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Frankfurt soll keine Kunstrasenplätze mit Kunststoffgranulat mehr bauen. (Symbolbild)

Sportplätze

Sand statt Kunststoff: Frankfurt soll keine Kunstrasenplätze mehr bauen

Frankfurt soll keine Kunstrasenplätze mit Kunststoffgranulat mehr bauen. Das beantragt die Linke-Fraktion im Römer. Die Stadt allerdings hat schon reagiert: Sechs aktuell in Bau befindliche Plätze werden mit Sand statt Kunststoff hergestellt.

Frankfurt - Müssen die Sportler in Frankfurt in Zukunft ohne Kunstrasenplätze auskommen? Durch zwei Facetten sind die extrem belastbaren und beliebten Spielfelder in der jüngsten Zeit in Verruf geraten. Zum einen, weil der Kunststoff von den Spielfeldern in die Umwelt gelangen kann - was eine Studie des Fraunhofer-Instituts belegen will. Allerdings steht die Studie selbst in der Fachwelt in der Kritik, das Institut hat daher weitere, vertiefende Forschung angekündigt.

Frankfurt: Kunststoff kann in Umwelt gelangen

Eine Gefahr für die Umwelt durch die Kunstrasenplätze sieht Sportdezernent Markus Frank (CDU) nicht. Bei den 38 großen und 39 kleineren Kunstrasenplätzen verhindere ein "hoher baulicher Standard", dass das Granulat in die umliegende Vegetation gelange. Dafür seien die Spielfelder von breiten Wegen oder Einfassungen umgeben.

Zusätzlich hielten die Kunstrasenfasern das Granulat fest, so dass selbst Wind und Regen es "nahezu" gar nicht in die Umwelt tragen könnten. Absetzschächte verhinderten, dass es über Abläufe wegfließe. Pro Jahr müsse die Stadt "so bloß 27 Kilo Granulat je Großspielfeld von 7500 Quadratmetern nachfüllen", erklärt Frank. Das seien nur 3,6 Gramm je Quadratmeter.

Frankfurt: Weniger Granulat ist in Spielfelder eingebaut

Auch sei insgesamt mehr als viermal weniger Granulat in den Spielfeldern eingebaut, als das Fraunhofer-Institut annehme. Nicht nur: Die Nutzungszeit der Spielfelder liege auch viermal höher, als die Forscher zugrunde gelegt hätten.

Aus ökologischen Gründen spreche alles für Kunst- statt Naturrasen, betont der Sportdezernent. Das gelte zum Beispiel, weil die Kunstrasenplätze viermal intensiver genutzt werden könnten und dafür ganzjährig bespielbar seien. "Ein Kunstrasenplatz ersetzt vier Rasenspielfelder", erklärt Frank.

Das spart Fläche in der Stadt: Müssten die 38 Großspielfelder durch Naturrasenplätze ersetzt werden, seien 1,14 Millionen Quadratmeter Fläche nötig, rechnet der Sportdezernent vor. Das entspreche in etwa der Größe des Stadtteils Hausen. Weiterer Vorteil: 4000 Kubikmeter Wasser seien für einen Naturrasenplatz notwendig, erläutert Frank. Ein Kunstrasen dagegen benötigt lediglich 500 Kubikmeter für Kühlung bei großer Hitze.

Unabhängig von der Fraunhofer-Studie hat die European Chemical Agency (ECHA) ein Verbot der Kunstrasengranulate empfohlen. Fachleute erwarten, dass es im nächsten Jahr kommt. Deshalb hatte Frank dem Grünflächenamt bereits vorgeschlagen, Kunstrasenplätze ohne Granulat zu bauen. "Nur noch mit Sand verfüllen" sei heute technisch möglich. Auf den ersten sechs Plätzen, die aktuell hergestellt werden, setzt die Stadt das auch bereits um - mit Start in Goldstein.

Frankfurt: Abrieb von Kunststoff ist möglich

Gänzlich ohne Kunststoff-Austrag in die Umwelt werden aber auch diese Plätze nicht auskommen, schränkt Markus Frank ein. "Ein Abrieb der Kunsthalme ist ja weiterhin möglich." Gespannt ist der Sportdezernent nun darauf, wie die Sportler mit den neuen, sandverfüllten Plätzen "klarkommen und wie hoch der Komfort ist".

Kunstrasenplätze sind bisher bei den Sportlern sehr beliebt. Bekomme ein Verein einen Kunstrasenplatz, steige im Regelfall die Mitgliederzahl, erläutert Frank. "Vereine ohne Kunstrasenplatz haben in der Vergangenheit immer darauf hingewiesen, dass eine erfolgreiche Jugendarbeit ohne attraktiven Kunstrasenplatz kaum mehr möglich ist." Von knapp 83.000 Mitgliedern in den Fußballvereinen sind rund 26.500 Jugendliche.

Mit einem Beschluss der Stadtverordneten will die Linke die Abkehr vom Kunststoffgranulat nun festmachen. "Die Stadt baut oder bezuschusst keine Kunstrasenplätze mehr, die mit Kunststoffgranulaten verfüllt werden", soll das Parlament beschließen, hat die Fraktion beantragt. Die Linke habe immer wieder auf die Problematik aufmerksam gemacht und Alternativkonzepte gefordert.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Sportstadtrat Frank aber hätten "stets abgewiegelt". Statt des bisherigen Granulats sollten Sand oder Kork verwendet werden, sagt die Linke.

VON DENNIS PFEIFFER-GOLDMANN

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