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Das Spritzen gehört zum Arbeitsalltag der meisten Landwirte. Auch in Frankfurt und Umgebung wird dabei Glyphosat ausgebracht.

Thema Herbizide

SPD will Totalverbot für Glyphosat im Frankfurter Stadtgebiet

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Die Mitglieder eines Runden Tischs zum Thema Herbizide wundern sich: Die SPD fordert im Alleingang, die Anwendung im Stadtgebiet möglichst weitgehend zu verbieten. Dabei nutzen städtische Behörden wie etwa das Grünflächenamt das Mittel gar nicht mehr. Privatpersonen dürfen auf ihren Grundstücken laut EU-Recht Glyphosat verwenden.

Frankfurt - Roger Podstatny, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Römer und umweltpolitischer Sprecher, fordert in einer Pressemitteilung den Ausstieg aus dem Einsatz des umstrittenen Unkrautbekämpfungsmittels Glyphosat (wir berichteten gestern). "Die Anwendung von Totalherbiziden wie glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel durch Privatpersonen sowie in Haus- und Kleingärten, auf öffentlichen Flächen und innerhalb geschlossener Ortschaften ist sofort zu verbieten", wird er zitiert. "Das bereits im Pflanzenschutzgesetz bestehende grundsätzliche Verbot der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln auf befestigten Flächen (Plätze, Wege und Straßen) sollte konsequent umgesetzt werden, indem die bestehenden Ausnahmemöglichkeiten eingeschränkt werden. Hier ist die Bundesregierung gefordert." Podstatny begrüßt zudem den Runden Tisch unter Leitung von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), der sich bereits dreimal getroffen hat.

Schweigen im Walde

Podstatnys Statement löste Verblüffung bei den Teilnehmern des Runden Tischs aus. "Eigentlich sollten nur abgestimmte Pressemitteilungen herausgehen", sagte der landwirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Dr. Matthias Mehl. Hannelore Dörr, als Vorsitzende der Stadtgruppe Frankfurter Kleingärtner ebenfalls am Runden Tisch vertreten, sieht sich deswegen auf Nachfrage zum Schweigen verurteilt.

Rosemarie Heilig ist in Urlaub. Ihre Referentin Janina Steinkrüger berichtete: "Wir setzen uns am Runden Tisch zusammen, Gegner und Anwender des Mittels, und informieren uns." Ob am Ende eine politische Entscheidung stehe, sei Sache des Parlaments. Wie auch der Runde Tisch auf "politischen Wunsch" eingerichtet wurde. Frankfurts Kleingartensatzung verbietet die Anwendung von Glyphosat. Auch die städtischen Plätze und Gärten werden ohne das Mittel bearbeitet.

Nicht mit am Tisch ist das städtische Grünflächenamt. Bernd Roser, beim Amt für die Grünflächenunterhaltung zuständig, erklärte dieser Zeitung: "Wir setzen überhaupt keine chemischen Herbizide ein." Dies sei schon lange so, seit den Zeiten von Tom Koenigs (Grüne) in den 90er Jahren. Manchmal sei es schwierig und arbeitsaufwendig. Aber: Die Plätze werden mit Metallbürsten unkrautfrei gehalten, ansonsten könne man rupfen, ausstechen oder etwa mit Flammen gegen das Unkraut vorgehen. Glyphosat sei jedenfalls kein Thema beim städtischen Grünflächenamt. Auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt benutzt kein Glyphosat mehr, um die Bahngleise unkrautfrei zu halten. Hingegen könne die Bahn, ebenfalls am Runden Tisch vertreten, auf ihren Schienenstrecken noch nicht darauf verzichten.

Landwirte nutzen es

Bleibt die Landwirtschaft. Mehl stellte deren Standpunkt dar. "Der Runde Tisch ist sicher sinnvoll, um sich auszutauschen. Aber klar ist: Weder die Kommune noch das Land können einem Landwirt Glyphosat verbieten, das können nur der Bund bzw. Europa." Mehl zufolge ist die Landwirtschaft in Frankfurt nicht auf Glyphosat angewiesen: "Wir sind kleinteilig, haben keine großen Flächen. Glyphosat wird in der Landwirtschaft zielgerichtet eingesetzt." Der Einsatz habe auch ökologische Vorteile: "So ist unbestritten, dass wir - weil das Unkraut mit Glyphosat verschwindet - weniger oft zackern müssen. Das spart Diesel. Das vermindert die Bodenbearbeitung. Das wiederum ist gut für Lebewesen und verringert die Erosion." Wie die SPD fordert auch das Aktionsbündnis glyphosatfreies Frankfurt ein Verbot von Glyphosat in der Stadt.

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Niemand braucht Glyphosat - so-lange er nicht große Nahrungsmengen produzieren oder viele Kilometer Bahndamm unkrautfrei halten muss. Kein Kleingärtner, kein Hausgärtner braucht das Mittel.

Thomas J. Schmidt

Auch das städtische Grünflächenamt nicht. Gleichwohl läuft seit vielen Jahren eine Kampagne gegen das Mittel, und der Eindruck ist: Diejenigen, die am lautesten über solche Mittel klagen, sind diejenigen, die von der Landwirtschaft am weitesten weg sind. Da wird ein ideologischer Kampf geführt auf dem Rücken anderer. Den eigenen Buckel krumm machen, um Unkraut zu stechen, müssen von den Kritikern nur wenige. Glyphosat wird in Deutschland seit mehr als 40 Jahren eingesetzt. Das Herbizid hat Eigenschaften, die es anderen Chemikalien überlegen machen. Unter anderem eben, dass es sich recht schnell abbaut und deswegen - anders als andere Mittel - nicht im Boden, Grundwasser oder in der Muttermilch anreichert. Da werden immer nur Spuren gefunden, die kurze Zeit später weg sind. Also sollten die Kritiker den Ball flach halten.

von Thomas J. Schmidt

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