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Der Betriebsangestellte Muhsin Ova sitzt in der Verkehrsleitzentrale im Straßenverkehrsamt und hat ein Auge auf aktuelle Probleme.

Straßenverkehrsamt

An diesen Bildschirmen wird der gesamte Frankfurter Verkehr koordiniert

Im Frankfurter Straßenverkehrsamt laufen alle Informationen über den Verkehr in der Großstadt zusammen. Vor allem der Baustellenkoordination kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

Frankfurt - Kerstin Bangert liebt diese Frankfurt-Karte auf ihrem Monitor. Ein Klick und ein Teil der Junghofstraße schimmert violett. Klick-klick, das System zoomt ran und sie sieht auf beiden Seiten der Verkehrsachse jeweils ein farbiges Feld. Hier entstehen gerade zwei neue Bürohäuser, direkt gegenüberliegend. Ein Blick auf den Stadtplan sagt Bangert sofort: Das könnte eng werden für den Straßenverkehr. Doch dazu kommt es nicht, dank der Karte. Denn die ist „klarer und eindeutiger“ als das geschriebene Wort, wie Kerstin Bangert sagt. Sie kümmert sich im Frankfurter Straßenverkehrsamt um das verkehrliche Baustellenmanagement.

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Konflikte lassen sich so frühzeitig erkennen, wie das Beispiel Junghofstraße zeigt. „Jeder wollte auf seiner Seite die gleichen Arbeiten durchführen“, erinnert sich die Fachfrau. Mit der Folge, dass auf der Straße nichts mehr gegangen wäre. Die Verwaltung wirkte auf die Bauherren ein, ihre Arbeiten so abzustimmen, dass eine Fahrspur übrig bleibt und eine Einbahnstraße eingerichtet wurde. Früher wäre das nicht so einfach gegangen. „Es hätte Hunderte von Mails gegeben und wir hätten auf die harte Tour erfahren, dass es ein Problem gibt“, sagt Bangert. Da hilft die Karte besonders, um „in die Zukunft zu schauen“, wie die Ingenieurin ihren Job beschreibt. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) freut sich über die Innovation: „Nur modern ausgestattete Verwaltung kann die wachsende Stadt sozialverträglich für alle gestalten.“

Baustellenkoordinierung: Rechtzeitig planen

Baustellen bringen allerlei Unannehmlichkeiten mit sich. Gesperrte Fahrstreifen, aufgerissene Gehwege und andere Ärgernisse gehören zu den unvermeidlichen Wachstumsschmerzen der Stadt. Diese möglichst gering zu halten, ist die Aufgabe der „Verkehrlichen Baustellenkoordinierung“, wie das dreiköpfige Team von Kerstin Bangert offiziell heißt. Das Computerprogramm „Kommunalregie“ eines Magdeburger Herstellers und dessen Karte erleichtern dessen Arbeit ungemein.

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Kündigt sich ein verkehrsrelevantes Projekt an, wird das Programm frühzeitig mit Daten gefüttert – entweder von dem Team im Straßenverkehrsamt, der Mainova, anderen Partnern in der Stadtverwaltung oder den kommunalen Gesellschaften. Insgesamt kommen so pro Jahr 7000 Vorgänge zusammen, wie es in der Verwaltung heißt. Verkehrswege und Areale wechseln dann ihre Farben, je nach Projekt und Bauherr. Die neue Stromleitung unter der Düsseldorfer Straße lässt diese hellblau schimmern; das Neubaugebiet Hilgenfeld am Frankfurter Berg ist gelb unterlegt. Die Farben stehen für unterschiedliche Gewerke. Gelb etwa symbolisiert die Erschließungsgebiete in der Zuständigkeit des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE), magentafarben sind Bauvorhaben anderer wie der Deutschen Bahn oder Hessen Mobil sowie die privaten Projekte in der Innenstadt. Doch es sind nicht nur die mannigfaltigen Vorteile des virtuellen Stadtplans mit seinen vielen Farben, die die Planung in Frankfurt „im deutschen Sprachraum einmalig“ machen und Fachpublikum aus München, Mainz, Potsdam und Wien interessieren.

Frankfurt ist ein Vorbild für andere Städte

„Es ist ein anderer Workflow entstanden“, sagt Bangert über das IT-System, welches das Ordnungsamt schon länger nutzt, um etwa Straßen für Veranstaltungen zu sperren. Es sind neue Prozesse entstanden, die Aufwand für die Verwaltung und Belastungen für die Bürger reduzieren. „Wenn für eine neue Wasserleitung gegraben werden muss und kurz danach will die Telekom noch mal ran, lässt sich das zusammenfassen“, erläutert Bangert. Weniger Lärm für die Bürger, nur eine anzuordnende Umleitung für die Verwaltung und geringere Baukosten – die Vorteile liegen auf der Hand. „Das verkehrliche Baustellenmanagement zeigt, dass sich die Zukunft nur vernetzt gestalten lässt. Innovation in der Verwaltung ist ein ständiger Prozess, dessen Ergebnisse sich im Praxistest zu bewähren haben“, spannt Oberbürgermeister Feldmann den Bogen zum Thema Verwaltungsmodernisierung.

Bei der Arbeit hilft die Bauplanung für die kommenden zwölf Monate. Doch der Horizont im Straßenverkehrsamt reicht darüber hinaus, teilweise bis zu fünf Jahren. „Wir setzen uns frühzeitig mit den Beteiligten zusammen“, berichtet Bangert. So passiert es schon einmal, dass das Team in den Medien von einem Projekt liest, lange bevor die Investoren einen Bauantrag gestellt haben. Im Gespräch lässt sich dann klären, wie die Baustelle bedient werden kann, obwohl eine wichtige Straße gesperrt ist. Ein Thema, das bald wieder aktuell ist, wenn das nördliche Mainufer versuchsweise gesperrt werden soll. Eine Herausforderung, der Bangert entspannt entgegenschaut. „Es gibt überall eine Lösung“, sagt sie.

VON ULF BAIER

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