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"Fridays for Future"

Schüler-Protest

Rund 6000 Demonstranten zogen bei „Fridays for Future“ durch die Innenstadt

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Dem internationalen Aufruf der Schulstreik-Bewegung „Fridays for Future“ folgten in Frankfurt gestern rund 6000 Schüler und andere Demonstranten. Sie protestierten in der Innenstadt gegen die derzeitige Klimapolitik. Während SPD, Grüne und Linke die Aktion ausdrücklich unterstützten, kamen aus der CDU auch kritische Töne.

Frankfurt - Von der globalen Erwärmung war gestern nicht viel zu spüren. Bei nasskaltem Wetter versammelten sich die „Fridays-for-Future“-Unterstützer gegen Mittag an der Bockenheimer Warte. Zahlreiche Schüler aus Frankfurt und dem Umland waren dem Aufruf der von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg ins Leben gerufenen Schulstreik-Bewegung gefolgt. Sie hatten den Unterricht sausenlassen, um auf der Straße gegen die derzeitige Klimapolitik zu protestieren. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, skandierten sie. Einer ihrer Wortführer, der Frankfurter Abiturient Luca Peters, kletterte auf eine Taxisäule und schrie sich die Seele aus dem Leib. Gegen 12.30 Uhr setzte sich der Protestzug in Bewegung.

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Rund 5000 Demonstranten zählte die Polizei. Unter ihnen waren aber nicht nur Schüler, sondern auch einige Erwachsene. Entschlossen dreinblickende Väter mit kleinen Gretas an der Hand. Grundschullehrerinnen, die ihre Schüler in gelbe Warnwesten gepackt und mit selbst gemalten Rettet-die-Welt-Schildchen zur wahrscheinlich ersten Demo ihres Lebens gebracht haben. Grauhaarige Altkommunisten, die per Flugblatt zum generationsübergreifenden Klassenkampf aufriefen.

Eine junge Frau präsentierte ihr Plakat: „Liebe machen statt Klima ficken“. Sie hatte ein Kleinkind dabei und war schwanger. Eine ähnliche Parole stieß bei einer Gruppe männlicher Schüler auf Zuspruch. „Fickt einander nicht die Umwelt“ hatte eine Klassenkameradin auf ihr Protestschild geschrieben. Die Jungs, markenbewusst gekleidet und mit Zigarette im Mundwinkel, äußerten Anerkennung („Boah. Find’ ich echt gut.“) Um die Umwelt ging es ihnen dabei vermutlich weniger.

Auf dem Opernplatz stieß ein zweiter Demonstrationszug mit etwa 1000 Teilnehmern hinzu, die am Hauptbahnhof losgelaufen waren. Zur Abschlusskundgebung ging es dann auf den Römerberg.

"Friday for future": Feldmann lädt Greta ein

Politische Rückendeckung erhielten die jugendliche Demonstranten von SPD, Grünen und Linken. Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel bezeichnete die Kundgebungen als richtigen und wichtigen Weg. „Es sind die Kinder und Jugendlichen, die morgen die Konsequenzen dessen tragen müssen, was wir heute versäumen“, sagte er. Die Grünen im Landtag riefen dazu auf, die Forderungen der Jugendlichen ernstzunehmen und danach zu handeln. „Es ist großartig zu sehen, wie eine ganze Generation von Schülern für ihre Zukunft auf die Straße geht und sich nicht mit Lippenbekenntnissen abspeisen lässt“, sagte Grünen-Klimaschutz-Sprecherin Martina Feldmayer.

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Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lud die schwedische Erfinderin der Schulstreik-Bewegung zu einem Besuch ein. „Ich teile die Ziele der protestierenden Schülerinnen und Schüler für mehr Klimaschutz von ganzem Herzen“, schrieb Feldmann auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Es wäre großartig, wenn auch die Mit-Initiatorin, Greta Thunberg, nach Frankfurt kommen würde. Ich lade sie herzlich zu uns ein!“

Auch Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) lobte die protestierenden Schüler. „Es ist gut, dass Jugendliche und junge Erwachsene für ihre Zukunft demonstrieren und gleichzeitig an ihren Schulen für den Klimaschutz handeln“, erklärte Weber. Durch Energiesparprojekte seien an Frankfurter Schulen die Kohlendioxid-Emissionen um 3 740 Tonnen im Jahr gesenkt worden.

CDU fordert Ende der Streiks

Zurückhaltende bis kritische Töne kamen hingegen von der CDU. „Wenn Schüler sich politisch engagieren, freuen wir uns darüber. Wenn sie demonstrieren wollen, können Sie das selbstverständlich gerne tun, aber nicht während der Schulzeit“, sagte Sebastian Sommer, stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Hessen. Die CDU-Jugendorganisation sehe daher „die Lehrkräfte in der Pflicht, das Schulschwänzen entsprechend zu ahnden“.

Auch die Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann forderte, keinen weiteren Unterrichtsausfall in Kauf zu nehmen. „Mit den Klimaprotesten haben Schüler weltweit und in Deutschland gezeigt, dass sie politisch denken und handeln können. Das ist gut so: Das Signal wurde gesetzt, verstanden und aufgenommen“, teilte Wiesmann mit. Die Schulstreiks müssten jetzt ein Ende finden. „Ziel der Proteste war schließlich kein verlängertes Wochenende, sondern auf die Politik einzuwirken und Menschen für den Umwelt- und Klimaschutz zu sensibilisieren“, so die Politikerin.

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