfurter Polizei ist das Protest- und Besucherwochenende eine "logistische Herausforderung", sagte deren Sprecher Alexander Kießling. Zur Großdemonstration in der Friedrich-Ebert-Anlage sollen laut Anmeldern 20 000 Teilnehmer kommen. "Gleichzeitig sind dann 30 000 bis 40 000 Menschen auf der IAA. Wir müssen sehen, dass wir die Flucht- und Rettungswege offenhalten", beschreibt Kießling die Herausforderung. Straßensperrungen seien unvermeidlich. Derzeit sei geplant, einen Teil der Theodor-Heuss-Allee sowie die komplette Friedrich-Ebert-Anlage stadteinwärts zu sperren. Gitter am Fahrbahnrand sollen dafür sorgen, dass Feuerwehr und Rettungskräfte im Notfall freie Fahrt haben.

Die Großdemonstration am Samstag steht unter dem Motto "Aussteigen - Raus aus dem Verbrennungsmotor!" und wird unter anderem von der Deutschen Umwelthilfe, Greenpeace und dem Allgemeinen Deutschen-Fahrrad-Club (ADFC) veranstaltet. Auch die Grünen und die Linke unterstützen die Protestkundgebung, der eine Fahrrad-Sternfahrt vorausgeht. "Wir gehen von einem friedlichen Verlauf aus", sagt Polizeisprecher Kießling. Aber man wisse nie, welche anderen, womöglich gewaltbereiten Gruppen an dem Wochenende auch noch aktiv werden.

In Kronberg im Taunus sind maskierte Täter vor einer Woche in ein Autohaus eingedrungen und haben 40 Luxuswagen beschädigt. Auf einer linksradikalen Internetseite wurde ein Bekennerschreiben veröffentlicht, dessen Verfasser sich auf die bevorstehende IAA bezogen haben. Ob es echt ist, können die Ermittler noch nicht sagen. Ähnliche Aktionen befürchtet die Polizei offenbar auch während der Automesse. Denn Kießling sagt: "In unser Raum- und Objektschutzkonzept sind Autohäuser mit einbezogen."

"Autokonzerne entmachten"

Während die Unterstützer der Großdemo und Rad-Sternfahrt aus dem linksbürgerlichen Spektrum kommen, ist am Sonntag darauf auch mit radikaleren Aktivisten zu rechnen: Das Bündnis "Sand im Getriebe" ruft zur Blockade der IAA auf. "Der politische Stillstand zwingt uns, die Verkehrswende selbst in die Hand zu nehmen", nennen sie ihr Ziel: "Autokonzerne entmachten". Die drohende Klimakatastrophe könne nur noch durch sofortige, radikale Maßnahmen abgewendet werden. 
von Daniel Gräber

Wenige Tage vor der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert sich die Branche stark verunsichert. So sehen 64 Prozent der Führungskräfte in der Automobilindustrie eine große oder sogar sehr große Disruptionsgefahr für das eigene Geschäftsmodell.

Zum Vergleich: In der Elektroindustrie sagen dies nur 52 Prozent und im Maschinenbau sogar nur 45 Prozent der Manager.

Auch insgesamt sieht die Automobilindustrie den derzeitigen Wandel wesentlich skeptischer als die anderen Leitbranchen. Das sind Ergebnisse der Studie "Erfolg im Wandel" der Unternehmensberatung Staufen. Mehr als 400 Top-Führungskräfte deutscher Unternehmen wurden dafür befragt, davon rund 70 aus der Automobilindustrie.

Die Gefahr, dass die Automobilindustrie ihre bisherige Rolle als innovative Vorreiter-Branche tatsächlich einbüßen könnte, ist dabei mehr als nur eine gefühlte Sorge. So ging der im Rahmen der Studie erhobene "Change Readiness Index" (CRI) für den Automobilsektor in diesem Jahr von 61 auf 55 Punkte (maximal 100 Punkte erreichbar) zurück. red

Aktivisten kündigten bereits an, gegen die Automobilbranche zu demonstrieren. Mehr zur Internationalen Automobil-Ausstellung lesen Sie auch in unserem Ticker.

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