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Was war die vergangene Woche im Römer los?

Rückblick

Die Woche im Römer: Keine Lorbeerkränze

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Was war die vergangene Woche im Frankfurter Römer los? Unser Redakteur Thomas Remlein blickt zurück.

Frankfurt - Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Dieses Lied stimmen neben Fußballfans auch Politiker gerne an. Doch bevor jemand Abgeordneter im Deutschen Bundestag wird, hat er die Mühsal der Ebene längst hinter sich. Politische Karrieren beginnen nämlich mit dem Ehrenamt. Als Ortsvereins- oder Stadtbezirksverbands-Vorsitzender muss sich beweisen, wer Mandate anstrebt, zunächst auf lokaler Ebene als Ortsbeirat oder Stadtverordneter. Das bedeutet aber immer noch nicht Politik als Beruf, weil im Regelfall auch noch dem Broterwerb nachgegangen werden muss. Wer dann noch Mutter- oder Vaterpflichten nachgehen muss, für den ist oftmals das einzig mögliche Engagement der Elternbeirat des Schulkindes. Viele Dinge auf einmal unter einen Hut zu bringen, zeichnet einen guten Politiker aus. Deshalb ist die Auslese über das Ehrenamt vor dem Start einer erfolgreichen professionellen Politikerkarriere so wirksam.

Der erst 36 Jahre alte Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) engagierte sich in der Juso-Hochschulgruppe und im AStA, setzte sich erfolgreich für die Abschaffung der Studiengebühren ein, die Roland Koch eingeführt hatte. Sein Studium hat er auch noch abgeschlossen.

Der Normalbürger sieht dagegen das Motto von Bürgermeister Uwe Becker (CDU): „Das Leben ist viel zu kurz und wichtig, um es nur an sich selbst zu verschwenden“, schon erfüllt, wenn er sich um den eigenen Nachwuchs kümmert. Andere sind der Meinung, dass (politischer) Ehrgeiz auch nur eine Form von Geiz sei, und sind mit ihrem Privatleben vollauf zufrieden. Wer freie Zeit hat, wie derzeit Bernadette Weyland, ehemals Oberbürgermeisterkandidatin der CDU, schafft sich lieber einen Hund für Spaziergänge an, als Ausflüge in die Politik zu unternehmen.

Denn in der Politik sind keine Lorbeerkränze zu gewinnen und wenn, sind sie selten von Dauer. Worin bestehen beispielsweise die Verdienste von Franz-Josef Strauß (CSU), 20 Jahre nach seinem Tod? Der bayerische Polterer hat mal einen Milliardenkredit für die DDR eingefädelt. Andere bewerten das als Beihilfe zur Konkursverschleppung. Ansonsten hat Strauß nur dem großen Staatsmann Helmut Kohl (CDU) mit ständigen Querschüssen das Leben schwer gemacht. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat mit der 650 Millionen Euro teueren Verlagerung eines Chemiewerkes eine Landebahn des Frankfurter Flughafens am falschen Ort errichtet. Flüchtig ist der Ruhm, wenn ein Politiker falsche Entscheidungen trifft.

Trotzdem reizt noch immer genügend Bürger das politische Engagement. So feierten die Bürger für Frankfurt (BFF) ihr 25-jähriges Bestehen. Ohne Parteizugehörigkeit beschränken sich die BFF bei ihrem Engagement allein auf Frankfurt. Dennoch veränderten sie mit ihrer Idee, die im Zweiten Weltkrieg untergegangene Altstadt wieder aufzubauen, das Gesicht Frankfurts, weil dieser Vorschlag nach und nach genügend Unterstützer fand. Nach Jahren der Debatte entschloss sich die zunächst zögerliche Stadtgesellschaft zu dem Millionenprojekt, das zu einem Besuchermagnet geworden ist. Dieses Engagement einer kleinen Gruppe zeigt, dass auch ein kleiner Reißnagel einen großen Hintern bewegen kann – weit weg von Berlin.

von Thomas Remlein

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