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Auf dem Grundstück der IIS soll in Zukunft ein chinesisches Unternehmen seinen Sitz haben

Für drei Jahre

Chirurgie statt Moschee - Deshalb kam es anders als erwartet

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Der Verein Islamische Informations- und Serviceleistungen baut vorerst kein neues Gemeindezentrum in der Bessemer Straße: Für drei Jahre hat er das Gelände an ein Unternehmen vermietet, das chirurgische Instrumente produziert.

Frankfurt - Das Tor steht offen, Autos parken auf dem Hof: Es tut sich etwas in der Bessemerstraße 7 – aber anders, als wohl von vielen erwartet: Nicht der Verein Islamische Informations- und Serviceleistungen (IIS), der das Grundstück vor anderthalb Jahren kaufte, zieht mit seinem Gemeindezentrum hierher, sondern ein chinesisches Unternehmen: 

Die 2014 gegründete Firma Op-Instruments GmbH (OPI), deren Muttergesellschaft aus Peking kommt. Für drei Jahre hat das kleine Unternehmen das Gelände zunächst gemietet, möchte aber gerne länger hierbleiben, wie Product Supervisor Jiang Shi erklärt.

IIS kann vorerst nicht im Gallus bauen

Vermietet hat IIS das Grundstück, weil die Gemeinde vorerst hier nicht bauen kann, wie Gemeinde-Sprecher und Imam, Dr. Mohammed Johari, sagt. Gekauft hatte der 1995 gegründete Verein das Grundstück, weil sein Domizil zwischen Hohenstaufenstraße und Mainzer Landstraße längst zu klein ist: Die Zahl der meist jungen Mitglieder steigt stetig an.

Noch immer wolle der Verein ein neues Gemeindezentrum bauen, sagt Johari. Zeitdruck gebe es aber nicht. Auch wenn das Gallus bei Investoren beliebt ist und viele Mietverträge nur jahresweise verlängert werden, was eine gewisse Unsicherheit für die Mieter bedeutet: Verkauft ein Eigentümer, kann es passieren, dass man schnell neue Räume suchen muss.

Chinesische Firma stellt chirurgische Instrumente her

Der Firmen-Homepage zufolge (www.opinstru.de) stellt OPI chirurgische Instrumente her, etwa Nadelhalter, Pinzetten, Klemmen, Wundsperrer oder Mikro-Scheren, aber auch spezielle Instrumente für Herzoperationen. Bislang habe das Unternehmen in Frankfurt vor allem für den chinesischen, indischen und sonstige fernöstliche Märkte produziert, so Jiang Shi. Das Unternehmen betreibe aber eine ISO-Zertifizierung, die es ihm ermöglicht, auch für europäische und den nordamerikanischen Markt zu fertigen.

In Bergen-Enkheim hatte die Aussicht, dass in der Bessemerstraße 7 ein islamisches Gemeindezentrum entsteht, für Proteste gesorgt. Vor allem zunehmende Parkplatz- und mögliche Lärmprobleme angesichts der vielen Besucher bei Festen und Freitagsgebeten führten die Anwohner als Gründe an. Aber auch islamkritische und -feindliche Äußerungen waren zu hören.

Laut hessischem Verfassungsschutz hat der IIS „Bezüge zum Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland“ (RIGD), der der islamistischen Muslimbruderschaft nahestehe. Ein Vorwurf, den IIS stets zurückwies: Jeglicher Extremismus spalte die Gesellschaft, der Verein aber stehe für Vielfalt, Transparenz und ein gutes gesellschaftliches Miteinander. Das Integrationsdezernat nannte 2017 den IIS „konservativ, autoritär und polarisierend“, es sei daher im Gespräch mit dem Verein.

Op-Instruments will im Gallus bleiben

Viele Bergen-Enkheimer und der Ortsbeirat hatten die Stadt aufgefordert, ein passendes Grundstück für die Gemeinde zu finden und die Grundstücke dann zu tauschen. Op-Instruments zumindest würde gerne lange auf dem Gelände bleiben, es eventuell auch kaufen. „Wenn der Preis stimmt, können wir darüber sprechen“, sagt Johari. Für die Gemeinde sei wichtig, ein Gelände für ihr neues Gemeindezentrums zu haben. Biete ihr jemand ein adäquates Grundstück zum Tausch an, sei sie nicht abgeneigt.

von ANDREAS HAUPT

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