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Dieser Tage müssen sich Eltern wieder entscheiden, auf welche Schule ihre Kinder künftig gehen sollen.

Frist bis 5. März

Schulwahl nach der vierten Klasse: Die Eltern müssen sich jetzt entscheiden

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Eine Entscheidung mit Folgen: Bis zum 5. März müssen die Eltern von rund 5700 Viertklässlern in Frankfurt darauf hoffen, dass das Kind an der Wunschschule angenommen wird. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall.

Frankfurt - In diesen Tagen laufen die Telefonleitungen in der Schillerschule heiß, E-Mails sprengen die Postfächer. Verzweifelte Eltern von Viertklässlern, die die richtige weiterführende Schule für ihr Kind suchen, melden sich bei Claudia Wolff, Leiterin des Sachsenhäuser Gymnasiums. Bis zum 5. März müssen sie die Antragsformulare ausgefüllt und bei der Grundschule abgegeben haben. „Die Eltern sorgen sich, eine falsche Entscheidung zu treffen“, sagt Wolff.

Frankfurt: Bei der Schulwahl taktisch agieren

Im vergangenen Jahr konnten 600 Kinder nicht auf ihre Wunschschule gehen. Auch in diesem Jahr rechnet das Staatliche Schulamt mit vergleichbaren Zahlen. Rund 5700 Schüler befinden sich im Übergang. „Es wird wieder Schülerlenkungen geben, sprich: Zuweisungen“, sagt Amtsleiterin Evelin Spyra. In Hessen zählt zwar der Elternwille, es gibt aber keinen gesetzlichen Anspruch auf eine bestimmte Schule, sondern nur auf den Bildungsgang.

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Nach den Erfahrungen aus den vergangenen Jahren sind die Väter und Mütter bei der Wahl der richtigen Schule mittlerweile dazu übergangen, taktisch zu agieren. "Die Zweitwunschschule sollte keine sein, die schon in den letzten Jahren stets mit Erstwünschen ,geflutet wurde", sagt Stadtelternbeirätin Silke Deselaers vom Team "Übergang 4/5". Dazu zählen etwa die IGS West (Höchst), das Gymnasium Riedberg, die IGS Nordend, Ziehenschule (Eschersheim) und Wöhlerschule (Dornbusch). Weniger beliebt war bislang etwa das Adorno-Gymnasium (Höchst), das im Sommer allerdings ins Westend zieht. Der Stadtelternbeirat rät zudem, die Kinder in die Auswahl der weiterführenden Schule einzubeziehen. "Das Kind muss die Entscheidung mittragen", sagt Deselaers. "Wenn es eine Schule nicht will, sollte man dies berücksichtigen."

Beim Anmeldeformular können die Eltern zwei Wunschschulen angeben. Neuerdings wird außerdem gefragt, ob im Falle einer Zuweisung die gewünschte Schulform oder die bessere Erreichbarkeit wichtiger sind. Das bedeutet: Wenn man sich etwa für zwei Gymnasien entscheidet, die Nähe der Schule aber wichtiger erscheint, kann auch an eine Integrierte Gesamtschule oder Kooperative Gesamtschule ums Eck zugewiesen werden.

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Wie viele andere beliebte Schule nimmt auch die Schillerschule seit Jahren keine Kinder an, die sie als Zweitwunsch angegeben haben. Wolff sagt: „Der sicherste Weg zur Wunschschule ist die Wahl über das Profil.“  Soll heißen: Spielt das Kind ein Instrument, will im Schulorchester mitspielen und ist dazu auch noch an Kunst interessiert, ist es an der Schillerschule willkommen. Ist der Sprössling ein Sprachtalent ist es etwa an der Elisabethenschule (Nordend) besser aufgehoben.

Anna Garcia gehört zu den Elternteilen, die sich in den kommenden Tagen für eine weiterführende Schule für ihren Sohn entscheiden müssen. Um ihn zu schützen, will sie ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. „Die Entscheidung ist nicht leicht“, sagt Garcia. Seit einem halbe Jahr beschäftige sie sich mit dem Thema, hat Tage der offenen Tür besucht, Infoabende, Schnuppertage. Im Gegensatz zu anderen Eltern hat sich Garcia aber nicht mit Leitern von weiterführenden Schulen getroffen, hat keine Power-Point-Präsentation vorbereitet oder Bewerbungsmappen geschrieben.

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Im Gegensatz zu anderen Eltern hat sich Garcia aber nicht mit Leitern von weiterführenden Schulen getroffen, hat keine Power-Point-Präsentation vorbereitet oder Bewerbungsmappen geschrieben. Viele schicken selbst geschriebene Briefe von den Viertklässlern an die Schulleiter. Manch einer schreckt auch nicht vor einer großzügigen Spende an die Fördervereine der Schulen zurück. Andere wiederum melden ihre Kinder auf einer Privatschule an. "Das alles wollen wir aber nicht", sagt Garcia. Viel eher denken ihr Mann und sie darüber nach, aus Frankfurt wegzugehen. Mieten, die nicht zu bezahlen sind, fehlende Schulplätze, marode Schulgebäude. "Auf dieses ganze Theater haben wir eigentlich keine Lust mehr."

Das Bildungssystem ist flexibel

Im vergangenen Jahr wechselten 52 Prozent der Viertklässler von der Grundschule auf ein Gymnasium oder einer gymnasialen Zweig einer Kooperativen Gesamtschule. Viele Eltern glaube, dass die Wahl der weiterführenden Schule eine Entscheidung fürs Leben ist.

Das Bildungssystem ist aber flexibel. Doch es muss nicht immer der direkte Weg zum Abitur sein. „Auch der Umweg über die Realschule ist möglich. Eine Grundschullehrerin sagt: „Man kann aber auch ganz ohne Hochschulreife und Studium ein erfolgreiches Berufsleben haben.“

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