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Das Sparkassen-Logo spiegelt sich verzerrt in einer Hochhausfassade. 

Kreditinstitute

Bankenfusion: Die "Volkssparkasse" kommt

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Die Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse wollen noch in diesem Jahr ihre Filialen zusammenlegen. Die Idee gemeinsamer Filialen wird als neuer Weg in der Bankenwelt verkauft. Wo er noch hinführen kann, ist unklar.

Sulzbach – Fünf Millionen Euro wollen die Taunus Sparkasse und die Frankfurter Volksbank in den nächsten drei Jahren investieren, um zusammengerechnet knapp 50 Standorten in 26 gemeinsame Filialen zu machen. "Das amortisiert sich sofort", sagt Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, und es liegt auch auf der Hand, dass sich das lohnt. Denn nicht nur teilen sich die beiden Häuser die Kosten für die neuen Filialen, die "FinanzPunkte" genannt werden sollen. Mittelfristig werden außerdem weniger Mitarbeiter gebraucht, auch wenn es nach den Worten von Oliver Klink, Vorstandschef der Taunus Sparkasse, keinen Personalabbau geben soll.

Gestern wurden in Sulzbach die Pläne vorgestellt. Demnach soll es 17 mit Mitarbeitern besetzte Filialen geben, davon sind acht im Main-Taunus-Kreis und neun im Hochtaunuskreis. Jede der beiden Banken schickt an zwei Tagen in der Woche zwei Mitarbeiter in jede dieser Filialen, montags ist geschlossen. "Gemeinsam genutzt wird der Bildschirm, der Kühlschrank und die Kaffeemaschine", so Klink. Ansonsten laufen die Geschäfte strikt getrennt. Die Mitarbeiter kommen mit ihrem Laptop und verbinden sich im papierlosen Büro mit dem Rechnernetzwerk ihrer Bank.

Taunus Sparkasse: Offen für weitere Partner

Von außen sollen die Kunden erkennen, welche Bank gerade offen hat - leuchtet ein großer Lichtwürfel rot, ist es die Taunus Sparkasse, bei blau kann man bei der Frankfurter Volksbank vorsprechen. Klink geht davon aus, dass sich die Kunden bald auf die neuen Öffnungszeiten eingestellt haben werden. Neun weitere Standorte werden als gemeinsame Selbstbedienungsfilialen betrieben; jede der beiden Banken gewinnt dadurch drei für sie völlig neue Selbstbedienungs-Standorte.

Volksbank-Chefin Eva Wunsch-Weber und Sparkassen-Chef Oliver Klink präsentierten in Sulzbach das Kooperationsmodell. 

"Wir nutzen gemeinsame Räumlichkeiten, bleiben dabei aber selbstverständlich Wettbewerber", stellt Volksbank-Chefin Wunsch-Weber klar. Die Frage einer Fusion habe sich gar nicht gestellt, betonten die beiden Vorstandsvorsitzenden. Sie lassen aber auch durchblicken, dass sie in der jetzt vereinbarten Zusammenarbeit erst einen Anfang sehen. Weder schlossen sie eine Ausweitung des Modells auf weitere Standorte aus, noch eine Zusammenarbeit mit einem weiteren Partner, noch eine Kooperation der beiden Häuser auch auf anderen Feldern.

"26 Standorte sind erst mal genug."

Zu viele Schritte auf einmal wollen die Beteiligten aber auch nicht gehen. Einen Ausstiegsplan gebe es nicht, so Klink, denn man sei von der Idee wirklich überzeugt. Aber jetzt möchten beide Häuser auch erst einmal Erfahrungen mit der Zusammenarbeit sammeln. "26 Standorte sind erst mal genug", sagt Klink, schiebt aber hinterher: "Ich bin mal gespannt, wo das noch hinführt."

Und da ist er wohl nicht der einzige. Die ganze Branche beobachtet das Experiment. Erklärtermaßen handelt es sich um den Versuch, sich auf ein geändertes Kundenverhalten einzustellen. 60 Prozent der Kunden wickelten ihre Bankgeschäfte über das Internet ab, wünschten für komplexere Dinge wie eine Baufinanzierung aber die persönliche Beratung, so Klink. Kommen weniger Kunden in die Filialen, müsse es verringerte Öffnungszeiten geben. Für ihn ist das jetzt vereinbarte Modell eine Alternative zur völligen Schließung von Filialen.

"Manche sagen, die Bankfiliale sei tot", erläuterte Wunsch-Weber. Da aber nur 15 Prozent aller Kunden alle Geschäfte über das Internet abwickelten, sei es schon wichtig, in der Fläche vertreten zu sein. Dazu komme die regionale Ausrichtung von Instituten wie der Taunus Sparkasse und der Frankfurter Volksbank. Davon könnten auch kleinere Orte einen Nutzen haben, in denen oft ein Rückgang der Infrastruktur beklagt werde. "Vielleicht macht wieder jemand einen kleinen Laden auf, wenn es wieder eine Bankfiliale gebe.

"Was im Rhein-Main-Gebiet funktioniert, klappt auch anderswo" sieht Wunsch-Weber die beiden Banken auch in einer Art Vorreiterrolle. Deshalb werde das Experiment sowohl beim Sparkassenverband als auch bei der Dachorganisation der Volksbanken mit höchstem Interesse beobachtet. Obwohl es sich nicht um einen Zusammenschluss handele, habe man das Projekt auch kartellrechtlich prüfen lassen.

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