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In der Abi-Mottowoche sollen Abiturienten ein Vordach beschädigt und Müll auf dem Schulgelände und in der Nachbarschaft hinterlassen haben.

Hoher Schaden

Abi-Feier mit bösen Folgen: Schulleitung greift zu ungewöhnlicher Maßnahme

Die Abi-Mottowoche an einem Frankfurter Gymnasium ist eskaliert. Die Schulleitung reagiert mit einer ungewöhnlichen Maßnahme.

Frankfurt - Es muss wohl einiges passiert sein, damit eine Schulleitung einen offenen Brief an einen ganzen Abitursjahrgang richtet. So geschehen an der Schillerschule im Mai. Der Brief, der jetzt dieser Zeitung vorliegt, listet mit den Eingangsworten "wie schade, dass wir uns auf diesem Weg an Sie wenden müssen" die "Bilanz Ihres letzten Tages der Mottowoche" auf, die vom 13. bis 17. Mai an der Schule stattfand.

Von 1300 Euro Kosten für die Reparatur eines kaputten Vordachs (416,50 Euro) ist die Sprache, eine Sonderreinigung von zehn Handtuchrollen (535,50 Euro), die voll blauer Farbe waren, und für die Entsorgung von 800 Litern Müll. Stangen für Abiturplakate seien zu Bruch gegangen. Das Geld, das die Schule zahlen müsse, sei für die Anschaffung von Kameras für den Unterricht vorgesehen gewesen. "Aber was soll es - in den Genuss der Kameras kämen SIE ja sowieso nicht mehr", so der ironische Nachtrag.

Schillerschule - Vorgärten von Nachbarn beschädigt

Außerdem hätten sich Nachbarn beschwert, weil die Schüler deren Vorgärten beschädigt hatten. Die Schillerschule sei nun für Außenstehende "die Schule, deren Schüler bei den Nachbarn in den Vorgarten urinieren und sich dorthin erbrechen - das wird für lange Zeit der Tenor in Sachsenhausen sein." Sogar "härtere Hinterlassenschaften" habe der Hausmeister entfernen müssen. Warum der Tag eskalieren musste, sei unverständlich: "Wem wollten Sie schaden? (...) Ihren Lehrern? Dem Hausmeister (der leidet nämlich am meisten unter Ihrem Dreck)? Was treibt Menschen dazu, sich Ihrer Schule gegenüber so zu benehmen?"

Über die Ereignisse hüllt sich Schulleiterin Claudia Wolff auf Nachfrage aber in Schweigen. Die Schüler selbst fühlen sich zu Unrecht gemaßregelt: Die Vorwürfe seien übertrieben, sagt eine Abiturientin, die nicht mit Namen genannt werden will. Schon im Vorhinein sei der Ton der Schulleitung "aggressiv" gewesen. Es seien Strafen angedroht worden, sollte in der Mottowoche Alkohol getrunken werden. 

Deshalb hätten sie sogar aufgepasst, dass die Feierei nicht eskaliere. Der letzte Tag der Woche, von dem im Brief die Rede ist, stehe traditionell unter dem Motto "Innen blau, außen blau". Alkohol sei da auch im Spiel gewesen. Abiturienten hätten Finger- und Acrylfarbe mitgebracht, um ihre Kleidung und Haut blau einzufärben. "Wir haben tatsächlich nicht bedacht, dass die Handtücher dadurch blau werden, das tut uns auch wirklich leid. Aber die anderen Vorwürfe weisen wir zurück".

"Von uns waren gar nicht alle da", sagen die Schüler

Einige Schüler seien auf das Vordach gestiegen. "Der gleiche Vorwurf wurde aber schon im Vorjahr gemacht", erinnert sich ein anderer Abiturient. Die "harten Hinterlassenschaften" seien ein Missverständnis gewesen. Der Hausmeister habe Flaschen "harten Alkohols" in Büschen gefunden. 

"Der letzte Tag war zum Feiern da. Aber es kamen auch Schüler von anderen Schulen dazu, und von uns waren gar nicht alle da. Deshalb finden wir es ungerecht, dass der ganze Jahrgang beschuldigt wird", sagt die Abiturientin. Und sie fügt hinzu: "Es ist schade, dass wir unsere Schulzeit so beenden müssen. Wir wollen der Schillerschule nichts Schlechtes."

Eine Nachbarin aus der Morgensternstraße gegenüber des Schulgebäudes erinnert sich an Müll im Vorgarten. "Und das war nicht das erste Mal", sagt sie. "Wir sprechen deshalb oft mit dem Hausmeister. Die Schüler sagen zu ihm, sie müssten nicht aufräumen, dafür hätten sie ja den Hausmeister", habe der erzählt. Eine andere Anwohnerin hat aber von nichts Negatives mitbekommen. "Ich finde, die Schüler waren dieses Jahr sehr brav."

Die Frage, wer für Schäden haften müsste, ist nicht einfach zu beantworten. "Um eine Strafantrag zu stellen, brauchen Sie einen Täter", sagt der Frankfurter Strafrechtsanwalt Christoph Stock. "Man bräuchte Beweise, wer was gemacht hat. Sie können keinen ganzen Jahrgang haften lassen." Für den zivilrechtlichen Ausgleich des Schadens empfiehlt Stock, dass die Schüler "einen Klingelbeutel im Jahrgang herumgehen lassen, in den jeder etwas einzahlt. Ein Schaden muss auch wiedergutgemacht werden."

Auch wenn die Schule Kulanz walten lasse, gebe es keinen Freibrief für Beschädigungen, auch nicht für feiernde Schulabgänger, betont Stock. Die Stadt Frankfurt war bis Redaktionsschluss nicht in der Lage, Stellung zu beziehen. Wer auf dem Schaden sitzenbleibt, ist am Ende der Steuerzahler.

Von Stefanie Wehr

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