Die westliche Zufahrt in den Riederwaldtunnel, im Hintergrund das künftige Autobahndreieck Erlenbruch, rechts die Stadtbahnwerkstatt Ost: Dass sich die Fertigstellung des Tunnels im ein weiteres Jahr bis mindestens 2029 verzögert, ärgert die Wirtschaft sehr. Foto: Hessen Mobil

Täglicher Stau

Verzögerungen beim Riederwaldtunnel  - Kommt er eines Tages noch?

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Seit langem wartet Frankfurt auf den Riederwaldtunnel. Es wird aber noch dauern, bis ein Auto durch den Tunnel rollt.

Frankfurt - In einem Punkt trauert Klaus-Ludwig Schulz dem alten Firmenstandort hinterher. Im Gallus, direkt an der Galluswarte an der Mainzer Landstraße, war der Spezialhändler für technische Gummiwaren erheblich besser erreichbar. Seit Ende 2016 aber residiert Schulz & Souard im Industriegebiet Fechenheim-Nord.

Vom Verkehr her war es an der Mainzer Landstraße nicht leicht. Klaus-Ludwig Schulz hat aus seinem Unmut keinen Hehl gemacht. Doch nun direkt am westlichen Rand des Gewerbegebietes hat er ein ganz anderes Problem: Die Hauptzufahrt zu seinem Betrieb verläuft durch den Riederwald. Und der ist Stau-Hotspot Nummer eins in der Main-Metropole.

Frankfurt steht im Stau

Das soll zwar der Riederwaldtunnel ändern, für den sogar schon die Vorarbeiten laufen. Doch über Jahrzehnte hinweg wurde der Bau des Lückenschlusses immer wieder hinausgeschoben. Und erst wenige Wochen ist die jüngste Hiobsbotschaft her: Um ein weiteres Jahr werde sich der Bau und damit die Fertigstellung verzögern, hatte die Behörde "Hessen Mobil", die den A66-Lückenschluss für den Bund baut, angekündigt. Als Ursache dafür hatte Projektleiter Jürgen Semmler die große Zahl von Einwendungen genannt, die sich gegen das Projekt richteten.

Nach dem nun geplanten Baubeginn 2021 können frühestens 2029 Autos und Laster unter der Straße Am Erlenbruch hindurch rauschen. Bisher quälen sich zehntausende am Tag mühselig über diese Verbindung. Dass sich die Bauarbeiten immer und immer wieder verzögern, "ist wirtschaftlich von großem Nachteil für die Unternehmen mit starkem Publikumsverkehr", seufzt Unternehmer Schulz. "Wir merken das sehr bei unserer Kundschaft."

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Der alte, langjährige Standort an der Galluswarte sei trotz der Lage viel stärker in der Stadt für Handwerker erheblich besser erreichbar gewesen, sagt Schulz. Denn rund um den Riederwald "gibt es zwar ein paar gute Alternativen". Doch die kenne kaum ein Auswärtiger.

Frankfurt wartet auf den Tunnel

So ist man auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) enttäuscht über die erneute Verzögerung. "Das ist keine gute Nachricht für die seit Jahrzehnten auf den Riederwaldtunnel wartenden betroffenen Gewerbetreibenden und deren Fachkräfte, die tagtäglich zur Arbeit pendeln", sagt Alexander Theiss. Der IHK-Geschäftsführer für Standortpolitik erinnert daran, dass der Tunnel ja die Straße Am Erlenbruch und die Hanauer Landstraße enorm entlasten werde. Der bessere Verkehrsfluss diene nicht nur den Pendlern und ansässigen Unternehmen, sondern durch die Lärmentlastung auch den Anwohnern. "Wir plädieren an alle Betroffenen, die Planungen und Bauarbeiten nach Kräften zu unterstützen,", fordert Theiss. "Der jetzige Zustand, gerade Am Erlenbruch, ist nicht mehr tragbar." Jede weitere Verzögerung beim Tunnelbau sei für die Wirtschaft "unschön".

