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Zahlreiche Einsatzkräfte waren am frühen Neujahrsmorgen in Rödelheim im Einsatz.

Krawall in der Silvesternacht

Warum brannten in Rödelheim Mülltonnen? – Großes Entsetzen nach Silvester-Exzessen

Angriff auf Polizisten, brennende Barrikade - Der Krawall in der Silvesternacht wirft einige Fragen auf.

Frankfurt - Dichter Rauch aus Feuerwerk und brennendem Abfall liegt zur Neujahrsstunde über dem Rödelheimer Zentmarkweg. Die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, von Anwohnern zu Hilfe gerufen, werden von einigen Krawallmachern mit einem Hagel aus Böllern begrüßt.

Fassungslos steht Inge Spitzenberger zwei Tage später vor dem Haufen Unrat am Straßenrand. Die Anwohnerin des Zentmarkwegs blickt auf die verkohlten Überreste der Mülltonne, die hier an Silvester von Unbekannten als Barrikade genutzt und angezündet wurde. Noch immer geht beißender Gestank von dem Müllhaufen aus. Geschmolzenes Plastik, verkohlte Abfälle gemischt mit dem Schwarzpulver der Neujahrsknallkörper.

Frankfurt: Müllberge in Rödelheim

"Das ist wirklich eine Schweinerei", meint die Rentnerin. Wieso zum Jahreswechsel Mülltonnen angezündet werden, ist für sie unverständlich. "Feuerwerk klar, aber doch nicht sowas." Und Inge Spitzenberger ergänzt: "Von den Anwohnern war das keiner, da bin ich mir sicher."

Nicht nur hier wurde gezündelt: An einem Verbindungsweg zur Westerbachstraße liegt ein weiterer Haufen Abfall, auch dort sind die Brandspuren zu sehen und der Geruch eindeutig. "Ich habe das Gefühl, es fehlt einfach der Respekt", meint Inge Spitzenberger. "Einfach schade."

Frankfurt: Wer hat den Müll in Rödelheim angezündet?

Andere Anwohner laufen ebenfalls an den Hinterlassenschaften vorbei, darüber reden wollen sie nicht: Ein schönes Bild sei es nicht, aber was wolle man schon machen, das ist der Tenor der nur kurzen Kommentare.

Wie schwierig die Verfolgung solcher Straftaten ist, weiß Polizeisprecherin Isabell Neumann: "Brennende Mülltonnen sind an Silvester kein Einzelfall." Die Täter zu finden, gestalte sich im Rödelheimer Fall sehr schwierig. "Als die Polizei um Mitternacht vor Ort eintraf, war nicht klar, wer genau die Mülltonnen angezündet hatte", schildert Neumann. Normale Feiernde, die lediglich ein paar Raketen in den Himmel feuerten, mischten sich mit den Tätern. Wie viele Personen also überhaupt beteiligt waren, weiß auch zwei Tage später noch niemand so genau.

Frankfurt: Polizei rückt an

Hinzu kommt, dass die Polizisten die Situation schnell entschärfen konnte. "Direkt nach dem Anrücken der Einsatzkräfte zerstreute sich die Gruppe in alle Himmelsrichtungen", erklärt die Polizeisprecherin. Damit hatte sich das Feststellen von Personalien erledigt, von Festnahmen ganz zu schweigen.

Nur eines steht also bei den Ereignissen wirklich fest: Das Anzünden von Mülltonnen ist eine Straftat. Je nach Situation handelt es sich um Sachbeschädigung, in manchen Fällen ist jedoch auch Brandstiftung möglich, etwa wenn die Mülltonnen nahe an Häusern stehen. Das Gesetz sieht sogar Gefängnisstrafe für Brandstiftung vor: zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Über die Geschehnisse aus der Neujahrsnacht rätselt Ortsvorsteherin Michaela Will (SPD) bisher. "Noch können wir die Situation nicht einschätzen", sagt sie. Der Zentmarkweg sei zwar "ein schwieriges Quartier", aber es habe dort bisher keine besondere Vorkommnisse gegeben. "Daher bin ich ehrlich gesagt auch etwas erstaunt", sagt Michaela Will.

Frankfurt: Platensiedlung bleibt ruhig

Schlussfolgerungen wolle sie nun nicht überstürzen. "Zunächst müssen wir genau wissen, was dort überhaupt los war", erklärt die Ortsvorsteherin. "Ich werde Rücksprache mit der elften Polizeistation halten, dann werden wir weiter schauen." Bisher wertet sie die Randale als Einzelfall. "Sollten sich die Ereignisse wiederholen, dann wird es sicherlich ein Thema mit dem wir uns intensiv beschäftigen müssen", ahnt Michaela Will allerdings. Und sie verspricht: "Wir werden das Ganze im Auge behalten."

Bessere Nachrichten kommen derweil aus der Ginnheimer Platensiedlung. "Relativ ruhig" sei es in der diesjährigen Neujahrsnacht dort gewesen, wie der stellvertretende Ortsvorsteher Rachid Rawas (SPD) sagt.

Hessen: Beamtenbund macht sich Sorgen

Dort hatte es in vergangenen Jahren immer wieder Probleme gegeben, die Polizei versuchte durch Präventivmaßnahmen die Situation zu beruhigen. An Neujahr brannte zwar eine Mülltonne in der Fritz-Werfel-Straße, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. Es habe sich dabei aber um "nichts Größeres" gehandelt: Die Mülltonne sei schnell gelöscht worden.

Der hessische Beamtenbund äußert sich besorgt über die vereinzelten Gewaltausbrüche der Silvesternacht. "Wenn in einer Gesellschaft selbst das gemeinsame Begehen eines freudigen Anlasses wie des Jahreswechsels für den Normalbürger in einem hohen Maße von einem Angstgefühl überlagert wird," mahnt Landeschef Heini Schmitt, "dann ist ein wesentlicher Teil unserer freien Entfaltungsmöglichkeiten bereits verloren gegangen." Er beklagt den "absolut hemmungslos und exzessiv" ausgelebten Gebrauch von Feuerwerkskörpern - aber vor allem deren "Missbrauch". von Alexander Seipp

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