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Antrag im Ortsbeirat

Eine Seilbahn für Frankfurt? Der Streit geht weiter, die Pläne werden konkreter

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Weltfremder Vorschlag oder doch visionäre Idee? Eine Seilbahn als Verkehrslösung zwischen der S-Bahn-Haltestelle „Frankfurt-Höchst Farbwerke“ zur Ballsporthalle polarisiert. Jetzt geht die Debatte weiter.

Trotz heftiger Kritik und gegen die Stimmen der CDU-Fraktion hat der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) in seiner jüngsten Sitzung einem Antrag des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Thomas Schlimme (Grüne) zugestimmt, der gerade in aller Munde ist und für Schlagzeilen sorgt. Der Magistrat soll demnach prüfen, ob eine Seilbahn von der S-Bahn-Haltestelle „Frankfurt-Höchst Farbwerke“ zur Fraport-Arena (Ballsporthalle) gebaut werden könnte. Diese kurze Strecke, Luftlinie 300 Meter quer über die Gleise, so argumentiert Schlimme, sei mit einer Seilbahn günstiger zu überbauen als mit einer Brücke.

Bislang müssen die Besucher der Fraport-Arena mehr als einen Kilometer laufen: Von der S-Bahn-Station über die Bleiwerksbrücke zur Pfaffenwiese und zurück auf der Silostraße. Die Seilbahn, hoffen die Grünen, könnte einerseits die Sportfans in Bahnfahrer verwandeln – und andererseits zu einer Attraktion in Frankfurt und Unterliederbach werden.

ÖPNV Frankfurt: Kann Seilbahn die Lösung sein?

Entschieden anders bewertet den Vorschlag indes die CDU, wie sich in der emotional geführten Debatte im Ortsbeirat zeigte. „Mit diesem Vorschlag“, wetterte deren Fraktionsvorsitzender Markus Peter Wagner, „laufen wir Gefahr, uns der Lächerlichkeit preiszugeben.“ Schon die Annahme, dass die Laufstrecke von der S-Bahn-Station zur Halle unzumutbar ist, hält er für übertrieben. 

Er verweist auf längere Fußwege, die etwa Eintracht-Fans von der Straßenbahn-Haltestelle bis zum ersten Kassenhäuschen in Kauf nehmen müssten. Zudem sieht er einen unzumutbaren Aufwand bei Planung, Durchführung und Instandhaltung einer Seilbahn.

ÖPNV Frankfurt: Seilbahn könnte S-Bahn entlasten

Mit Blick auf den überschaubaren Veranstaltungskalender der Ballsporthalle („Im Januar gibt’s acht größere Veranstaltungen, im Februar und März sieben, im April vier, im Juni zwei und im Juli nur eine“) fügte Wagner hinzu: „Man setzt da ein Riesenteil dahin, dass dann kaum gebraucht werden wird – kostenlos muss es vermutlich auch noch sein, damit es überhaupt genutzt wird.“ 

Sich mit Schlimmes Antrag überhaupt zu beschäftigen, schloss Wagner, „dazu hat die CDU keine Lust“. Sein Fraktionskollege Albrecht Fribolin verwies auf die Seilbahn in Singapur, die 5000 Menschen pro Stunde transportiere. „Da könnten wir eine Unterliederbacher Seilbahn ja nach einer Stunde wieder abschalten.“

Seilbahn als Verkehrsmittel: CDU ist skeptisch

Gänzlich unbeeindruckt von der CDU-Kritik zeigte sich der Antragsteller Thomas Schlimme: „Es hätte mich gewundert, wenn die CDU etwas Neues, Innovatives, gleich auf Anhieb gut findet“, stichelte er, um dann zu fragen: „Warum sollte man diese Lösungsvariante, die auch in anderen Städten erfolgreich praktiziert wird, nicht wenigstens prüfen?“ Ihm gehe es lediglich um eine erste Prüfung – schließlich hätten seine Partei umgekehrt auch dem CDU-Antrag auf Prüfung einer Unterführung im Neubaugebiet Parkstadt zugestimmt – „ohne zu wissen, ob das funktionieren wird.“

Die Stadt Frankfurt, so Schlimme weiter, solle sich das mit der Seilbahn „einfach mal angucken und durchrechnen“. Stelle man dabei beispielsweise fest, „dass ein Pfosten an eine Stelle gestellt werden müsse, wo das nicht geht, ist das Ding eben gestorben – okay.“ Und Albrecht Fribolins Verweis auf die Singapurer Seilbahn aufgreifend, meinte er: „Seilbahnen gibt es in allen Größen. Natürlich kann man das für Unterliederbach eine Nummer kleiner machen“. Die Debatte geht also munter weiter. 

Verweis auf Erfindungen

Seiner Bitte an die CDU, zumindest doch eine Prüfung zuzulassen, schloss sich auch die Linken-Fraktionsvorsitzende Dominike Pauli an: „Wenn alles auf dieser Welt nicht gebaut worden wäre, was vorher lächerlich gemacht wurde, hätten wir heute mit Sicherheit keine Wuppertaler Schwebebahn, keine U-Bahn – und viele andere wichtige Erfindungen.“

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Doris Michel-Himstedt schließlich verwies auf die immer größer werdenden Verkehrsprobleme der Stadt. Angesichts derer sei „jeder Lösungsansatz willkommen.“ Die CDU-Vertreter konnte sie damit nicht überzeugen: Gegen deren Stimmen wurde der Antrag dennoch angenommen.

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