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Marlene Haas demonstriert, dass man aus dem Becher auch Suppe essen kann.

Umweltschutz - tauschen statt wegwerfen

Mit 30 000 wiederverwendbaren "Main-Bechern" gegen das Müll-Problem in Frankfurt 

Viel zu viel Müll wird überall beklagt. Auch von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Ab sofort gibt es den wiederverwendbaren "Main-Becher", den man nicht mit sich rumschleppen muss.

Frankfurt - Hellgrau mit weiß stilisierter Frankfurt-Skyline, dem Frankfurter Adler mit Trinkbecher im Flügel, Gerippten, der Aufschrift "#Main Becher" und mit einem Fassungsvermögen von 0,4 Litern; ohne Plastik, ohne Bambus und spülmaschinenfest. So stellt sich der neue Kaffee-to-go-Becher vor, den es ab sofort in Frankfurt gibt. Das Besondere ist, dass man ihn entweder behalten oder gegen eine Pfandmarke tauschen kann. "Einmal drei Euro bezahlt, danach kann man selber spülen oder spülen lassen", so FES-Geschäftsführer Dirk Remmert bei der Vorstellung am Donnerstag.

"Seitdem Kaffee to go Mode geworden ist, quellen Abfalleimer über"

Einer, der jeden Tag sieht, was in Frankfurt in Sachen Müll abgeht, ist Marcel Pütz (55), der seit 30 Jahren für die FES als Kraftfahrer in Preungesheim, im Nordend, in Bornheim und Eckenheim unterwegs ist. "Seitdem Kaffee to go Mode geworden ist, quellen Abfalleimer über", erzählt er. "Es sind etliche Becher drin, die gar nicht nötig wären." In Zahlen ist es noch deutlicher. Jedes Jahr werden 25 Millionen Einmalbecher in Frankfurt weggeworfen.

"Die Stadt gibt jährlich 50 Millionen Euro für die Reinigung von Straßen, Plätzen und Grünflächen aus", berichtet Umweltdezernentin und FES-Aufsichtsrätin Rosemarie Heilig (Grüne), während sie Tee, Kaffee und Säfte in die neuen komplett recyclebaren Becher füllt. "Der Main-Becher ist geschmacksneutral, enthält kein Formaldehyd, und bald gibt es auch einen blauen Deckel dazu."

So sieht er aus, der wiederverwendbare "Main-Becher", den man nicht mit sich rumschleppen muss.

Erfunden hat das System die Initiative "Cup2gether". Ein Jahr lang haben die Geschäftsführerinnen Marlene Haas und Claudia Schäfer am Pfandsystem mit dem Trinkbecher getüftelt. Jetzt gibt es bereits 25 Partner, bei denen jeder für eine einmalige Zahlung von drei Euro den Becher bekommt. Nach dem Kaffeetrinken, Suppe löffeln, Äppler oder Glühwein schlürfen kann der Becher zurückgegeben werden. Dafür gibt es eine kleine hölzerne Pfandmarke, die wiederum ein anders Mal gegen einen gereinigten Becher getauscht werden kann. Wer mag, kann den Becher auch einfach behalten und wieder verwenden. Zwischendurch kann die Pfandmarke auch für Einkaufswagen genutzt werden.

Tankstellen, Cafés und Kioske machen mit

Jeder Becher, der im hessischen Linsengericht hergestellt wird, ist auf mindestens 250 Spülgänge ausgerichtet. Vorfinanziert wird das Projekt durch die FES. Sponsoren und Beteiligungen sollen in Zukunft für Deckung sorgen. "Mit den Löwen Frankfurt haben wir bei Veranstaltungen bereits den Sport integriert", so Remmert. Tankstellen, Cafés und Kioske machen ebenfalls bereits mit. "Toll wäre es, wenn wir auch die Eintracht mit dabei hätten", sagt Heilig und blickt auf Helge Seidel, der sofort "ja" gesagt hat, als er von der Aktion gehört hat.

Seidel ist Pächter von zwei Aral-Tankstellen auf der Friedberger Landstraße. "Wir verkaufen jeden Tag 100 bis 200 Kaffees. Davon sind 95 Prozent ,to go'. In ganz Deutschland sind es 2,8 Milliarden Becher pro Jahr. Wenn man schaut, wie viele Wegwerfbecher dabei über den Tresen gehen, kann es einem richtig schlecht werden. Wenn man allein bedenkt, dass für rund die Hälfte aller Leute, die mit dem Auto in den Urlaub fahren, Kaffee dazugehört und fast jeder Pendler sich Kaffee holt, wird es Zeit, dass der Mainbecher genauso beliebt wird wie die Thermoskanne", zeigt sich Seidel überzeugt. Da sei es ihm doch viel lieber, zu spülen und Becher zu tauschen als Müll zu produzieren.

Mit 30 000 Bechern geht es los

Ab sofort geht es mit 30 000 Bechern in Frankfurt los. "Bis Ende 2021 wollen wir mit 200 Systemteilnehmern 150 000 Becher anbieten", peilt Remmert optimistisch an. Bald wird es eine App für den Main-Becher geben, ein weiterer Becher für 0,3 Liter Inhalt soll im November dazukommen. Dass sich die FES mit der Aktion selber arbeitslos machen könnte, befürchtet er nicht. "Wir sind in erster Linie dazu da, etwas für die Frankfurter zu machen. Dazu gehören Sperrmüll, Kofferraumservice und jetzt auch das Main-Becher-Pfandsystem."

Sabine Schramek

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