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Symbolbild: Wohnungsnot macht den Bürgern Sorgen. 

1360 Menschen beteiligten sich

Bürgerbefragung: Wohnungsnot ist für Frankfurter die größte Sorge

Frankfurt ist nicht perfekt. Dennoch lebt die Mehrheit der Bürger gerne in der Stadt. Das ist das Ergebnis der 26. Bürgerbefragung, an der sich 1360 Menschen beteiligten.

Frankfurt - Hohe Mieten und fehlende Wohnungen bereiten den Frankfurtern nach wie vor die größten Sorgen. Das geht aus der 26. Bürgerbefragung hervor, die der zuständige Dezernent Jan Schneider (CDU) am Freitag vorgestellt hat. Mehr als die Hälfte der befragten Bürger (54 Prozent) gaben an, dass sie mit dem Wohnungsmarkt unzufrieden sind. Die Hauptkritikpunkte sind zu hohe Mieten (32 Prozent) und ein nicht ausreichendes Wohnungsangebot (19 Prozent). Zum Vergleich: Vor zehn Jahren sahen nur 10 Prozent der Frankfurter den Wohnungsmarkt als eines der größten Stadtprobleme an.

Allerdings sind die Werte erstmals seit Jahren nicht weiter gestiegen, sondern fast alle um einige Prozentpunkte gefallen. Im Vorjahr lag die Unzufriedenheit noch bei 61 Prozent - der Höchststand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1994.

Wohnungsmarkt weiterhin großes Problem für die Frankfurter – trotz "Kehrtwende"

Eine positive, aber unerwartete Verbesserung, findet Stadtrat Schneider. Er spricht von einer "Kehrtwende" und nennt als mögliche Erklärung die Zahl der Neubauten. "In den vergangenen drei Jahren wurden 15 000 Wohnungen fertiggestellt. Das spiegelt sich auch auf dem Markt wieder." Dennoch bleibt der Wohnungsmarkt weiterhin ein großes Problem für die Frankfurter.

Für die Statistik wurden deutsche und ausländische Bürger Frankfurts zwischen 18 und 75 Jahren befragt. Ende November wurden dafür 3000 Fragebögen verschickt. Zurückgekommen sind 1360. "Jeder 412. Frankfurter ist befragt worden", sagt Schneider.

Auch das zweitgrößte Problem der Städter hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Die Frankfurter leiden unter der Verkehrssituation in der Mainmetropole.

Jeder Vierte beklagt zu viel Verkehr und lange Staus in Frankfurt 

Fast jeder Vierte beklagte lange Staus, zu viel Verkehr und die vielen Baustellen. Aber auch zu wenige Parkplätze und den schlechten Zustand der Straßen bemängelten die Teilnehmer der Umfrage.

Eine Änderung in der Rangliste gibt es bei den Themen Kriminalität/öffentliche Sicherheit und öffentliche Verkehrsmittel. Während sich die Frankfurter in der Stadt so sicher wie noch nie fühlen - nur acht Prozent sahen hier ein Problem (Vorjahr: 17 Prozent) -, ist die Unzufriedenheit in puncto Bus und Bahn in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Aktuell sehen hier 13 Prozent der Frankfurter Nachholbedarf. In der Kritik stehen nach wie vor die als zu hoch empfundenen Ticketpreise.

Die Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr hängt laut Schneider möglicherweise mit steigenden Nutzerzahlen zusammen: "Mehr Menschen führen nicht dazu, dass der Verkehr einfacher wird."

Zusammenleben zwischen Deutschen und Ausländern in der Stadt hat sich deutlich entspannt

Gegenüber den vier großen Problemen, welche die Bürger zurzeit stark beschäftigen, hat sich das Zusammenleben zwischen Deutschen und Ausländern in der Stadt dagegen deutlich entspannt. Nur noch sechs Prozent der Befragten zählen das Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern zu einem der größten Probleme (Vorjahr: 10 Prozent). Damit hat dieser Wert einen Tiefststand erreicht. "Wenn man die politische Gemengelage anschaut, ist dieser Rücklauf durchaus beachtlich", sagt Schneider.

Auch bei anderen Themen zeigt sich, dass die Stadt für die Frankfurter durchaus lebenswert ist. Die meisten ihrer Lebensbereiche bewerten die Bürger positiv. Sie sind zufrieden mit den Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten (68 Prozent) und mit den kulturellen Einrichtungen (69 Prozent). Bei den Spielangeboten für Kinder ist noch Luft nach oben, hiermit zeigten sich 29 Prozent zufrieden - immerhin bisheriger Höchstwert.

Frankfurter finden, dass ihre Stadt international, wirtschaftskräftig, weltoffen und modern ist - 82 Prozent leben gerne hier.

Frankfurt in den Augen der Bewohner so schmutzig wie nie

Dennoch ist die Metropole in den Augen der Frankfurter so schmutzig wie noch nie. Bei den Parks und Grünanlagen ist die Zufriedenheit in den vergangenen Jahren gesunken von 68 Prozent vor noch vier Jahren auf aktuell 63 Prozent. Zwei von fünf Frankfurtern (38 Prozent) wünschen sich bessere Luft in der Stadt, 37 Prozent klagen über den Autoverkehr und 36 Prozent sind mit dem Radwegenetz unzufrieden.

Gleichzeitig ist das politische Interesse der Frankfurter gesunken. Nur noch 62 Prozent gaben an, sich für Politik zu interessieren, das sind zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Immerhin steigt das Interesse an landespolitischen Themen kontinuierlich - von 43 Prozent 2011 auf mittlerweile 61 Prozent.

Bei der Frage, welche Handlungsempfehlungen er aus den Ergebnisse ableite, hält sich Schneider bedeckt. Der Stadtregierung seien die Entwicklungen, ob positiv oder negativ, durchaus bewusst. Wie nun in Zukunft damit umgegangen werde, könne er heute nicht sagen. Es liege in der Verantwortung der einzelnen Dezernate, die Signale der Zeit zu erkennen und entsprechend zu handeln.

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