+
Das Haus des Anstoßes in der Melibocusstraße: Einige der Wohnungen stehen leer.

Niederrad

Schimmel, Schäden, eine Schande

Mieter aus dem Mehrfamilienhaus in der Melibocusstraße 35 erheben schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer. Lose Kabel an den Fassaden, die Gebäude voller Schimmel mit Rissen in den Wänden. Mietpreise, die es in sich haben. 

Frankfurt - Der Zustand der Immobilien in der Melibocusstraße 35a-d ist verheerend. Mieter und Pächter sind verzweifelt. Auf den ersten Blick wirken die Häuser von außen noch nett. Im Erdgeschoss der Melibocusstraße 35a-d Gastronomie und Läden, vier Stockwerke voller Wohnungen mit Balkonen. Doch wer genau hinsieht, blickt auf Müllberge, kaputte Klingel- und Briefkastenanlagen, riesige Löcher in der Decke der Einfahrt. Ratten huschen über den Hinterhof. Das Licht in Hausfluren funktioniert nicht. Lampen sind kaputt. Ein Teil der Aufzüge steht still. Die Türen zu den Stromzählern sind verschlossen. Klinken herausgebrochen. Wohnungen sind verschimmelt, haben kein warmes Wasser, Öfen heizen nicht. Wohnungen stehen leer. "Das ist die reinste Schikane und unerträglich", sagt ein frustrierter Mieter aus einem der vier Häuser mit jeweils zwölf Briefkästen.

Freiliegende Elektrik.

Müll am Firmensitz

Eigentümer der Immobilie, die vor acht Jahren aus einer Zwangsversteigerung herausgekauft wurde, ist die Granic GmbH. Deren Geschäftsführer ist Ivica Granic (38). Zu den Liegenschaften, die der GmbH ebenfalls gehören, zählen ähnliche Gebäude im Sachsenhäuser Ziegelhüttenweg mit lila Fassade und Balkonen. Auch hier - am Firmensitz - türmt sich Müll, Klingelschilder sind teilweise herausgerissen.

Eingetragen ist die Granic GmbH für den Erwerb von Grundstücken, Immobilien, Häusern und Eigentumswohnungen, den Bau von Häusern, Gebäudemanagement und Hausverwaltung. Doch wer sich postalisch an die Firma wendet, hat Pech. Ihr Briefkasten ist zugeklebt mit dem Hinweis: "Die Post für die Granic GmbH bitte im Briefkasten vor dem Büro einwerfen (4. Stock)." Die Haustür ist geschlossen; Briefe, auch Einschreiben, gehen an den Absender zurück.

Rechtsanwalt Stephan Otto vertritt seit über zehn Jahren Bewohner der Immobilie, insgesamt mehr als 15, in Belangen des Mietrecht, hat Prozesse gegen die Granic GmbH geführt, vor kurzem wieder eine Strafanzeige gegen den Vermieter gestellt. "Granic macht keine richtigen Betriebskostenabrechnungen. Er berechnet Kabelanschluss, obwohl es keinen mehr gibt. Wenn er Klagen gegen Mangelbeseitigung verliert, passiert nichts", sagt der Jurist.

Im Hof türmt sich der Müll.

Problemklientel

Ivica Granic sagt, er habe einen hohen finanziellen Schaden wegen Mietrückständen und Sachbeschädigungen der "Problemklientel", er klage nur gegen die "schlimmen Fälle", die jahrelang gar keine Miete zahlten. Dem widerspricht Rechtsanwalt Otto entschieden.

"Seit 2012 tut er nichts, außer, dass er die Preise immer höher treibt und die Häuser verrotten", sagt nicht nur ein Bewohner. Auch Ladenbetreiber bestätigen das. Bereits im März mussten eine Eisdiele und ein Spielsalon ausziehen. Im Juni endete ein Mietvertrag einer Bar. Einem weiteren Geschäft wurde vor Kurzem trotz langem Vertrag die Kündigung geschickt und eine Zahlungsaufforderung in fünfstelliger Höhe.

Auch der "Kultimbiss" soll raus. Nach 53 Jahren trifft es den Gastro-Award-Bundessieger in der Kategorie "Schnelle Küche 2011". Die Betreiber möchten sich nicht äußern, bestätigen nur die Räumungsklage.

Ein Mieter sagt: "Der will einfach alle rausschmeißen." Andere Mieter bekräftigen den Eindruck. Anders könnten sie sich "radikale Mieterhöhungen" und "Verlängerung von Verträgen gegen hohe Geldsummen" nicht erklären. Ivica Granic bestätigt, dass in der Melibocusstraße Wohnungen leer stehen. Grund: Er wolle keine neuen "Problemmieter" mehr haben, gegen die er dann wieder jahrelang prozessieren müsse. Deshalb lasse er Wohnungen und Läden solange leer stehen, "bis er saubere neue Mieter findet, wo es auch menschlich passt". Er stelle sich für die Zukunft ein Umfeld vor, in dem man sich auch mit Kindern wohlfühlen könne.

An einigen Stellen ist die Deckenverkleidung kaputt.

Ein ehemaliger Mieter berichtet, dass Ivica Granic zu ihm gesagt habe, dass er "einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe", nachdem der Mietvertrag unterschrieben war. "Wir fühlten uns erpresst und genötigt."

Wohnungen kosten 1100 Euro für zwei Zimmer, Küche, Bad. Drei Zimmer, Küche, Bad - 1400 Euro. Voller Schimmel, ohne Heizung. Steckdosen liegen offen. "Schimmel in Wohnungen ist ein klassischer Mangel. Wenn der Vermieter solche Mängel nicht behebt, kann Mietminderung geprüft werden", sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer vom DMB Mieterschutzverein Frankfurt. Das gleiche gelte für nicht funktionierende Heizungen und Warmwasser. "Notfalls vor Gericht. Der Vermieter muss beweisen, dass kein Baumangel vorliegt und dem Mieter muss Schuld nachgewiesen werden", sagt Janßen. Granic dagegen sagt, dass bauliche Schäden grundsätzlich behoben würden. Zudem sagt er, dass er "nach jahrelanger Geduld" eine "saubere Mieterschaft" haben möchte. "Daher müssen die Problemmieter alle weg."

Mieter kritisieren auch, dass sie seit Jahren nicht an die Stromzähler im Erdgeschoss kommen, um ihre Zähler zu kontrollieren. Doch das sei nötig, da die Stromrechnungen horrende seien. Nur ein Beispiel einer Monatsrechnung: 735 Euro Abschlag berechnet der regionale Energieversorger Mainova AG für einen Zwei-Personen-Haushalt in zwei Zimmern - ohne Heizung und ohne heißes Wasser.

Zugang einfordern

Janßen sieht auch hier den Vermieter in der Pflicht. "Zugang zu den Stromkästen kann bei berechtigtem Interesse eingefordert werden. Zugang muss gewährleistet sein. Das kann man auch als Mieter notfalls gerichtlich einfordern." Mieter beklagen auch, dass auch die Mainova keinen Zugang zu den Zählern habe. Unternehmenssprecher Sven Birgmeier erklärt: "Es gibt Fälle, in denen ein Energieversorger keinen Zutritt zu Liegenschaften erhält, um von seinem Ableserecht Gebrauch zu machen." Grund sei beispielsweise eine explizite Verweigerung oder ein schlichtes Ignorieren von Zutrittsgesuchen. Ein Energieversorger dürfe in Fällen, in denen der Grundversorger das Grundstück und die Räume des Kunden nicht zum Zwecke der Ablesung betreten kann, "den Verbrauch auf Basis der entsprechenden energierechtlichen Regelungen unter den dort genannten Voraussetzungen schätzen".

Ivica Granic dagegen sagt, dass die Mieter durchaus an die Stromkästen dürfen - "aber nicht wie früher willkürlich". Es habe in der Vergangenheit Missbrauch und Vandalismus gegeben, daher könne der Zugang nur noch nach Terminvereinbarung erfolgen. Mieter bestätigen das nicht.

Immer wieder, so sagen es Bewohner und Gewerbetreibende, hätten sie wegen der unhaltbaren Zustände Anzeige bei der Polizei erstattet, hätten das Wohnungsamt und das Bauamt sowie die Bauaufsicht informiert. Ivica Granic spricht dagegen von einem "großen Drogenproblem" in den Häusern. "Unzählige" Sachbeschädigungen seien von ihm in den vergangenen sieben Jahren bei der Polizei angezeigt worden.

Kein einziger Täter habe ermittelt werden können.

Keine Erkenntnisse

"Im Hinblick auf die von Ihnen genannte Anschrift liegen uns in jüngster Vergangenheit keine Erkenntnisse auf ein erhebliches Drogenproblem sowie Hinweise auf zahlreiche Sachbeschädigungen vor", schreibt dagegen Polizeisprecherin Chantal Emch auf Anfrage dieser Zeitung.

von Sabine Schramek

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare