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Die Landesärztekammer sieht die Schuld bei der Überbelastung der Ärzte und Pfleger

Erschreckende Zahlen

Zahl der Behandlungsfehler steigt drastisch - Patienten oft hilflos

Bei der Techniker Krankenkasse Hessen gingen im vergangenen Jahr 544 Verdachtsfälle ein, die einen ärztliche Fehler vermuten. Landärztekammer macht die hohe Arbeitsdichte der Ärzte und Pfleger für diese Situation verantwortlich.

Frankfurt - Die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen verzeichnet beim Thema Behandlungsfehler einen neuen Rekord. Im vergangenen Jahr haben 544 Patienten aus Hessen, drei Prozent mehr als im Vorjahr (528), der TK einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler gemeldet.

Die meisten Verdachtsfälle im Land betreffen den chirurgischen Bereich (174 Fälle) sowie die Fachrichtungen Zahnmedizin (73), Allgemeinmedizin (72) und Orthopädie (34), so die Statistik der Krankenkasse. Ungefähr bei jedem dritten Fall habe sich der Verdacht im Lauf der Überprüfung bestätigt. Zusätzlich zu den gemeldeten Fällen vermutet die TK eine hohe Dunkelziffer.

Das Klären der Behandlungsfehler ist zeitaufwendig

„Für Patienten ist oftmals nur schwer zu erkennen, ob eine Erkrankung schicksalhaft verläuft oder ob Ärzte oder Pflegekräfte einen Fehler gemacht haben“, sagt Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. Zögen Versicherte aber die Leistungen ihres behandelnden Arztes in Zweifel oder sei bei der Behandlung etwas schief gegangen, meldeten diese den Verdacht immer öfter der TK. Komplexes Verfahren Das Klären von Behandlungsfehler-Vorwürfen sei ein in der Regel zeitaufwendiges, komplexes und oft auch schwieriges Verfahren.

In den meisten Fällen sei es aufgrund der aktuellen Gesetzeslage in Deutschland der Patient, der beweisen müsse, dass Ärzte oder Pfleger schuldhaft gegen die anerkannten Regeln verstoßen haben. „Und wie kann ich beispielsweise beweisen, dass mein Arzt mit einer sorgfältigen Diagnostik eine Krebsdiagnose bereits früher hätte erkennen können? Hier brauchen wir dringend patientenfreundlichere Gesetze“, sagt Christian Soltau, Medizinrechtsexperte der TK.

Zudem müssten aus Sicht der TK die Verfahren viel schneller abgewickelt und die Betroffenen frühzeitig entschädigt werden, da in schweren Fällen Versicherte nach einem Behandlungsfehler oftmals berufsunfähig und dadurch in ihrer finanziellen Existenz bedroht seien. Lange Rechtskämpfe Alleine von der Anforderung aller notwendigen medizinischen Unterlagen bis zum Erstellen eines erforderlichen Gutachtens könnten mehrere Monate verstreichen.

Patienten müssen lange auf ihr Recht warten

Häufig müssten die Betroffenen mehrere Jahre warten, bis klar sei, ob sie Schadenersatz erhielten. „Bei Geburtsfehlern müssen Patienten im Durchschnitt zehn Jahre für ihr Recht kämpfen, bei chirurgischen Behandlungsfehlern fünf Jahre“, erläutert Soltau.

„So haben die Betroffenen durch die langwierigen, teuren und strittigen Verfahren oftmals eine weitere Last zu tragen.“ Ebenso schwer sei es für Patienten, Hersteller für fehlerhafte Medizinprodukte wie etwa künstliche Gelenke zur Verantwortung zu ziehen. Einen schwierigen Punkt stellten hier insbesondere die Sicherheitsprüfungen und Zulassungsverfahren für sogenannte Hochrisikoprodukte wie beispielsweise Herzschrittmacher, Herzkatheter, Stents zur Aufdehnung der Herzkranzgefäße oder auch Brustimplantate dar, die nach Meinung der Krankenkasse deutlich verbessert werden müssten. 

Im Gegensatz zu einem neuen Rekord bei ärztlichen Behandlungsfehlern in Hessen, spricht die Landesärztekammer im Gegensatz zur TK von gleichbleibend hohen Antragszahlen. So seien im Jahr 2018 bei der Gutachter- und Schlichtungsstelle der Landesärztekammer Hessen 899 Anträge vermuteter Behandlungsfehler gestellt worden, sagt Kammer-Sprecherin Katja Möhrle.

Nur ein Teil erweist sich tatsächlich als Fehler

Im Jahr zuvor seien es 904 Anträge gewesen, „die nahezu unverändert hohen Antragszahlen zeigen, wie gut die Patienten über ihre Rechte informiert sind – und dass sie der Arbeit der Schlichtungsstelle viel Vertrauen entgegenbringen“, so Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen. Verdacht oft unbestätigt Bei der gutachterlichen Überprüfung erweise sich allerdings nur ein Teil der eingereichten Patientenvorwürfe tatsächlich als Behandlungsfehler.

So habe die Gutachter- und Schlichtungsstelle der Landesärztekammer im vergangenen Jahr in 110 (26,6%) der 413 gutachterlich abschließend geprüften Verdachtsfälle Behandlungsfehler von Ärzten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich „bejaht“. Zum Vergleich: In 2017 waren 106 (24,3 Prozent) der begutachteten Verdachtsfälle als Behandlungsfehler eingestuft worden.

Wie der Ärztekammer-Chef weiter sagte, steige durch die von der Politik seit Jahren „vorangetriebene, mit erhöhter Arbeitsverdichtung und Belastung von Ärzten und Pflegern verbundene Ökonomisierung des Gesundheitswesens auch das Fehlerrisiko“. Dass in Hessen die Zahl der Behandlungsfehler 2018 dennoch nur geringfügig angestiegen sei, sei ein Beleg für die „qualitätsbewusste und verantwortungsvolle Arbeit in Kliniken und Praxen.“

Das sind Behandlungsfehler

Ein Behandlungsfehler liege vor, wenn eine medizinische Behandlung nicht nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards erfolgt. Ein Behandlungsfehler sei als grob zu bewerten, wenn der Arzt oder der Psychotherapeut eindeutig gegen bewährte ärztliche oder psychotherapeutische Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen habe, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheine.

Gesicherte medizinische Erkenntnisse seien dabei nicht nur die Erkenntnisse, die Eingang in Leitlinien, Richtlinien oder anderweitige ausdrückliche Handlungsanweisungen gefunden haben. Hierzu zählten auch die elementaren medizinischen Grundregeln, die im jeweiligen Fachgebiet vorausgesetzt werden. Behandlungsfehler könnten aus einem Tun oder aus einem Unterlassen resultieren. Diese könnten zur Folge haben, dass der behandelnde Arzt zivil-, ordnungs- oder strafrechtlich haften müsse.

V0N DIETER HINTERMEIER

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