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Die Autobahn verschwindet unter einer Decke, wie diese Visualisierung von „Deges Berlin“ zeigt. Eine Einhausung von der Friedberger zur Seckbacher Landstraße, wie hier dargestellt, wäre rund 1080 Meter lang. Laut Planungsdezernat soll sie 185,3 Millionen Euro kosten.

Die Zeit drängt

Einhausung der A661: Welche Variante darf's denn sein?

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Hessen Mobil plant für 2028 die Eröffnung des Riederwaldtunnels. Dann muss auch die A 661 zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße fertig sein – einschließlich Lärmschutz. 

Frankfurt - Quasi alle Stadtverordneten, egal ob aus Koalition oder Opposition, sind sich einig: Jetzt muss es schnell gehen. Sonst ist die Chance vertan, die Autobahn 661 zwischen Bornheim und Seckbach zu überbauen. Damit entstünde eine grüne Verbindung vom Günthersburgpark bis zum Lohrberg. 

An der A 661 könnten – je nach Dichte und Höhe der Häuser – 2500 bis 3000 neue Wohnungen entstehen, was zurzeit aus Lärmschutzgründen nicht geht. Möglichst schnell, hofft der SPD-Stadtverordnete Holger Tschierschke, soll der Beschluss fallen: Am Freitag treffen sich Verkehrspolitiker der Koalition aus CDU, Grünen und SPD.

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Schnell gehen muss es, weil Hessen Mobil besagtes Planänderungsverfahren vorbereitet. Das wurde bei einer Expertenanhörung klar, zu der das Planungsdezernat Stadtverordnete und Ortsbeiräte eingeladen hatte. Noch 2019 will Hessen Mobil die Unterlagen zum Absegnen nach Berlin schicken, denn der Bund ist der Auftraggeber. Will Frankfurt die Einhausung, muss Hessen Mobil sie einarbeiten.

Riederwaldtunnel Frankfurt: Die Länge der Einhausung der A661 ist umstritten

Die Entscheidung der Stadt zieht sich hin, weil die Einhausung teuer ist und die Stadt sie fast komplett alleine zahlt. Nach heutigem Stand schlägt die Einhausung mit 90 bis 212 Millionen Euro zu Buche, je nach Ausführung. Auf Geld von Land und Bund kann die Stadt kaum hoffen, mit einer Ausnahme: Im Zuge des Baus des Riederwaldtunnels muss Hessen Mobil zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße zehn Meter hohe Lärmschutzwände bauen. Bezahlt die Stadt eine Einhausung, könnte das für die Lärmschutzwände eingeplante Geld in den Einhausungsbau fließen. Viel wäre das nicht, nur etwa 10 Millionen Euro – aber bei einem solch teuren Projekt ist alles willkommen, was die Kosten senkt.

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In der Stadtverordnetenversammlung wollen SPD und Grüne die Variante L 2: eine Einhausung von der Friedberger zur Seckbacher Landstraße, rund 1080 Meter lang. Laut Planungsdezernat soll sie 185,3 Millionen Euro kosten. Bei der Expertenanhörung, sagt Tschierschke, sei aber auch von 150 Millionen die Rede gewesen – wenn man die einfachste gesetzeskonforme Lösung wähle. Die CDU hingegen ist unentschlossen, hat sich für „mindestens die Variante L 4“ ausgesprochen, die 400 Meter lang ist und 90 Millionen Euro kostet.

Viele Oppositionsparteien sowie der für Seckbach zuständige Ortsbeirat 11 und das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn fordern die Variante L 1. Die ist 1300 Meter lang, würde zusätzlich zu L 2 die Seckbacher Galerie über die Südfahrbahn hinweg schließen und 212 Millionen Euro kosten.

Einhausung der A661: Lösung muss schnell umgesetzt werden

Schnell gehen muss es auch, weil der Lärmschutz an der A 661 – egal ob als Zehn-Meter-Wände oder Einhausung – stehen muss, wenn der Riederwaldtunnel in Betrieb geht. Letzteres plant Hessen Mobil für 2028. „Wir müssen nun einen Beschluss fassen, sonst ist der Zug für die Einhausung abgefahren“, sagt deshalb der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Wolfgang Siefert.

Dass dies möglich ist, hätten die Stadtverordneten beim Besuch vor einem Jahr in Hamburg gesehen: In nur zwölf Jahren, von Baubeschluss bis Fertigstellung, entstehen dort gerade bis 2020 drei Einhausungen an der A 7. Wie das ging, erklärten die Hamburger bei der Expertenanhörung. Ambitioniert sei der Zeitplan, sagt Tschierschke – ein Grund mehr, sich nun zu beeilen. „Aber wir fangen ja nicht bei Null an, wir haben bereits einiges geplant.“ Und das Land sei bereit, die Stadt zu unterstützen, sagt Siefert. Nun sei zu überlegen, wie man gemeinsam weiter vorgehe, vielleicht ja in einer gemeinsamen Planungsgesellschaft von Stadt und Land.

Riederwaldtunnel: sehnlichst erwartet?

Der CDU-Vorsitzende Michael zu Löwenstein sieht in seiner Fraktion aber noch Gesprächsbedarf. „Natürlich sind wir für die längste mögliche Variante. Aber eine solche Summe kann man nicht leichtfertig ausgeben.“ Baue man statt der 400-Meter-Einhausung eine längere, werde es auch wegen der strengen Vorschriften sehr viel teurer – ohne dass man in gleicher Zahl mehr Wohnungen bauen könne. Natürlich bewirke die Einhausung einen städtebaulichen Gewinn. „Aber der ist auch bei 400 Metern Länge schon nennenswert.“ Der Variante L 2 stimme die CDU nur zu, „so weit die dafür einzusetzenden städtischen Mittel haushaltsmäßig vertretbar sind“, hatte die CDU bereits im Mai 2018 erklärt.

Kommentar von Andreas Haupt: Eine Investition, die sich lohnt

Ja, der „Deckel“ für die A 661 ist teuer. Sehr teuer. Es gibt vieles, wofür die Stadt Geld braucht. Etwa für den immensen Investitionsbedarf bei den Schulbauten. Da mal einfach so fast 200 Millionen für die Einhausung auszugeben, sollte man sich nicht zu einfach machen.

Doch die Investition lohnt sich. Es mag ja sein, dass die Zahl der Wohnungen, die man an der A 661 bauen kann, nicht parallel zu Länge und Kosten der Einhausung steigt: Wird der Deckel doppelt so lang, erhält man nicht doppelt so viele Wohnungen.

Aber es geht um mehr als nur um Wohnungen: Die Einhausung kann auch eine grüne Brücke sein, hinaus aus der Stadt. Allerdings nur, wenn es nicht die 400-Meter-Variante wird, denn in diesem Fall bliebe die trennende Wirkung der Autobahn bestehen. Die grüne Brücke aber ist wichtig, weil derzeit überall in Frankfurt nachverdichtet wird. Im Stadtzentrum entstehen viele neue Wohnungen. Die Frankfurter müssen enger zusammen rücken und drängen zur Erholung ins Grüne. Doch die Parks sind überlaufen, Erholung ist dort nur bedingt möglich, etwa im Ostpark. Um so wichtiger ist es, neues Grün anzulegen. Die Einhausung schafft nicht nur das: Sie ist ein breiter grüner Weg hinaus aus der hektischen Stadt.

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