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Chinesische Arbeiter schleifen an Holzdekorelementen.

Fokus auf kunsthandwerkliche Tradition

Spezialteam im Einsatz: So wird der chinesische Pavillon in Frankfurt wiederaufgebaut

Wie auch der Goetheturm wurde er das Opfer von Brandstiftung, nun soll der Chinesische Pavillon im Frankfurter Bethmannpark wie Phoenix aus der Asche auferstehen. Dabei wird auf kunsthandwerkliche Traditionen aus dem Reich der Mitte gesetzt.

Frankfurt - Konzentriert setzt der chinesische Kunsttischler den Hobel an, kneift noch einmal die Augen zusammen, ehe der das auberginefarbene Holzelement bearbeitet. Wenn erst auch die Innenwand wieder steht, wird es den derzeit noch eingerüsteten Chinesischen Pavillon im Frankfurter Bethmannpark schmücken. Der Mann ist ein Meister seines auch in seiner Heimat immer seltener werdenden Fachs und Teil eines 19-köpfigen Teams, das an der Wiederherstellung des in der Nacht zum 1. Juni 2017 abgebrannten Pavillons  arbeitet.

Chinesische Arbeiter stehen bei einem Pressetermin zum Wiederaufbau in der Baustelle des Chinesische Pavillon im Bethmannpark.

Wie auch später der Goetheturm und der koreanische Pavillon im Frankfurter Grüneburgpark wurde der Chinesische Pavillon Opfer von Brandstiftung. "Diese Ereignisse haben wirklich tief ins Herz der Frankfurter Bevölkerung gegriffen", sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) am Mittwoch beim Besuch auf der Baustelle. Mit dem Wiederaufbau des Chinesischen Pavillons wolle die Stadt ihr Versprechen an die Bevölkerung einlösen, den malerischen Holzbau wiedererstehen zu lassen - gewissermaßen wie Phoenix aus der Asche. Wer den Pavillon und die anderen Bauten abgefackelt hat, ist weiterhin unbekannt.

Verbrannte Holzstämme.

Bernd Roser vom Grünflächenamt war unter den städtischen Mitarbeitern, die gleich am Tag nach der Brandstiftung den ausgebrannten Pavillon in Augenschein nahmen. "Da hat einem wirklich das Herz geblutet", gibt er fast zwei Jahre danach zu. Die Stadt habe dann zügig Kontakt zu der Firma aufgenommen, die sich schon vor zehn Jahren mit chinesischen Arbeitern um die Sanierung des Pavillons gekümmert hatte.

Unter den Tischlern, Zimmerleuten, Dachdeckern und Malern aus China sind auch fünf, die bereits an der Sanierung beteiligt waren, sagt Huishen Shen von der Firma Landscape Architecture Corporation of China, die den Wiederaufbau ausführt. "Einige von ihnen machen das schon seit mehr als 20 Jahren", sagt er über den reichen Erfahrungsschatz seiner Mitarbeiter. Zugleich räumt er ein: "Es wird immer schwieriger, Arbeiter zu finden, die den traditionellen Holzbau noch beherrschen."

Denn auf der Baustelle ist das meiste noch buchstäblich Handarbeit. Und die Stützpfeiler, die vom Lagerplatz mit einem Kran zum "Wasserpavillon des geläuterten Herzens" hinuntergelassen werden, müssen sich millimetergenau einfügen: Die Holzteile werden nicht genagelt, sondern "klassisch verzapft", betont Bauleiter Martin Beilmann.

Dachziegel und Giebelverkleidungen aus Ton, Dekorationselemente aus Holz, die Stützpfeiler, die nun von Ort passgenau bearbeitet wurden, wurden in viermonatiger Vorbereitungszeit in China gefertigt und in sechs Seecontainern von Schanghai nach Rotterdam verschifft. Seit drei Wochen laufen in Frankfurt die Bauarbeiten. "Fantastisch", schwärmt Architekt Beilmann über die Arbeit der chinesischen Experten. "Es ist, wie in eine andere Zeit einzutauchen."

Der Chinesische Pavillon im Bethmannpark ist eingerüstet.

Tatsächlich herrscht auf der Baustelle eine fast schon meditative Ruhe - kein Maschinenlärm erfüllt die Luft, aus dem Park ist Vogelgezwitscher zu hören. Die Arbeiter sind konzentriert in ihre jeweiligen Aufgaben vertieft, nur dort, wo etwa in Gemeinschaftsarbeit die Pfeiler angebracht werden müssen, wird auf Zuruf gearbeitet.

Bis Mitte Juli werde es wohl noch dauern, bis der Pavillon fertig ist, schätzt Heilig. Danach muss der Garten wiederhergestellt und die Baustraße zurückgebaut werden. Doch im September könnte der Bau wieder den Frankfurtern offen stehen.

Arbeiter wuchten einen Stamm aus Eukalyptus auf die Baustelle.

Und der Goetheturm, der für viele Frankfurter noch viel mehr ein Wahrzeichen der Stadt ist? "Das Verfahren mit den ganzen Formalien läuft", sagt Heilig. "Wir möchten 2020 mit dem Wiederaufbau anfangen." Bisher seien rund 161 000 Euro Spenden für den Wiederaufbau zustande gekommen. Die Gesamtkosten werden auf rund 2,4 Millionen Euro geschätzt. Angestrebt ist ein möglichst originalgetreuer Wiederaufbau des Turms - und in diesem Fall geht es auch ohne chinesisches Know-how.

von Eva Krafczyk (dpa)  

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