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Zuletzt war WeylChem mit mehreren Störfällen in Griesheim in Erscheinung getreten, etwa am 13. November 2018: Dort waren Salzsäure-Dämpfe aus einem Lkw-Tank ausgetreten. Daraufhin wurde verstärkt gefordert, die chemische Produktion aus Griesheim in den Industriepark Höchst auszulagern.

Sorge um 134 Mitarbeiter Arbeitsplätze

WeylChem gibt Griesheim auf - Unternehmen stellt Produktion ein

Das Chemieunternehmen WeylChem hat am Montag angekündigt, seine Produktion in Griesheim zu schließen. Es sollen Gespräche geführt werden, die 134 Mitarbeiter an andere Standorte zu übernehmen.

Griesheim - Ein Paukenschlag: WeylChem will die Produktion in Griesheim aufgeben. Das teilte das Unternehmen gestern mit. Gegenwärtig würden Wege für einen Ausstieg erarbeitet. Es sollen Gespräche über eine Übernahme von möglichst vielen der 134 Mitarbeiter an andere Standorte im Rhein-Main-Gebiet beginnen. Damit endet nach 163 Jahren die Chemieproduktion an diesem traditionsreichen Standort. WeylChem und Alessa, das im Juni die Produktion in Griesheim aufgeben wird, waren die letzten beiden Produktionsbetriebe im Industriepark an der Stroofstraße.

Seit Jahren trage WeylChem „nahezu allein die Infrastrukturkosten eines gesamten Standortes, wohingegen diese zum Beispiel am Standort Höchst von einer Vielzahl von Unternehmen getragen werden“, heißt es in einer Mitteilung. Damit lägen die Kosten für WeylChem Griesheim deutlich über denen anderer Unternehmen und erwiesen sich als wesentlicher Nachteil im Wettbewerb. Auch Investitionen in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro in den vergangenen fünf Jahren hätten die wirtschaftliche Situation nicht verbessern können. So hatte WeylChem unter anderem ein umstrittenes Braunkohlekraftwerk im Industriepark Griesheim durchgesetzt. In den vergangenen Monaten habe die WeylChem Griesheim GmbH zwar neue Aufträge gewinnen können, doch der Ausfall eines Großauftrags erzwinge nun die Schließung des Betriebs in Griesheim.

WeylChem gibt Griesheim: Allessa schließt zuerst

Das Schwesterunternehmen Allessa werde die Chemieproduktion in Griesheim bereits im Juni einstellen und den Betrieb im Juli gereinigt übergeben. Die 37 Mitarbeiter seien „praktisch alle“ an anderen Standorten der Gruppe übernommen worden.

Betrieben wird der Standort Griesheim von der Infrasite, einer Tochter der Infraserv Höchst. Das Gelände jedoch gehört der Clariant. Infrasite lege die Kosten für die Infrastruktur – etwa für die Stromnetze und die Kläranlage, die von WeylChem nur zu einem geringen Teil genutzt werden –, größtenteils auf WeylChem um. „Diesen mittleren siebenstelligen Betrag können wir nicht erwirtschaften. Seit Jahren reicht die Wertschöpfung am Standort Griesheim nicht aus, die überproportional hohen Infrastrukturkosten abzudecken. Die Folge sind nachhaltige Verluste“, klagt Rafael Reiser, Geschäftsführer der WeylChem Griesheim GmbH. Vor diesem Hintergrund habe WeylChem etwa 2016 das Braunkohlestaubkraftwerk gebaut – um die Kosten zu senken. Mehr als sechs Millionen Euro waren in die Anlage investiert worden. Sie dient der Dampferzeugung. Nun heißt es, dass auch diese Investition die Kosten habe nicht hinreichend senken können.

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Zuletzt wurde ein Labor der WeylChem InnoTec von Fechenheim nach Griesheim verlegt. Nachdem nun ein Großkunde überraschend deutlich reduzierte Abnahmemengen angekündigt habe, ist Schluss: „Strukturelle Belastungen durch den Industriepark und der Wegfall eines Großauftrags zwingen uns, jetzt die Reißleine zu ziehen und ein Ausstiegsszenario zu erarbeiten. Als letztes verbliebenes Chemieunternehmen in Griesheim müssen wir diesen traditionsreichen Standort leider so bald wie möglich aufgeben“, sagt Reiser. Die Mitarbeiter hatten WeylChem zuletzt sogar über Lohnverzichte unterstützt.

Nun soll darüber gesprochen werden, die 134 Mitarbeiter an andere Standorte zu versetzen: „In Höchst, Fechenheim und Wiesbaden haben wir eine Vielzahl offener Stellen, die wir mit Mitarbeitern aus Griesheim besetzen wollen. Es gilt deshalb im Rhein-Main-Gebiet ab sofort ein Einstellungsstopp für Bewerber außerhalb der Gruppe,“, sagt Rafael Reiser.

WeylChem gibt Griesheim: Ein Erbe der Hoechst AG

WeylChem Griesheim stellt mit 134 Mitarbeitern, davon 21 Zeitarbeitnehmer, Chemikalien für den Pflanzenschutz her. Die WeylChem-Gruppe wurde 2005 von der Frankfurter International Chemical Investors Group (ICIG) gegründet. In Griesheim hat sie 2007 das Geschäft mit Spezial- und Feinchemikalien von der Clariant übernommen, die es wiederum 1997 von der Hoechst AG übernommen hatte. Die Allessa GmbH, seit 2013 ebenfalls Teil der WeylChem-Gruppe, betreibt in Griesheim derzeit noch eine Hydrieranlage mit 37 Mitarbeitern.

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