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Blick von der Untermainbrücke in die Schweizer Straße hinein gestern am späten Nachmittag: Der Verkehrskollaps ist komplett. Schuld ist, dass beide Mainufer bis zum Ende des Museumsuferfests gesperrt sind.

Verkehrschaos in Sachsenhausen 

Massive Staus wegen Sperrung der Mainstraßen - Anwohner verzweifelt 

Die Aufbauarbeiten zum Museumsuferfest sind in vollem Gang: Bis Montag werden beide Mainuferseiten gesperrt sein. Die wichtigsten Ost-West-Verbindungen fallen damit aus. Vor allem in Sachsenhausen herrscht deshalb ein massives Verkehrschaos.

Update von Samstag, 24.08.2019, 15.36 Uhr: Viele Anwohner in Sachsenhausen sind massiv verärgert: „Ebbe langt's“, sagt etwa Thorsten Schiller von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße. Eine Autolawine schiebt sich durch den Stadtteil, jede Menge Abgase sorgen für schlechte Luft und das ständige Hupen strapaziert die Nerven. Seit das nördliche Mainufer für den Autoverkehr gesperrt ist, müssen die Menschen in Sachsenhausen mit einem höheren Verkehrsaufkommen leben. Insbesondere der Schwerlastverkehr habe zugenommen, berichten Anwohner - und klagen über den Dreck auf ihren Balkonen.  

An diesem Wochenende kommt auch noch das Museumsuferfest dazu. Ein Straßenabschnitt am südlichen Mainufer ist dicht, dazu können noch weitere Zufahrtsstraßen nicht benutzt werden: Ab der Gartenstraße etwa ist die Schweizer Straße zum Main hin gesperrt. Da viele Pendler das nicht wissen, staut sich seit Freitagnachmittag der Verkehr. Das wird am Montag zwar wieder etwas besser aber noch lange nicht gut. „Man muss eben wissen, was man will - -eine autofreie Stadt braucht neue Regeln“, sagt Elke Wiepen vom Café Fellini am Schweizer Platz. Eine Bürgerinitiative ist bereits gegründet worden. 

Staus in Sachsenhausen an der Tagesordnung 

Frankfurt-Sachsenhausen - Wer am Dienstag am späten Nachmittag meinte, schnell über die Untermainbrücke nach Sachsenhausen hinein fahren zu können, sah sich eines Besseren belehrt: Die Brücke, die Schweizer Straße und die Gartenstraße waren belegt von einem einzigen, durchgehenden Stau. 

Mittwoch Vormittag: Die Walter-Kolb-Straße, Gartenstraße und Teile der Schweizer Straße sind komplett dicht. Am frühen Abend das gleiche Spiel: Autokolonnen schieben sich über die Brücken, auch auf der Friedensbrücke herrscht Rückstau bis auf den Baseler Platz auf der Nordseite.

Stau wegen Museumsuferfest 

Das Szenario wiederholt sich zwar jedes Jahr zum Museumsuferfest, wenn beide Mainuferseiten zeitgleich gesperrt werden. In diesem Jahr ist jedoch neu, dass die Sperrungen am Sachsenhäuser Ufer früher gestartet sind als sonst. Grund sind die erhöhten Sicherheitsauflagen für die Verlegung von Stromkabeln. "Wir verlegen mehr Kabelbrücken und sichern die Leitungen gegen unerlaubten Zugriff", erklärt Kurt Stroscher von der städtischen Tourismus+Congress GmbH, die das Fest organisiert.

Frankfurt: Mainufer auf Nordseite seit Wochen nicht befahrbar

Was in diesem Jahr aber auch neu ist: Das Mainufer auf der Nordseite ist bereits seit Wochen wegen der dauerhaften Sperrung des Mainkais nicht befahrbar - was bekanntlich für 13 Monate so bleiben soll.

