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1000 neue Wohnungen

Kampf gegen Wohnraummangel: In Unterliederbach entstehen 1000 neue Wohnungen

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Mit der „Parkstadt II“ wird es ernst: Erste Planungsentwürfe sind seit dieser Woche für die Bürger öffentlich einsehbar. Rund 1000 neue Wohnungen sollen am Stadtrand entstehen.

Die Menschen, die in den vergangenen Jahren in die „Parkstadt I“ gezogen sind und noch immer unter fehlenden Kita-Plätzen, unvollständig ausgebauten Straßen oder der nicht vorhandenen Bus-Anbindung leiden, beschwören die Politik: Vergesst die Infrastruktur nicht. Es wird sehr genau hingesehen bei den Plänen für die Parkstadt II – das haben auch die Mitglieder des Ortsbeirats 6 (Frankfurter Westen) versprochen.

Frankfurt Unterliederbach: Parkstadt soll auf Feldern im Westen Unterliederbachs gebaut werden

Es geht um 18 Hektar im Westen Unterliederbachs, westlich und teilweise nördlich des Hortensienrings, der das Wohngebiet „Parkstadt Unterliederbach“ erschließt und an die Hunsrückstraße anbindet. Südlich befinden sich das Silobad und das Gewerbegebiet „Silostraße“, die Fraport-Arena sowie in etwa 700 Meter Entfernung die Jahrhunderthalle. Insgesamt sollen 20.000 neue Wohnungen in Frankfurt entstehen. 

Zum größten Teil ist das Baugebiet von Landwirtschaft umgeben, oder anders gesagt: Es wird auf Äcker gebaut. Östlich davon, zur Hunsrückstraße hin, wurden in den vergangenen Jahren überwiegend zweigeschossige Einfamilienhäusern bebaut. Daran grenzt ein seit den 1990er Jahren bestehender Geschosswohnungsbau an, der sich von der restlichen Bebauung deutlich abhebt. Zusätzlich ist am Hortensienring eine Kindertagesstätte errichtet worden.

Frankfurter Wohnungsmarkt am Limit: Kompromisse notwendig

Bislang hieß es, das Gebiet müsse wegen der Frischluftzufuhr unbebaut bleiben. „Die Fortentwicklung der Rechtsprechung lässt inzwischen die Abwägung konkurrierender Belange zu“, formuliert die Stadtplanung – und gibt der Baurechtschaffung Vorrang, zumal sich die Stadt Frankfurt mit dem Industriepark Höchst hinsichtlich der Auslegung der Seveso-III-Richtlinie geeinigt hat (siehe unser Beistück unten).

Vorgesehen ist keine reine Wohnsiedlung, sondern es soll auch an Kinderbetreuung, Einkaufsmöglichkeiten und – im Norden der bestehenden Bebauung – an eine Schule gedacht werden. 30 Prozent der Wohnungen sollen im geförderten Wohnungsbau entstehen. Insgesamt ist von 1000 Wohneinheiten die Rede: „Diese Zielgröße basiert auf der Annahme, dass das daraus resultierende zusätzliche Verkehrsaufkommen über das bestehende Verkehrsnetz ohne größere Eingriffe abgewickelt werden kann“, heißt es beim Planungsamt. Zusätzlich soll aber im Süden an der Fraport-Arena vorbei eine Anbindung an die Silostraße geschaffen werden.

Erst vor wenigen Tagen wurde öffentlich, dass die Mieten im gesamten Rhein-Main-Gebiet explodieren

Schulbedarf im neuen Quartier in Frankfurt muss geklärt werden

Vorgesehen ist derzeit eine überwiegend drei- bis viergeschossige, teils auch auch fünfgeschossige Bebauung. Die Zaubernussallee aus der „Parkstadt I“ soll ins neue Plangebiet verlängert werden, zu einem zentralen Platz, an den nördlich angrenzend zentrale Einrichtungen und auch Einzelhandel angeordnet werden sollen. Die Häuser sollen so gruppiert werden, dass eine „Durchlüftung des Plangebiets“ gewährleistet ist. Der Bedarf an Schulplätzen wird derzeit untersucht. Zwei weitere Kitas, mit Wohnungen überbaut, sind bereits vorgesehen. Auch sollen zwei Quartiersgaragen entstehen. Der Parkdruck ist schon jetzt ein Problem: In den Straßen der Siedlung parken Besucher der Fraport-Arena.

Box: Wechselhafte Geschichte eines Bau-Begehrens zwischen Industrie und Landwirtschaft

Für die Realisierung des Weiterbaus an den ersten, bereits in den 1990er Jahren errichteten Häuserriegeln nördlich des Silobades hatte die Stadt Frankfurt bereits im Mai 2000 einen Rahmenvertrag mit der niederländischen Baugesellschaft „Bouwfonds Rhein-Main GmbH“ abgeschlossen. Bouwfonds plante auf von der Hoechst-Nachfolgerin Aventis erworbenen Flächen bis zu 1850 Wohneinheiten inklusive Grundschule und Kindertagesstätte. 2006 war der Traum geplatzt: Die Seveso-II-Richtlinie stoppte den Weiterbau, Bouwfonds gab seine Verfügungsvollmacht auf die Grundstücke auf – unter nicht näher bezifferten Verlusten.

Die Seveso-Richtlinie „zur Beherrschung der Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen“ ist eine EG-Richtlinie. Sie ist nach dem italienischen Ort Seveso benannt, wo sich 1976 ein folgenschwerer Industrieunfall ereignete, der als Seveso-Unglück bekannt wurde.

Doch im September 2010 teilte die Stadt Frankfurt plötzlich mit, die Flächen seien an die städtische Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft KEG verkauft worden. Die Fläche von knapp 110 000 Quadratmetern westlich der Hunsrückstraße und nördlich des Silobads befinde sich „vollständig im Geltungsbereich des rechtsverbindlichen Bebauungsplans B 478 – Silogebiet“, hieß es nun überraschenderweise. Deswegen könne im Anschluss an die bereits seit den 1990er Jahren existenten Gebäude weiter gebaut werden – trotz der Seveso-II-Richtlinie.

Für die Umsetzung der neuen Seveso-III-Richtlinie, die viel Interpretationsraum zulässt, haben sich die Stadt und der Industriepark Höchst nun erst 2018 auf neue Abstandsregeln geeinigt: Eingehalten werden muss nun ein Streifen auf einer Länge von 500 Metern (statt 1500 Meter). Innerhalb dieses Streifens sind komplett neue Wohngebiete unzulässig, nur Lückenschlüsse.

Die Parkstadt II liegt nördlich dieses Streifens. Die ersten Entwürfe wurden dem Ortsbeirat bereits vorgestellt. „Wir lehnen die Parkstadt II ab“, hatte der Grünen-Fraktionschef im Ortsbeirat 6, Thomas Schlimme, unlängst erklärt: Es werde eine fürs Stadtklima wichtige Frischluftschneise zugebaut. 

Ebenso lehnen die Grünen und die Linke die geforderte Westumgehung Unterliederbach ab. Mit den Stimmen von CDU, SPD und des Fraktionslosen hat der Ortsbeirat 6 den Magistrat im November 2018 aufgefordert, die Westumgehung Unterliederbach in die Planungen zur Parkstadt II aufzunehmen. hv

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