+
Die Sophienschule in Bockenheim muss nach 135 Jahren schließen. Ab 15 Uhr gibt es ein Abschiedsfest. Auch eine SGE-Legende ist eingeladen.

Das sind die Gründe

Die Sophienschule in Bockenheim muss nach 135 Jahren schließen 

Die Sophienschule in Bockenheim muss nach 135 Jahren schließen. Ab 15 Uhr gibt es ein Abschiedsfest. Auch eine SGE-Legende ist eingeladen.

Frankfurt - Die Stimmung ist schlecht. Das Kollegium und die Schüler sind überhaupt nicht in Feierlaune. Nicht grundlos. Nach 135 Jahren schließt die Hauptschule ihre Türen. Morgen ist Schluss. Für immer. "Die Schüler sind stinksauer, wollten eigentlich eine Todesanzeige aufgeben. Sie haben es allerdings dann doch bleiben lassen, weil es zu makaber gewesen wäre", sagt Martin Ostmann, der seit 2014 Schulleiter ist.

Auch er ist nicht begeistert. "Ich bin ernüchtert. Und ich kenne keinen, der das gut findet, dass wir schließen. Das ist eine reine schulpolitische Entscheidung", sagt er. Das ändere aber nichts.

Die Grundlage für das Aus der eigenständigen Hauptschulen wurde 2015 im Rahmen der Fortschreibung des integrierten Schulentwicklungsplans unter der damaligen Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) gelegt. Hauptschulen sollen nur noch in verbundenen Systemen arbeiten - etwa als Gesamtschulen. Im kommenden Jahr schließt mit der Salzmannschule dann die letzte eigenständige Hauptschule in Frankfurt.

Frankfurter Sophienschule: Jeder kennt jeden

Ostmann bedauert das, betont aber auch: "Nur Hauptschule wäre auch nicht mehr zeitgemäß." Das habe man an der Sophienschule früh erkannt. So wurde ein Förderverein gegründet, der Geld bei Unterstützern sammelt. Von den Spenden wurden beispielsweise 18 zusätzliche Kräfte bezahlt, die Förderunterricht gaben - allein 10 000 Stunden in diesem Schuljahr. Die Investition hat sich bezahlt gemacht. "Alle Schüler haben in diesem Jahr ihren Abschluss geschafft. Und den gibt es bei uns nicht geschenkt", sagt Ostmann stolz.

Viele Jugendliche, die etwa auf dem Gymnasium, gescheitert seien, hätten an der Sophienschule eine neue Heimat gefunden, sagt der Schulleiter. Grundsätzlich sei jeder vorurteilsfrei aufgenommen worden. In Gesprächen sei ihnen wie allen anderen Schülern das Gefühl vermittelt worden, dass sie "etwas wert seien". "Ich kenne nämlich niemanden ohne Begabung. Man muss sie nur finden", beschreibt Ostmann den Grundsatz der Bockenheimer Hauptschule.

Dieses Prinzip funktioniere in kleinen Systemen wie Hauptschulen besser als an den großen Lernfabriken, ist Ostmann überzeugt. "An der Sophienschule kennt jeder jeden; ich weiß, wenn jemand zu spät oder vielleicht bekifft kommt. Und Gewalt war nie ein Thema." An der IGS Eschersheim mit ihren 700 Schülern und 60 Lehrern, die er seit einem Jahr in Doppelfunktion leitet, fehle ihm dieser Überblick.

SGE-Profi Manfred Binz von Sophienschule eingeladen

Das will er ändern, indem er das Prinzip der Sophienschule überträgt. Auch in Eschersheim soll es eine intensive Berufsberatung geben. Und Ostmann will ehemalige Schüler, die schon eine Ausbildung begonnen haben, weiter auf ihrem Weg begleiten und beraten.

Dass die Sophienschule, die mehrfach zertifiziert und ausgezeichnet wurde, keine Zukunft hat, versteht Ostmann nicht. Schüler hätten hier vom Förderschulabschluss bis zur mittleren Reife jeden Abschluss machen können. "Die Ernst Reuter-Schule II bietet auch nicht mehr", sagt der Schulleiter desillusioniert.

Geklärt ist indes mittlerweile die Zukunft der zwölf verbliebenen Lehrer. Einige verabschieden sich direkt in den Ruhestand, die anderen wechseln an andere Schulen. Offen ist dagegen, was langfristig mit dem Schulgebäude geschieht. Übergangsweise zieht die IGS Nord ein, bis deren Neubau in Bonames fertig ist. Danach, so heißt es, könnte im Gebäude der ehemaligen Sophienschule eine weitere Grundschule eröffnen - spruchreif ist aber noch nichts.

Alle, die sich der Sophienschule verbunden fühlen, sind zum Abschlussfest heute ab 15 Uhr eingeladen. Vielleicht ist ein prominenter Sophienschüler dabei: der ehemalige Eintracht-Profi Manfred Binz. "Eingeladen haben wir ihn", hofft Ostmann auf seinen Besuch.

Von Matthias Bittner

Lesen Sie auf fnp.de* auch:

„Ausländerdeutsch“ - Rassismus-Vorwürfe gegen Frankfurter Schulleiterin

Ist Schulleiterin Sabine Pressler eine Rassistin? Eltern von Schülern der Leibnizschule in Höchst erheben in einem offenen Brief Vorwürfe.

Große Hitze: Wie sich Frankfurt auf Rekordtemperaturen vorbereitet

Die Stadt schwitzt, und es wird noch wärmer. Die 40-Grad-Marke könnte in dieser Woche geknackt werden. Wir haben uns umgehört, was die Hitze mit der Stadt anstellt.

Auf welche Schule soll mein Kind? Ein Gespräch über die richtige Wahl

Natürlich wollen alle Eltern nur das Beste für ihr Kind – und das ist in ihren Augen meist das Gymnasium.

Abi-Feier läuft völlig aus dem Ruder: Schulleitung schreibt offenen Brief

Die Abi-Mottowoche an einem Frankfurter Gymnasium ist offenbar völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Schulleitung reagiert mit einem offenen Brief.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare