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Rapper Kianush posiert mit Maschinenpistole auf seinem Facebookprofil

Aufregung am Frankfurter Berg

SEK-Einsatz bei Rap-Video-Dreh: Für Offenbacher Produzenten wird's jetzt teuer

Ein illegaler Rap-Video-Dreh in einer Tiefgarage am Frankfurter Berg löste einen SEK-Großeinsatz aus. Für die Produktionsfirma des Videos wird's jetzt vermutlich ziemlich teuer. 

  • Maschinengewehre und Masken sorgten für Aufregung in der Tiefgarage eines Rewe-Supermarktes im Frankfurter Stadtteil Frankfurter Berg
  • Nachbar ging davon aus, dass es sich um einen Überfall handelt und rief die Polizei
  • die rückte mit einem Sondereinsatzkommando an
  • es stellte sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlichen Überfall um einen illegalen Dreh eines Musikvideos handelte
  • weder Supermarkt noch Ordnungsamt waren über den Dreh umfassend informiert
  • nun kommen enorme Kosten auf die verantwortliche Produktionsfirma zu


Update, 12. Februar, 15:49: Jetzt meldet sich auch der Rapper Kianush beim Radiosender hr3 bezüglich des Vorfalls zu Wort. Wieop-online berichtete, bemerkte der Rapper die herannahenden Autos von Polizei und SEK und wies seine Crew an, sofort sämtliche Waffen-Attrappen in den Schrank zu räumen. "Wer weiß, was sonst passiert wäre."

Update, 12. Februar, 10:00: Für die Offenbacher Produktionsfirma "1take films" könnte es nach dem Großaufgebot der Polizei Frankfurt und des SEK ziemlich teuer werden. Eine Polizeisprecherin informierte hessenschau.de zwar nicht über den genauen Betrag, dieser könnte aber bis in die Tausender gehen. Strafrechtliche Konsequenzen gebe es jedoch keine.

Wie h essenschau.de berichtet, hat das Ordnungsamt Frankfurt der Firma "1take films" am 5. Februar eine Jahres-Drehgenehmigung ausgestellt, jedoch ohne genauere Angaben über Zeit und Ort.

Bei Drehterminen ist es nötig, vorher die Nachbarschaft und Polizei darüber zu informieren, so ein Behördensprecher, doch dies konnten auf Anfrage von fnp.de weder Polizei noch Ordnungsamt bestätigen.

Offenbach: Geschäftsführer von "1takefilms" wehrt sich

Die Produzenten aus Offenbach, die mit dem Lied des Rappers Bausa "Was du Liebe nennst" unter anderem für den Echo nominiert war, hat sich bisher noch nicht öffentlich dazu geäußert. Der Geschäftsführer bestreitet laut Medienberichten jedoch auf Facebook die Vorwürfe, denn man habe rechtzeitig Bescheid gegeben und es habe an fehlender interner Weitergabe gelegen.

Ordnungsamt Frankfurt zieht Konsequenzen

In Zukunft will das Ordnungsamt Frankfurt keine pauschalen Drehgenehmigungen mehr ausstellen, sondern genauere Angaben von den Antragsstellern fordern.

Kianush macht Werbung auf Instagram

Bei den Dreharbeiten handelte es sich übrigens um ein Musikvideo für den Deutschrapper Kianush. Dieser machte auf Instagram erst gestern fröhlich Werbung für seinen bald erscheinenden Song - mit Maschinengewehr. "Ab jetzt wird es wild, safe", schreibt er dazu - die Polizei hat er damit jedenfalls schon mal auf den Plan gerufen...

Update, 13:53 Uhr: Die Posse um den illegalen Videodreh in einer Tiefgarage am Frankfurter Berg, der einen SEK-Großeinsatz ausgelöst hat, geht in die nächste Runde: Auch dem Rewe-Supermarkt, der Tiefgarage und Ladenfläche in dem Gebäude gepachtet hat, liegt keine Drehgenehmigung vor. Dies bestätigt auf Anfrage Anja Kraushaar, Rewe-Pressesprecherin der Sektion Rewe-Mitte. Sie habe erst durch die Anfrage von fnp.de von dem SEK-Einsatz erfahren. "Von unseren Mitarbeitern hat niemand die Polizei gerufen", sagt Kraushaar. 

Symbolbild: SEK im Einsatz

Aber der Marktleiter erinnere sich, dass vor einigen Tagen jemand angefragt habe, ob man in der Tiefgarage Autos abstellen könne, erzählt sie weiter. Er kann sich durchaus vorstellen, dass es einen Zusammenhang zwischen dieser Anfrage und dem illegalen Dreh geben könnte. Eine offizielle Anfrage für einen Videodreh liege indes weder der Filiale, noch der Pressestelle von Rewe Region Mitte vor. "Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Vorkommnissen in der Tiefgarage", so Kraushaar. Dass die Verantwortlichen der Produktionsfirma vorab keine offizielle Drehgenehmigung eingeholt haben, kommentiert sie als "merkwürdig". 

Nun liegt es in den Händen des Hauseigentümers, ob die Produktionsfirma mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch rechnen kann oder nicht. 

Update, 11. Februar, 11:07: Bei dem Rap-Video in einer Supermarkt-Tiefgarage am Frankfurter Berg hat es sich laut dem Pressesprecher des Ordnungsamtes, Michael Jenisch, um einen Dreh auf einem privaten Gelände gehandelt - dem des Eigentümers. Der Genehmigungsantrag, der dem Ordnungsamt vorliege, sei jedoch für einen öffentlichen Raum gewesen.

Er geht davon aus, dass die Polizei wegen der Einsatzkosten direkt auf die Produktionsfirma, beziehungsweise den Artist, zugehen werde . Das Polizeipräsidium in Frankfurt konnte sich dazu noch nicht äußern, man prüfe die nächsten Schritte.

Männer mit Maschinenpistolen in einer Tiefgarage: Die Situation eskaliert

Erstmeldung vom 10.Februar: Frankfurt - Aufregung am Freitag: Maskierte Männer mit Maschinenpistolen in der Tiefgarage eines Supermarktes - das Szenario hat ein Mann in Frankfurt beobachtet und umgehend die Polizei verständigt. Die Leitstelle zog speziell ausgebildete Interventionskräfte und Spezialeinsatzkräfte aus der ganzen Stadt zusammen und schickte sie zum Einsatzort, wie das Polizeipräsidium am Sonntag mitteilte. 

Allerdings vergebens, denn es handelte sich um Dreharbeiten für ein Musikvideo. Das habe sich bei der Kontrolle der insgesamt 20 Personen aus der Tiefgarage herausgestellt, hieß es. Dabei soll es sich um eine Rap-Produktion gehandelt haben, das berichtet hessenschau.de.

Dreharbeiten für Musikvideo mussten beendet werden

Die Dreharbeiten mussten beendet werden, wie die Beamten weiter berichteten. Nun werde geprüft, ob der Polizei-Einsatz den Verantwortlichen in Rechnung gestellt werden könne. Sie hätten zwar eine Genehmigung des Ordnungsamtes gehabt, doch darin sei von ihnen verlangt worden, die Polizei rechtzeitig zu benachrichtigen. Zu Beginn des Einsatzes am Freitag habe eine solche Information nicht vorgelegen, sagte der Sprecher.

Dieser Großeinsatz war allerdings nicht die einzige Eskalation am Wochenende in Frankfurt: In Alt-Sachsenhausen war es in der Nacht zum Samstag zu Messerstichen und Tritten gegen den Kopf gekommen.

(dpa/red)

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