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Taubenfütterung

Tötungsvorsatz

Streit um Tauben eskaliert: Mann schlägt Rentner bewusstlos

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Es ist schockierend: Ein Streit um Taubenfütterung am Kiosk im Gutleutviertel eskalierte dermaßen, dass ein Mann einen Frührentner bewusstlos schlug - und noch weitertrat.

Frankfurt - Ein gehörig aus dem Ruder gelaufener Sonntagsfrühschoppen an einem Wasserhäuschen im Gutleutviertel beschäftigt seit gestern die Schwurgerichtskammer des Landgerichts. Auf der Anklagebank sitzt ein 32 Jahre alter Pole wegen versuchten Totschlags.

Gutleutviertel: Mann beginnt Streit wegen Tauben

Opfer an jenem Vormittag des 2. Septembers vergangenen Jahres wurde ein 63 Jahre alter Stammgast des Kiosks am Schönplatz, der sich – selbst schon erheblich angetrunken – darüber mokierte, dass der Pole plötzlich damit begann, den Tauben Futter zuzuwerfen. 

Dem bösen Wortwechsel folgten schnell schmerzhafte Schläge und Tritte, unter denen der an Epilepsie leidende Frührentner schließlich bewusstlos zusammenbrach.

Frankfurt: Mann schlägt den Rentner immer weiter

Doch der Pole hatte bereits so viel intus, dass er offenbar nicht mehr Herr seiner Sinne war. Er trat wie besessen auf das bewusstlose Opfer ein und musste mit Gewalt von weiteren Attacken abgehalten werden. Die von besorgten Anwohnern alarmierte Polizei nahm den Gewalttäter mit, der daraufhin in Untersuchungshaft kam.

Das 63-jährige Opfer musste freilich auf der Intensivstation künstlich beatmet werden und wurde erst allmählich wieder ins Leben zurückgeholt. Gestern stand er als Zeuge vor Gericht zur Verfügung. Er konnte sich allerdings an die meisten Einzelheiten nicht mehr erinnern. 

Beide Männer waren stark alkoholisiert

Ja, er sei Alkoholiker, sagte er. Aus anderen Aussagen ergab sich, dass er im Umgang mit seinen Mitmenschen mitunter nicht zimperlich ist. Als Erklärung für eine derartige Gewaltattacke gegen ihn dürfte dies jedoch kaum herhalten.

Der Angeklagte aber ließ sich in diese Richtung ein. Er habe sich von dem späteren Opfer bedroht gefühlt, sagte der kleine kahlköpfige Mann mit dem roten Gesicht, ohne allerdings das Wort „Notwehr“ in den Mund zu nehmen. Nach seiner Festnahme war ein Alkoholwert von nahezu 2,4 Promille gemessen worden – ein Umstand, der auch die Anwesenheit einer medizinischen Sachverständigen im Gerichtssaal erforderlich machte.

Möglichkeit einer eingeschränkten Schuldfähigkeit

In dem Prozess geht es schließlich um die Frage einer möglicherweise eingeschränkten Schuldfähigkeit. Zahlreiche Zeugen, auch aus der Nachbarschaft, mussten sich deshalb die Frage stellen lassen, ob denn der Angeklagte einen alkoholisierten Eindruck gemacht habe. Bei trinkgewohnter Stammklientel von Wasserhäuschen ist dies erfahrungsgemäß nicht immer der Fall.

Eskalierter Streit hatte Tötungsvorsatz

Alkohol hin oder her, die Staatsanwaltschaft geht jedoch von einem zumindest bedingten Tötungsvorsatz aus. Wer mit dieser Intensität auf ein bewusstlos am Boden liegendes Opfer einwirke, müsse davon ausgehen, dass es seine Verletzungen nicht überlebe, so Staatsanwältin Monique Mugrauer.

Die Schwurgerichtskammer unter Leitung von Richter Volker Kaiser-Klan hat einen engmaschigen Terminplan erstellt und will bereits in der kommenden Woche den Prozess abschließen. 

Zuvor sollen noch zahlreiche Polizeibeamte im Zeugenstand vernommen werden. Am ersten Verhandlungstag konnten sich ortsunkundige Prozessbeobachter bereits über an die Leinwand geworfene Fotos ein Bild von den Örtlichkeiten um den eigentlich recht beschaulichen Platz mitten im Gutleutviertel machen.

Was Bewohnern im Gutleutviertel fehlt, können Sie hier nachlesen

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