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Seit der Mainkai gesperrt ist, stehen die Reisebusse an der Paulskirche noch mehr Autos im Weg.

Diskussion

Verkehrschaos in Frankfurt - Reisebus-Problem wird nur langsam besser

Frankfurts Touristiker drängen darauf, dass die Stadt ordentliche Reisebus-Parkplätze anbietet. Nur so lasse sich das zeitweise Chaos im Zaum halten. Die Anreise von Gästen per Bus hat sich längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Frankfurt - Nachmittags zwischen 16 und 18 Uhr wird es richtig voll am Paulsplatz. Stoßstange an Stoßstange parken Reisebusse in der Berliner Straße, um ihre Gäste aufzunehmen. Wenn mal jemand fehlt, verzögert sich die Abfahrt. Was für die folgenden Busse zum Problem wird. So stoppen die großen Fahrzeuge notgedrungen auch immer wieder in zweiter Reihe.

Eine Kettenreaktion folgt: Auf nur noch eine Spur verengt, stockt der seit der Mainkai-Sperrung ohnehin deutlich verstärkte Verkehr auf der Berliner Straße dann um so mehr. Und die folgenden Busse stehen ebenfalls im Stau.

Mehrere Problemstellen

Die Situation in der Altstadt ist nicht die einzige Problemstelle, die die Reisebusse derzeit in Frankfurt verursachen. Denn die Stadt hat ihnen erst vor wenigen Tagen auch noch viele Parkplätze gestrichen: direkt am Mainkai und gegenüber am Schaumainkai und am Sachsenhäuser Ufer. Stattdessen sind nun am Theodor-Stern-Kai 17 Busparkplätze ausgewiesen. Die aber werden zumeist weiterhin von Autos blockiert. Folge: Die Reisebusse stehen weiter am Sachsenhäuser Ufer, wenngleich im Halteverbot. Was dazu führt, dass dort nun der Umgehungsverkehr stockt, der den gesperrten Mainkai umkurvt.

Das nervt Anwohner wie Michael Poßner. Er bekommt in der Sachsenhäuser Walter-Kolb-Straße nun spürbar mehr Verkehr ab. "Der Dauerstau ist für uns Anwohner nicht hinzunehmen", ist er sauer, ebenso wenig wie Lärm und Abgase der wegen der Klimaanlagen laufenden Motoren. Poßner nervt, dass das südliche Mainufer - nun als eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen - von im Halteverbot geparkten Bussen weiter permanent auf eine Spur verengt sei. "Warum kündigt man großspurig Halteverbote an, und nichts geschieht?"

Einige Zeit werde es wohl noch dauern, bis sich die neue Regelung einspiele, schätzt Thomas Feda. Der Geschäftsführer der städtischen Tourismus+Congress GmbH (TCF) geht davon aus, dass sich die Lage mit Kontrollen der Stadtpolizei in nächster Zeit einrenkt. Vor allem sollen die falsch parkenden Fahrer zunächst informiert werden: "Eine Kulanzregelung", erklärt Feda, "um den Übergang zu schaffen."

Verstärkte Kontrollen am Paulsplatz

Von seinen Stadtführern hat er berichtet bekommen, dass die Stadtpolizei die Kontrollen besonders am Paulsplatz verstärkt hat. "Die kennen die problematischen Zeiten genau." Die Kontrollen seien wichtig, sagt Feda: Die in zweiter Reihe haltenden Busse "sind schon eine Gefahrenquelle". Könnte die TCF nicht auch mit eigenem Personal für Ordnung sorgen? "Unser Job ist es, Leute herzuholen", sagt Feda. Die Infrastruktur zu bieten sei Aufgabe der Stadt.

Noch im Übergang ist auch die Regelung für die Dauerparkplätze für die Reisebusse: entlang der westlichen Gutleutstraße oder im Ostend. Hier prüft die Stadt noch, ob Parkplätze in der Eytelwein- und Mayfahrt- oder der Franziusstraße ausgewiesen werden. Bis zum Höhepunkt der Busreisen im September und Oktober müsse das klar sein, sagt Feda. Vor allem müsse das Verkehrsdezernat Schilder aufstellen lassen, wo die neuen Busparkplätze sind, findet der TCF-Chef. Die Infos streut die TCF auch auf ihrer Internetseite und dem städtischen Verkehrsportal "Mainziel".

Busse sollen zu neuen Dauerparkplätzen gelockt werden

Der TCF-Geschäftsführer wirbt aber dafür, dass die Stadt die Busse auch offensiv zu den neuen Dauerparkplätzen lockt. "Zum Beispiel mit einer Infrastruktur für die Reinigung der Fahrzeuge." Oder dadurch, dass die Parkplätze auch wirklich für die Busse zur Verfügung stehen. In der Gutleutstraße beispielsweise müssen die Omnibus-Chauffeure mit Lastwagen- und Autofahrern um die Abstellplätze rangeln.

Rund zehn Prozent der Gäste kommen inzwischen per Reisebus in die Stadt. "Und mir ist ein Bus lieber als 40 Pkw", betont Feda die Umweltfreundlichkeit. Mindestens 50 000 Busreisen steuerten pro Jahr Frankfurt an, eine sechsstellige Anzahl an Übernachtungsgästen bescheren sie der Stadt. Mit ihnen fließt Umsatz herbei: Allein ein Bus mit asiatischen Gästen lasse 30 000 Euro da. Das Geld fließt zum großen Teil in Läden und Gaststätten in der Innenstadt. "Beim Einsteigen", weiß Thomas Feda, "haben 90 Prozent der Gäste Einkaufstüten dabei." Damit sei der Bustourismus "ein Benefit für alle".

Parkgebühren und ein Sorgenkind

Parkgebühren sollen den Bustourismus ab Januar besser lenken. Busse zahlen dann zehn Euro pro Stunde, maximal 50 Euro pro Tag. Für die Viertelstunde Parken am Paulsplatz werden fünf Euro fällig. Bezahlt werden soll alles per Handy-App. Dieses Kassieren bereitet Frankfurts Cheftouristiker keine Sorgen: Das sei "recht günstig", sagt Thomas Feda. Gebühren seien auch andernorts "üblich an touristischen Standorten". Von den Busfirmen habe es "keine auffälligen negativen Rückmeldungen" gegeben.

Gelöst werden müsse aber noch die Parkplatz-Regelung für die Weihnachtsmarktzeit. Dann kommen viele Busse, aber der Markt selbst blockiert die Haltestelle Paulsplatz. Bisher wurde in dieser Zeit der Mainkai als Ein- und Aussteigepunkt genutzt - der aber nun gesperrt ist. 

dpg

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