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Die Renovierung der S-Bahn-Tunnelstationen zieht sich hin. Gründe dafür sind unter anderem enge Zeitfenster und langwierige Materialanlieferungen per Schiene, erklärt die Deutsche Bahn. Hier ist ein Bauzaun an der Station Hauptwache zu sehen, vor dem Passagiere warten.

S-Bahn Tunnel Frankfurt

Bahnsteig-Sanierungen gehen weiter

Deutsche Bahn Kunden können erst Ende 2020 mit kompletter Fertigstellung rechnen - Ein Überblick Mehrfach und wochenlang war der S-Bahn-Tunnel in Frankfurt gesperrt, zuletzt im Sommer 2018. Doch auf vielen Tunnel-Bahnsteigen laufen noch immer Bauarbeiten. Der Platz für die Fahrgäste ist eingeschränkt, vieles sieht unfertig aus, alles geht nur im Schneckentempo voran. Wieso wird die Deutsche Bahn nicht fertig?

Frankfurt - Erst ein paar Tage ist es her, da wurde der Bahnsteig auf der Hauptwache von einer seiner Dauerbaustellen ein wenig erlöst. Nach vielen Monaten fielen die Bauzäune. Was sichtbar wurde, ist aber auch nur ein unfertiger Bau.

Nicht nur der Perron der S-Bahn-Station Hauptwache wirkt bestenfalls teilweise saniert. Auch in anderen Tunnelstationen sieht es oftmals unfertig aus. Dabei scheint die Deutsche Bahn AG doch eigentlich genug Zeit gehabt zu haben: Zweimal war die Stammstrecke der S-Bahn für Bauarbeiten während der gesamten Sommerferien gesperrt gewesen, 2016 und 2018. Hinzu kamen weitere Sperrungen in Nächten und während der kompletten Osterferien im vergangene Jahr.

Frankfurt: Bauarbeiten bei der S-Bahn

Während dieser Zeit wurde vor allem neue Technik im Tunnel eingebaut. Zudem wurden neue Bahnsteig-Beläge an der Hauptwache, der Taunusanlage und am Hauptbahnhof hergestellt. Aber wieso laufen jetzt noch immer so viele Bauarbeiten, hätte die Bahn da nicht längst fertig werden können? "Leider nicht", sagt Stephan Schwinn, Leiter des Regionalbereichs Mitte der für die Bahnhöfe zuständigen DB-Tochter Station & Service.

Die Sperrungen seien "zeitlich nicht ausreichend" gewesen, erklärt die speziell für die unterirdischen Bahnhöfe in Rhein-Main zuständige Mitarbeiterin, die Arbeitsgebietsleiterin Stefanie Rieder. Auch könnten nicht alle geplanten Arbeiten zeitgleich erledigt werden, betont Peter Waldner, Technikchef des Frankfurter Bahnhof-Managements: "Wenn wir den Boden neu machen, können wir zum Beispiel unmöglich zugleich Fahrtreppen austauschen." Deshalb sei schon vorher klar gewesen, dass sich die Sanierungen der Stationen deutlich länger hinziehen als die Phase der Komplettsperrungen. In der Zwischenzeit sind die Bauarbeiten an einigen Tunnelstationen durchaus gut vorangekommen:

Flughafen-Regionalbahnhof:Ist gerade fertig geworden, der Waschbeton flog raus. Die Wände wurden gestrichen oder mit Betoglass oder Fliesen verkleidet, helle Böden eingebaut. Als Letztes werden noch die Informations-Monitore auf der Verteilerebene einen Stock höher erneuert.

Hauptbahnhof tief:Hier ist fast alles fertig. Die Böden, Wände und B-Ebene, sind schon erneuert, aktuell werden Rolltreppen ausgetauscht. Bis Ende des Jahres folgen noch Wandverkleidungen aus Betoglass in den U-Bahn-Durchgängen.

Ein junger Mann ist am frühen Samstagmorgen auf eine S-Bahn in Frankfurt geklettert. Kurz darauf geht es in Flammen auf.

