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Hier sollen bald Wohnungen, Büros und eine Grundschule entstehen.

Zeitungsviertel wird neu gemischt

Ende einer Ära: Was geschieht mit dem FAZ-Areal im Gallus?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die Frankfurter Neuen Presse (FNP) werden in rund zwei Jahren das Gallus in Frankfurt verlassen - doch was geschieht mit dem Gebäudekomplex?

Frankfurt - Der Wandel des einstigen Arbeiterviertels Gallus ist allerorts zu sehen. Neue schicke Wohngebäude wachsen in die Höhe. Jede noch so kleine Baulücke wird genutzt. Schon jetzt richten sich begehrliche Blicke auf ein großes Areal, günstig gelegen zwischen Galluswarte und Messe: Dort, wo heute die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Frankfurter Neue Presse" beheimatet sind.

Die FAZ wird ins Europaviertel umziehen. Von 2021 ist die Rede. Das hat die Fazit-Stiftung, die das Kapital der FAZ hält, im vergangenen Jahr bekanntgegeben. Wohin es die Redaktion dieser Zeitung verschlägt, steht noch nicht fest - ein Umzug ist aber unausweichlich.

FAZ-Gebäudekomplex: Erste Pläne liegen vor

Denn die Fazit-Stiftung hat große Pläne mit dem rund 23 500 Quadratmeter großen Gelände zwischen Mainzer Landstraße, Günderrodestraße, Frankenallee und Gutenbergstraße. Das Areal soll neu bebaut werden. Ein "funktionsgemischtes Quartier" mit dem Schwerpunkt Wohnen, aber auch mit neuen Büros, soll entstehen. Erste Projektentwickler sollen ihr Interesse bekundet haben.

"Seit Ende letztes Jahres werden konstruktive Gespräche mit der Stadt geführt, um die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für die künftige Bebaubarkeit und Nutzungsarten der Grundstücke abzustimmen", sagt eine Sprecherin der Fazit-Stiftung auf Anfrage dieser Zeitung. Erste Entwürfe und Planungen lägen bereits vor und würden mit der Stadt diskutiert. Ob das Gelände verkauft werden soll oder nur Teile davon, könne man noch nicht sagen, da über die Nachnutzung noch nicht final entschieden wurde.

Derzeit plant die Stadt gemeinsam mit der Fazit-Stiftung einen städtebaulichen Wettbewerb. "Das Gelände ist so groß, da muss man über die nötige Infrastruktur nachdenken", sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert. Denn eines ist klar: Neben den Wohnungen - 30 Prozent müssen öffentlich gefördert sein - und den Büros sollen auf dem Areal Kindertagesstätten und eine Grundschule unterkommen. Zudem sollte an der Mainzer Landstraße ein Quartiersplatz entstehen.

Für das Gelände gibt es keinen Bebauungsplan. In solchen Fällen wird Paragraf 34 des Baugesetzbuches angewandt. Das heißt: Eine neue Bebauung müsste sich in Optik und Höhe der Nachbarschaft anpassen. Im Planungsdezernat geht man aber davon aus, dass sich für das Areal ein neuer Bebauungsplan anbietet. "Momentan wären dort nur Gebäude mit fünf Geschossen erlaubt", sagt Gellert. Will man in die Höhe gehen, wird eben ein Bebauungsplan nötig. "So ist man rechtlich auch abgesichert."

Das Ende einer Ära: Ein Stück Geschichte wird verloren gehen

Mit dem Wegzug der FAZ und der FNP - dazu gehört auch der Frankfurter Societätsverlag - geht auch ein Stück Geschichte verloren. Vom einstigen Zeitungsviertel bleibt nur wenig übrig. Einzig der Deutsche Fachverlag wird dann noch seinen Stammsitz an der Mainzer Landstraße haben. Denn auch die Frankfurter Rundschau, die seit vergangenem Jahr gemeinsam mit dieser Zeitung zur Ippen-Gruppe gehört, wird das Gallus verlassen müssen.

Für Uli Baier, den planungspolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion im Römer, hängen viele Erinnerungen an dem Medienstandort, auch weil er seit mehr als 40 Jahren in der Nähe wohnt. Da waren die Studentenrevolte 1968 und die Demonstrationen gegen die damals an der Frankenallee gedruckte "Bild"-Zeitung. "Wir haben mit Menschenketten den Eingang zur Druckerei blockiert, damit keine Zeitung ausgeliefert werden konnte", erzählt Baier. Da war der Kampf um die Günderrodestraße Ende der 1980er Jahre. Damals wollte die Fazit-Stiftung die Wohnhäuser dort dem Zeitungsgelände zuschlagen. "Das konnten wir Grüne verhindern, was mich noch heute stolz macht." Und so empfindet er Wehmut, wenn er daran denkt, "dass das hier alles verschwinden soll".

Damit das nicht geschieht, hat Baier für den Altbau der Societätsdruckerei an der Frankenallee gekämpft. Unter Denkmalschutz wollte er den Gebäudeteil stellen lassen - ohne Erfolg. "Es hat schon zu viele Umbauten gegeben", teilte das Landesdenkmalamt mit. Dennoch soll Fazit-Stiftung signalisiert haben, dass der Altbau mit der roten Klinkerstein-Fassade erhalten bleiben könnte. Und für Baier ist klar: "Es darf hier kein 08 / 15-Quartier entstehen. Das Areal gehört zu den wichtigsten städtebaulichen Projekten der Stadt." Wann es abgeschlossen sein wird, dafür gibt es jedoch noch keinen Zeitplan.

von Julia Lorenz

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