Weil sich dadurch ein Großteil des dortigen Verkehrs - bis zu 20 000 Autos täglich - auf die südliche Mainseite verlagert, sind die Anwohner in Sachsenhausen gründlich genervt, inzwischen sogar regelrecht verzweifelt. Anwohner des Schaumainkais berichten über eine massive Zunahme des Verkehrs, so dass an Schlaf kaum noch zu denken sei. 

Die Lärmbelästigung sei unerträglich, erzählt eine Anwohnerin: "Auf drei Spuren rasen die Autos, besonders der Schwerlastverkehr, ab 5 Uhr früh auf dem Mainufer." Ihre Wohnung sei nur noch am Wochenende bewohnbar, zu Hause arbeiten könne sie gar nicht mehr.

Geradezu "entsetzt über das Debakel", das die Entscheidung, das nördliche Mainufer zu sperren, verursacht habe, ist Georg-Christof Bertsch, Anwohner der Gartenstraße und Mobilitätsforscher. "Vor meinem Fenster sehe ich täglich nur noch Staus, es ist unglaublich laut." Nicht nur durch die Gartenstraße, auch durch die Schweizer Straße schieben sich nach seiner Beobachtung seit Anfang August täglich Autoschlangen. Viele versuchten, über Seitenstraßen wie die Oppenheimer Landstraße auszuweichen.

Wohnqualität in Sachsenhausen verschlechtert 

Die Wohnqualität in Sachsenhausen habe sich massiv verschlechtert, so Bertsch, und das Schlimme sei: "Das Ganze war vorauszusehen. Es ist völlig absurd und kurzsichtig, dass die Politik keinerlei übergeordnetes Konzept entwickelt hat und keine Angebote zur Entlastung macht". 

Der Verkehr, der auf der Nordseite wegfalle, werde einfach weggedrückt, in die Wohnstraßen hinein. Gerade die Gartenstraße als Durchgangsroute zur Autobahn mit viel Lieferverkehr vertrage aber keine weitere Belastung. Lieferwagen von DHL etwa blockierten seit neuestem die Seitenstraßen.

Die jetzige Potenzierung des Problems durchs Museumsuferfest bringt offenbar für viele das Fass zum Überlaufen. Eine Bürgerinitiative ist seit wenigen Tagen im Begriff, sich zu gründen. 

Sie hat das Ziel, "alle Stadtverordneten bei der nächsten Wahl abzuwählen, die unseren Verkehrsdezernenten bei dem Versuch unterstützen, den Ost-West-Verkehr komplett auf die Sachsenhäuser Seite zu verlagern, Rückstaus in allen Sachsenhäuser Hauptverkehrsstraßen zu verursachen und die Lebensqualität auf der Sachsenhäuser Seite des Mains gravierend zu beeinträchtigen", hieß es gestern in einer Nachricht an Presse und Stadtverordnete vom Sachsenhäuser Hubert Schmoll. Mit weiteren Anwohnern will er demnächst Flugblätter verteilen und in sozialen Medien aktiv werden.

"Sperrung Mainkai war unsinnig" 

Empört ist auch Torsten Schiller, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße. "Die Abgase, die das Stop-and-go verursacht, sind enorm. Es ist ohne Worte. An die Gesundheit der Bürger hat keiner gedacht. Die Idee, den Mainkai zu sperren, war ohnehin schwachsinnig" echauffiert er sich. "Wer braucht das schon - für ein paar Café-Tische oder eine Rennstrecke für E-Roller? Ich bin weiterhin dagegen, dass das so bleibt."

Dass die Mainkai-Sperrung rückgängig gemacht werden muss, hält auch Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) des Ortsbeirats 5 für eine mögliche Konsequenz. Zahlreiche E-Mails von Bürgern erreichten ihn in den vergangenen Wochen. "Unsere Bedenken der CDU-Fraktion haben sich bestätigt. Wir müssen nun schauen, wie sich die Situation entwickelt. Gegebenenfalls muss diese Entscheidung zurückgenommen werden." Von Stefanie Wehr 

In Sachsenhausen ärgert man sich nicht nur über das aktuell hohe Verkehrsaufkommen, sondern auch über den verwilderten Schweizer Platz

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