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Leerstand und Schmuddelecken: Die unterirdische Einkaufszone an der Hauptwache verkommt seit Jahren.

Hauptwache

Schlimme Zustände an der Hauptwache: Neuer Betreiber soll B-Ebene retten

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Seit Jahren wird über einen Umbau der unterirdischen Einkaufs- und Gastronomie-Passage an der Hauptwache diskutiert. Doch passiert ist bislang nichts. Der frühere Planungsdezernent Martin Wentz hat nun ein neues Betreibermodell vorgeschlagen, das in München bereits zum Erfolg geführt hat.

An der Hauptwache zeigt sich Frankfurt nicht gerade von seiner schönsten Seite. Auf dem Weg zu S- und U-Bahn muss man durch ein Einkaufsgeschoss hindurch, dass seine besten Zeiten schon lange hinter sich hat. Ende der 1960er Jahre wurde die unterirdische Nahverkehrsstation eröffnet, die Ladenflächen in der B-Ebene waren als attraktive Einkaufszone gedacht. Heute reihen sich dort Handyshops an Dönerläden. Manche Geschäfte stehen leer. Es wirkt unübersichtlich, schmuddelig und marode.

Dass an diesem zentralen Platz Handlungsbedarf besteht, hat die Stadtpolitik längst erkannt. Vor mehr als acht Jahren wurde im Römer beschlossen, die Hauptwache umzubauen. Der breite Treppenzugang, ein unförmiges Loch hinter dem namensgebenden Barockgebäude, sollte überdeckelt werden. Ein „baumgefasster ,Platz im Platz‘ als ruhiger und grüner Ort des Aufenthalts“ sollte dort entstehen. So steht es im Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11. November 2010. Auch die unterirdische B-Ebene sollte im großen Stil umgestaltet werden. Doch zu sehen ist davon immer noch nichts.

Projektentwickler Martin Wentz, der in den 1990er Jahren als Planungsdezernent für die SPD im Magistrat saß, hat nun die Geduld verloren und in deutlichen Worten mehr Engagement für die Umgestaltung der Hauptwache gefordert. Wentz, der sich erst neulich mit seinem Entwurf für einen Opern-Neubau in die Stadtpolitik eingemischt hatte, nutzte dafür sein Amt als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK). Auf deren gemeinsam mit dem Urban Future Forum veranstaltetem Metropolengespräch ging es am Mittwochabend ausschließlich um dieses Thema.

Frankfurter Hauptwache: Oesterling findet Idee gut

Wentz brachte dabei ein neues Betreibermodell ins Spiel, das zunächst auch als Übergangslösung dienen könnte. Die Ladenzone in der B-Ebene sollte einen privaten Betreiber überlassen werden, schlug er vor. Die derzeit dafür zuständige städtische VGF sei zwar „eine hervorragende Verkehrsgesellschaft, aber das Management eines Einkaufszentrums ist etwas völlig anderes“, sagte der IHK-Vizepräsident. „Es wäre gut, wenn eine private Gesellschaft diesen Job übernimmt. Die hätte dann auch von sich aus ein Interesse daran, dass die B-Ebene schöner gestaltet wird.“

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Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) saß als Diskussionsteilnehmer auf dem Podium und zeigte sich angetan von dieser Idee. „Ich kann mir vorstellen, das an einen privaten Betreiber zu vergeben“, sagte Oesterling, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der VGF ist. Als Ladenpächter für die B-Ebene sei in der Vergangenheit „jeder genommen worden, der rein wollte“, so Oesterling. „Es ist nicht so, dass die der VGF die Bude einrennen.“ Es wäre sinnvoll, wenn sich künftig jemand um die B-Ebene kümmern würde, der Erfahrung im Betrieb eines Einkaufszentrums habe.

Hauptwache in Frankfurt: Stachus-Passagen als Vorbild

Als Vorbild für eine solche Lösung wurde bei der IHK-Veranstaltung die Stachus-Passagen in München präsentiert. Der Architekt Amandus Samsøe Sattler stellte das von seinem Büro entwickelte Umbaukonzept für das 1970 eröffnete unterirdische Einkaufszentrum vor. Wie an der Hauptwache wurde es in einen U-Bahnhof integriert. Und wie in Frankfurt entwickelten sich die Stachus-Passagen später zum unwirtlichen Schandfleck. „Man kann es schaffen, einen Unort, der mitten in der Stadt liegt, zu beseitigen“, versuchte Samsøe Sattler den Frankfurtern Hoffnung zu ermitteln. Seit 2011 erstrahlt die umgebaute Münchner B-Ebene in neuem Glanz. Der frühere „Unort“ wirkt heute hell, sauber und freundlich.

Diese positive Entwicklung sei durch die Entscheidung angestoßen worden, einen professionellen Investor als Betreiber zu gewinnen, sagte der Architekt. 2007 übernahm die LBBW Immobilien GmbH das unterirdische Einkaufszentrum und schrieb einen Gestaltungswettbewerb aus, den Samsøe Sattlers Büro gewann. 2008 begann der Umbau.

Der Dortmunder Architekturhistoriker Wolfgang Sonne brachte für die Hauptwache noch eine ganz andere Lösung ins Spiel. „Eigentlich ist die B-Ebene unnötig“, sagte er auf dem IHK-Podium. „Warum sollen Kunden unten im Dunklen laufen, wenn es oben schon so viele Geschäfte gibt?“

Kommentar von Daniel Gräber

Bewegung im Untergrund

Der Vorstoß des IHK-Vizepräsidenten und früheren Planungsdezernenten bringt Bewegung in die eingeschlafene Debatte um die Zukunft der Hauptwache. Dass an diesem zentralen Frankfurter Platz etwas geschehen muss, ist offensichtlich. Das schmuddelige Untergrund-Labyrinth und die überdimensionierte Treppenanlage ist alles andere als ein einladener Eingang in die Innenstadt. Fahrgäste schauen, dass sie so schnell wie möglich vom Gleis nach oben kommen (oder umgekehrt). Die Idee aus der Bauzeit, im Zwischengeschoss eine Flaniermeile einzurichten, hat sich überlebt. Damals fuhren oben noch massenhaft Autos und Straßenbahnen. Die Planer der autogerechten Stadt wollten die Fußgänger unter die Erde verbannen. Doch das hat nie richtig funktioniert.

Ob ein neuer, privater Betreiber die Lösung ist? Das Münchner Modell lässt darauf hoffen. Doch in Zeiten, in denen der stationäre Einzelhandel ohnehin unter der Kundenabwanderung ins Internet leidet, stellt sich zunächst die grundsätzliche Frage: Braucht Frankfurt ein solches unterirdisches Shopping-Zentrum überhaupt noch?

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