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Im Gallus 

Von feuchten Wänden, Schimmel und Ungeziefer: Vonovia-Mieter sprechen von unhaltbaren Zuständen

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Die in Berlin geforderte Enteignung von Immobiliengesellschaften schlägt auch in Frankfurt Wellen. Doch zunächst will der Ortsbeirat 1 die Rechte der Vonovia-Mieter durch die Stabsstelle Mieterschutz stärken.

Frankfurt - Die Mieter der Vonovia in der Knorrstraße fühlen sich durch Gentrifizierung bedroht: Nach einer Studie des Instituts der Humangeographie der Goethe-Universität unter Leitung von Sebastian Schipper können schon jetzt 45 Prozent der befragten Haushalte in der Knorrstraße ihre Miet- und Nebenkosten nur durch deutliche Einschränkungen ihres Lebensstandards bestreiten. Die Hälfte der Befragten befürchtet, sich die Miete nach angekündigten sanierungsbedingten Erhöhungen von 120 Euro nicht mehr leisten zu können.

Ortsbeirat 1: Wohnungen in der Knorrstraße im Gallus verrotten

Zudem beschwerten sich die Mieter bei der jüngsten Begehung des Ortsbeirats 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) in den Wohnblöcken der Wallauer- und der Knorrstraße erneut über unhaltbare sanierungsbedingte Bau- und hygienische Mängel, die sie rechtlich einklagen müssten. „Wenn die Vonovia Wohnungen verrotten lässt und gleichzeitig Milliardengewinne verkündet, dann muss der Staat auch sein schärfstes politisches Instrument in Betracht ziehen“, betonte Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD).

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Doch zunächst will Strank den Mietern durch die Stabsstelle Mieterschutz zu ihrem Recht verhelfen. Außerdem will er erneut Mieter und Vertreter der Vonovia, des Mieterschutzes und der städtischen Ämter einladen und verhandelt mit der Vonovia über einen Termin für April oder Mai.

„Feuchte Wände, Schimmel, Ungeziefer und andere unzumutbare Zustände sind eindeutig Rechtsgründe für Mietminderung“, betont Strank. Da sich einige Mieter auch wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht ausreichend artikulieren und im Mieterschutz organisieren können, soll die Stabsstelle Mieterschutz vermittelnd helfen.

In der Knorrstraße häufen sich zudem Beschwerden über umstrittene Bauarbeiten, die aus Mietersicht trotz städtischer Genehmigung mit der Milieuschutzsatzung unvereinbar sind. Der Mieter Robert Stojanoski beschwert sich über neue Aufzüge, die nur die als „Neubauten“ deklarierten aufgestockten Obergeschosse bedienen, und über unverhältnismäßige Balkonsanierungen, die die Mieten unnötig verteuern würden.

Vonovia-Sprecherin: Studie der Goethe-Universität nicht repräsentativ

Vonovia-Sprecherin Bettina Benner bezeichnet jedoch die Studie der Goethe-Universität als nicht repräsentativ, da sich nur 48 der angesprochenen 110 Haushalte beteiligt hätten. Auf die durch die Vonovia angebotene Unterstützung der Studie seien die Studenten nicht eingegangen.

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„Wir haben das Vertrauen in die Vonovia verloren und fordern die Enteignung und Selbstverwaltung als Wohngenossenschaft“, sagt Stojanoski. Der Jurist Stephan Korte (FDP) vom Ortsbeirat 1 findet dies jedoch überzogen: „Es bestehen sicher viele Mängel, doch die Mieter sollten als mündige Vertragspartner ermutigt werden, ihre Rechte zu erstreiten.“ Gegen den Druck auf dem Mietmarkt helfe nur der Neubau von Wohnungen.

Strank, ebenfalls Jurist, betont dagegen, dass das Eigentum durch die deutsche Verfassung nicht uneingeschränkt garantiert, sondern dem Allgemeinwohl verpflichtet ist. „Eine Enteignung muss ultima ratio bleiben, ist aber bei Vorliegen aller rechtlichen Voraussetzungen zugunsten des Allgemeinwohls anzuwenden.“

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