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Nika und Niddastern: Besonderes Wohnprojekt wird konkret

Trotz Fäkalien und Spritzbesteck

40 Menschen starten im Bahnhofsviertel bald ein ganz besonderes Wohnprojekt

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40 Menschen wollen die Wohnprojekte "Nika" und "Niddastern" im Frankfurter Bahnhofsviertel beziehen: Noch mindern Fäkalien und Spritzbesteck die Vorfreude.

Frankfurt - Eigentlich haben die neuen Mieter des Wohnprojektes „Nika“ allen Grund zur Freude: „Wir haben das Haus für eine Millionen Euro von der Stadt gekauft, für weitere 2,5 Millionen Euro saniert und können in drei Monaten einziehen“, sagt Bewohnerin Beate Steinbach. Innen ist der Boden bereits verlegt, die Fassade erstrahlt in frischer Farbe. Auch im ebenfalls selbstverwalteten Nachbarhaus Niddastern gehen die Arbeiten gut voran, dort soll der Einzug im Juli beginnen.

Baustelle der Wohnprojekte wird von Obdachlosen als Zuflucht genutzt

Doch derzeit verstellt ein Zaun die vollständige Sicht auf die Häuser „Nika“ und „Niddastern“ und zeigt, mit welchen typischen Problemen in der Nachbarschaft die Bewohner in Zukunft konfrontiert werden könnten. „Wir haben den Zaun auf Anordnung der Bauaufsicht gebaut, da unsere Baustelle von verschiedenen Menschen als Zufluchtsort genutzt wurde“, sagt Moritz Krawinkel. Und er nennt charakteristische Gruppen wie Wohnsitzlose und Drogenkonsumenten, die dort und auch im benachbarten Haus „Niddastern“ ihren Schlafplatz gesucht hatten.

Frankfurter Bahnhofsviertel: Fäkalien und Spritzbesteck verhindern die Bauarbeiten

Zwar räumt Krawinkel ein, die tägliche Verschmutzung durch Müll, Fäkalien und Spritzbesteck habe die Bauarbeiten behindert. Doch Moritz übt auch Kritik an der Art, wie die Bauaufsicht mit dieser Situation umgegangen ist. Denn dort habe man mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, falls die Nika nicht dauerhaft die Sauberkeit der Baustelle gewährleisten kann. Begründet habe man diese Haltung auch mit Beschwerden durch Passanten über Belästigungen durch Wohnsitzlose und deren Müll. Auch von der Überwachung durch einen Sicherheitsdienst sei die Rede gewesen.

In knapp drei Monaten wollen die Bewohner in ihr Haus an der Ecke Nidda-/Karlstraße einziehen. Probleme gab?s jetzt schon.

„Als zukünftige Bewohner haben wir selbstverständlich ein Interesse daran, dass die Bauarbeiten sicher vorangehen und die Sicherheit der Bauarbeiter gewährleistet ist“, räumt Krawinkel ein. Und sicher sei eine Baustelle auch keine adäquate Unterbringung. „Doch wir waren auch irritiert von der Auffassung, die Probleme ließen sich alleine durch die Verdrängung der Besucher und das Reinigen und Absichern der Baustelle lösen.“

Wohnprojekte "Nika" und "Niddastern" im Bahnhofsviertel: Fußbodenheizung verlegt

Am Ende entschieden sich die Nika-Bewohner gegen einen Sicherheitsdienst, für die eigene Reinigung und bauten mit ihren Nachbarn vom „Niddastern“ den Schutzzaun. Und seit dieser Zeit geht es gut voran. „Aktuell ist der Bau fast fertiggestellt“, sagt Steinbach. Die Fußbodenheizung sei verlegt. Und in den nächsten Wochen könnten auch die letzten Maßnahmen abgeschlossen werden. Die Miete werde, je nach Einkommen, gestaffelt ab 9 Euro pro Quadratmeter angesetzt. Dafür sind die künftigen Bewohner sehr unterschiedlicher sozialer und geographischer Herkunft, kommen aus verschiedenen Stadtteilen und sind zwischen 0 und 60 Jahren alt- sechs Bewohner sind Kinder.

Um die Begegnung im Stadtteil zu fördern, ist im Erdgeschoss ein Veranstaltungsraum für Gespräche, Kunstaktionen und Sozialberatungen geplant. „Wir versprechen uns davon einen sehr regen Austausch mit allen verschiedenen Nachbarn“, sagt Steinbach. Freilich auch mit solchen, die in prekären Lebenssituationen leben.

Stadt Frankfurt sucht nach Lösungen

Zu den Wohnsitzlosen erklärt die Sprecherin des Sozialdezernats Manuela Skotnik: „Prinzipiell bringt die Stadt obdachlose Menschen in Notunterkünften unter, zum Beispiel im Ostpark.“ Am nächstgelegenen Sprechtag des Besondere Dienst Wohnungslosigkeit und Sucht seien die Betroffenen dann gehalten, im Jugend- und Sozialamt vorzusprechen, um Lösungen für ihre Situation zu finden.

Nach Auskunft der Bauaufsicht habe es seit dem Bau des Zauns keine Zwischenfälle mehr mit Übernachtungen im Nika-Haus mehr gegeben. „Eine Baustelle ist hierfür absolut ungeeignet, da sie immer auch Gefahren birgt, auch für die Wohnsitzlosen selbst“, betont die Leiterin Sonja Zapke.

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