Stellvertretender Forstabteilungsleiter Peter Rodenfels zeigt an den gefällten Baumstämmen die typisch blaue Färbung, die der Pilz verursacht. Fotos: Hamerski

Viele Kiefern vorsorglich gefällt

Dieser Killer-Pilz frisst die Bäume im Frankfurter Stadtwald auf

Noch nie ging es dem Frankfurter Stadtwald so schlecht wie jetzt. Trockenheit und Pilzbefall machen ihm den gar aus.

Frankfurt - Mit dem bloßen Auge ist er nicht zu erkennen. Doch er ist ein Killer. Die Rede ist von dem Mikropilz Sphaeropsis sapinea, auch Bläue-Erreger genannt. Seinen Namen hat er, weil er das Splintholz im Stamm Blau färbt. "Schon 10 000 Festmeter schadhaftes Kiefernholz mussten wir seit dem vergangenen Winter wegen der Erkrankung fällen", sagt Peter Rodenfels, stellvertretenden Leiter der Abteilung Stadtforst. Doppelt so viele Bäume wie anfänglich geplant. Ein Festmeter entspricht in etwa einem Kubikmeter Holz.

Verkohlte Baumstämme erinnern an den Waldbrand vor einigen Wochen.

Der Pilz setzt Kiefern zu, die bereits geschwächt sind. Er führt dazu, dass die Nadeln braun werden und abfallen. Ohne sie können die Bäume keine Photosynthese mehr betreiben und sterben ab. "Der Pilz ist schon in den Kiefern drin, jetzt macht er sich bemerkbar, weil die Bäume durch den Wassermangel richtig Stress haben", sagt Rodenfels.

Die Böden im Frankfurter Stadtwald sind trocken

Der heiße Sommer 2018, zu wenige Niederschläge im Winter und Frühling haben dem Stadtwald zugesetzt. Vor allem die Reviere Goldstein und Schwanheim sind stark betroffen. Denn die dortigen Sandböden halten kaum Wasser. "Seit dem vergangenen April hatten wir keine nennenswerten Niederschläge mehr", sagt Rodenfels. Die Grundwasserspeicher konnten sich nicht wieder auffüllen.

Die Folgen kann man hören: Überall knackt und raschelt es, wenn der Forstmann über den Waldboden läuft. Mit seinem Schuh schiebt er das trockene Laub zur Seite und zeigt auf den Boden. "Nur die ersten 20 Zentimeter der Erde sind feucht, danach ist alles trocken", sagt er.

Rote Markierungen zeigen an, welche Bäume noch gefällt werden müssen.

An der Schwanheimer Bahnstraße zeigt Rodenfels die erkrankten Bäume. Das grüne Blätterdach wirkt ausgedünnt. Viele Kiefern haben braune Spitzen an den Kronen. Bevor sie umfallen, werden sie aus Sicherheitsgründen gefällt und landen schließlich im Sägewerk. Ein normales Ende. Doch diesmal sind mehr Bäume betroffen und das vor ihrer Zeit. Traurig für Rodenfels und seine Kollegen. Jahre lang haben sie die Bäume gepflegt, Jahrzehnte hätten sie noch im Wald stehen können, nun sterben sie reihenweise - entweder durch die Pilzerkrankung oder durch den Borkenkäfer. Was von den kranken Kiefern übrig bleibt, sind ihre abgesägten Stämme. Aufgestapelt liegen sie am Waldrand, bereit zum Abtransport.

"Dieses Bild zieht sich durch den ganzen Wald, egal wie alt die Bäume oder wie dick die Stämme sind", sagt Rodenfels. "Falls es noch öfter so heiß und trocken wird, werden sich die Baumarten auf Dauer verändern müssen". Mediterrane Eichenarten oder Douglasien kommen beispielsweise besser mit warmen Temperaturen zurecht als Kiefern.

Vor etwa zwei Jahren führte der Mikropilz im Frankfurter Stadtwald erstmals zu Schäden. Vorher war das nur in deutlich wärmeren Klimaregionen der Fall. Fachleute sprechen dabei vom Diplodia-Triebsterben. Die Nadeln an den Triebspitzen verfärben sich zunächst schwach grün, werden anschließend braun und fallen ab.

Blaues Holz durch Mikropilz

Der Baum kann ohne seine Nadeln keine Photosynthese mehr betreiben und stirbt nach einiger Zeit ab. Auch starker Harzfluss oder Schäden an der Rinde sind Zeichen einer Erkrankung. Im Querschnitt eines abgesägten Stamms lässt sich die typisch blaue Färbung des Holzes erkennen, die durch den Mikropilz ausgelöst wird.

Ein Stück weiter zeigt sich eine andere Auswirkung der Trockenheit. Verkohlte Baumstämme und versenkter Boden.

Schon zum zweiten mal in diesem Jahr brannte es im Stadtforst. Erst im Februar in der Nähe des Golfplatzes Niederrad und vor einigen Wochen neben dem Waldfriedhof Goldstein. Der Auslöser: vermutlich eine achtlos weggeworfene Zigarette. Aufmerksamen Passanten ist es zu verdanken, dass der Brand schnell gelöscht werden konnte.

"Viele Leute sehe ich jeden Tag im Wald. Die gehen spazieren, mit dem Hund Gassi oder machen hier Sport. Ihnen ist der Wald sehr wichtig, wegen der Natur und weil sie hier ihre Ruhe haben", sagt Rodenfels.

von Svenja Wallocha

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