Taunusanlage:Die Station ist fertig saniert. Sie bleibt die einzige mit einer neuen abgehängten Deckenverkleidung aus Streckmetall, kündigt Stephan Schwinn an. Diese habe sich jedoch als Staubfänger entpuppt. Stattdessen sollen die Decken der Tunnelstationen offen bleiben - auch, damit die Bahnhöfe weniger gedrungen wirken, erklärt Stephanie Rieder. Die Decken sind oder werden schwarz gestrichen, Verkabelungen werden aufgeräumt und zugleich aufs Notwendige reduziert.

Hauptwache:Bodenbelag und Sitzmöglichkeiten sind bereits erneuert. Der gerade im Rohbau fertig gewordene Technikraum wird als nächstes ausgestattet, drei Verkaufsautomaten werden in der Außenwand noch integriert. Ab Frühjahr 2020 sollen die - derzeit vorübergehend gelb gestrichenen - Wände neu gestaltet werden. Sie werden mit gelbem Betoglass verkleidet, das edel und hell aussieht und sich einfach reinigen lässt. Dann wird auch die alte Aufsichtskanzel zu einem Kiosk umgebaut. Ende diesen Jahres sollen die Rückbauten der alten Wände starten.

Konstablerwache:Neue Sitzgelegenheit wurden schon installiert, der Bahnsteig und der Zugang Richtung Karstadt mit neuem Licht deutlich aufgehellt. Über den weiteren Ausbau verhandelt die Bahn laut Schwinn noch mit der städtischen Verkehrsgesellschaft VGF. Denn die Bahnsteige werden auf der anderen Seiten von deren U-Bahn benutzt. Hier soll eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden.

Ostendstraße:Schon 2016 erneuert und abgeschlossen, Tunnelwände von Graffitikünstler gestaltet. Gegen Schmierereien werden Bahnsteigwände öfter neu gestrichen - schon dreimal allein in diesem Jahr.

Lokalbahnhof:2016 erneuert und abgeschlossen, Tunnelwände wurden neu gestaltet, die gesamte Station tiefgehend grundgereinigt.

Mühlberg:Schon 2016 tiefgehend grundgereinigt, aber davon ist nichts mehr zu sehen. "Hier ist das Problem mit Schmierereien am größten", sagt Peter Waldner. Die Bahn versucht, mit regelmäßiger Reinigung gegenzuhalten. Die Decke über dem Bahnsteig soll noch neu weiß gestrichen werden.

S-Bahn Tunnel: Bauarbeiten dauern an

Warum aber geht es oft bloß im Schneckentempo voran? Weil die Bahnsteige den Tag über den Fahrgästen zur Verfügung stehen müssten, erklärt Stephan Schwinn. Und zwar enorm viele: 93 200 Menschen zählt die Bahn pro Tag auf dem S-Bahnsteig Hauptwache. Das ist annähernd so viel wie im Berliner Ostbahnhof oder im Bahnhof Hamburg-Altona.

Folge: Die Bauarbeiten können nur in einem engen Zeitfenster nachts laufen. Jeden Morgen müssen die Bahnsteige wieder freigeräumt sein. Hinzu kommt: Das Baumaterial muss meist per Schiene herangeschafft werden. Was nur geschehen kann, wenn keine S-Bahn rollt. Und dies ist seit vergangenem Jahr kaum noch der Fall: "Der Nachtverkehr der S-Bahn engt unsere Möglichkeiten noch stärker ein", erläutert Schwinn. Das verlängere die Bauzeit stark.

Bahn investiert viel Geld

Die Baustellen sind zudem keine Kleinigkeit. Rund 150 Millionen Euro steckt die Bahn in die Sanierung von Technik und neuem Erscheinungsbild der Frankfurter Tunnelbahnhöfe, teils Geld des Bundes, großteils aber Geld der Deutschen Bahn. Die Chefin der Untergrundstationen sieht dennoch Licht am Ende des Tunnels: Ende 2020, sagt Stephanie Rieder, sollen die Arbeiten fertig werden. 

Auch im normalen S-Bahn Verkehr läuft immer mal wieder etwas schief, mit unserem ÖPNV-Ticker sind Sie aber stets auf dem Laufenden. Dort steht dann zum Beispiel, wenn ein bewaffneter Mann in der Konstablerwache herumläuft und deswegen keine S-Bahn fährt. Dort erfahren Sie auch, wenn die Main-Weser-Bahn mal wieder gesperrt ist, weil die S6 zwischen Frankfurt West und Friedberg ausgebaut wird.

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