Für Frank Nagel, den Vorsitzender des Fachausschusses Verkehr der Frankfurter CDU, zeigt der Riederwaldtunnel, "dass das deutsche Planungsrecht nicht mehr zeitgemäß ist". Durch die Verzögerungen komme es ständig dazu, dass Nachbesserungen an den Planungen nötig werden, weil sich Gesetze und Vorschriften verändert haben. "Es ist ein ewiger Kreislauf", beklagt der CDU-Verkehrsexperte. Natürlich müssten die Belange der Betroffenen berücksichtigt werden. Es könne aber nicht sein, dass durch die gestiegenen Auflagen Planungszeiträume von 20 Jahren erreicht würden, findet Frank Nagel. "Beim Planungsrecht muss wieder der gesunde Menschenverstand einkehren."

Frankfurter gegen Stau

In seiner grundlegenden Kritik an der Verzögerung ist sich der Christdemokrat einig mit Unternehmer Schulz - der ein SPD-Parteibuch hat. Der Firmenchef nutzt, wenn er in den Betrieb fährt, vor allem die Vilbeler Landstraße als schnelle Option, um dem Erlenbruch-Stau zu entgehen. Oder den - allerdings recht weiten - Umweg über die Hanauer Landstraße bis zur Omega-Brücke am äußersten Stadtrand und von dort zurück ins Gewerbegebiet. Hin und wieder fährt er auch via Gwinner- oder Flinschstraße und Seckbach.

Worüber sich Klaus-Ludwig Schulz am meisten aber wundert, ist, dass es viele Riederwälder selbst seien, die den Bau bremsten. "Ich verstehe nicht, dass die Anwohner sich wehren, wo ihnen der Tunnel doch erhebliche Entlastung bringt." Der Unternehmer schüttelt den Kopf. "Sie schaden sich mit ihren Einwendungen doch selbst."

Ein Kommentar von Dennis Pfeifer-Goldmann

Die Baustellen im Erlenbruch in diesen Sommerferien machen durchaus Hoffnung. Hoffnung darauf, dass endlich der seit Jahrzehnten notwendige Riederwaldtunnel kommt. Jener Tunnel, der viel Gutes bringt: Entlastung für Anwohner und Pendler, viel weniger Verkehr und Lärm. Wer am Erlenbruch wohnt, kann endlich wieder durchlüften.

Doch die Hoffnung trügt: Sehr ärgerlich ist es, dass sich der Tunnelbau noch um ein weiteres Jahr verzögert. Denn der Frankfurter Osten ist der Stau-Schwerpunkt schlechthin in der gesamten Stadt. Längst bremst er auch in den umliegenden Stadtteilen das Wachstum aus. Dass das Umfeld der Stadt im Nordosten am wenigstens weit entwickelt ist, kommt ebenfalls nicht von ungefähr.

Es ist wichtig und richtig, dass die Anwohner bestmöglichen Schutz auch während der Bauarbeiten bekommen. Und auch, dass sie darauf pochen.Doch die Politik muss sich endlich selbstbewusst hinter dieses Vorhaben stellen. Und den Scharfmachern in der Gegnerschaft ebenso selbstbewusst entgegentreten. Dass der Tunnel endlich Realität wird, erwarten tausende Anwohner und zudem zehntausende Autofahrer Tag für Tag von den Entscheidern.

Die Fakten

Der 1100 Meter lange Riederwaldtunnel soll im Frankfurter Osten die Lücke zwischen den Autobahnen 66 und 661 schließen.

Schon in den 1960er-Jahren war die Verbindung geplant, anfangs als Hochstraße. 1989 wurde dann die Planungen für den Bau eines Tunnels aufgenommen.

Nach aktuellen Kostenschätzungen soll das Projekt 477 Millionen Euro kosten.

Viele Einwendungen von Anwohnern richten sich gegen ihrer Meinung nach unzureichenden Lärmschutz während der Bauarbeiten. Diese sollen acht Jahre lang dauern.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hatte die erneute Änderung der Pläne angeordnet und Rechtssicherheit als Grund genannt. Damit verzögert sich das Vorhaben aktuell nicht nur um zwei, sondern gar um drei Jahre.

Schon bei der ersten Offenlage der Pläne hatte es 650 Einwendungen gegeben. Die meisten davon müssen einzeln bearbeitet, dann in der Planung berücksichtigt oder mit Begründung zurückgewiesen werden. 

dpg

Mittlerweile haben BUND und das Land Hessen den Rechtsstreit rund um den Riederwaldtunnel in Frankfurt beendet.

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