Frankfurt: Wohngebiet am Rebstock

Die Not ist groß

Wohnungsnot: Am Rebstock sollen nun doppelt so viele Wohnungen entstehen, wie eigentlich gedacht

Zwischen Leonardo-da-Vinci-Allee, Wiesbadener Straße und Am Römerhof sollen rund 950 Wohnungen gebaut werden. Das Gelände war ursprünglich für eine gewerbliche Bebauung vorgesehen.

Frankfurt - Das Wohngebiet am Frankfurter Rebstock  wird deutlich größer. Bis zum Jahr 2022 sollen knapp 1000 zusätzliche Wohnungen im nördlichen Teil des Viertels entstehen. Damit nimmt die Zahl der Wohneinheiten in dem Stadtteil um knapp 50 Prozent zu. Ursprünglich war auf der 110 000 Quadratmeter großen Fläche zwischen Leonardo-da-Vinci-Allee, Am Römerhof und dem Zubringer der Autobahn A 648 eine Bebauung mit Büros vorgesehen. Doch von diesen Plänen hat die Stadt Abstand genommen – auch weil es nur wenige Interessenten für die Gewerbeflächen gab, wie Planungsdezernent Mike Josef (SPD) gestern erklärte. Auch hier sollen in Frankfurt rund 200 neue Wohnungen entstehen.

„Durch die Änderung des bestehenden Bebauungsplanes  nutzen wir eine jahrzehntelange Brache um. Wo ursprünglich die Errichtung von Büros vorgesehen war, schaffen wir jetzt dringend benötigten Wohnraum. Und mit dem neuen Quartiersplatz erhält der Rebstock außerdem seine Mitte“, sagte Josef. Die Änderung des Bebauungsplans Nr. 683 Ä – Rebstock – ist derzeit im Verfahren, der Beschluss zur Offenlage soll in den nächsten Wochen vom Magistrat und im Anschluss von der Stadtverordnetenversammlung gefasst werden.

So sehen die Pläne aus

Wohnungen am Rebstock werden in Kooperation gebaut

Gebaut werden die Wohnungen (90 Prozent Miet-, zehn Prozent Eigentumswohnungen) von der LBBW Immobilien Management GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Landesbank Baden-Württemberg sowie der städtischen ABG Frankfurt Holding. Wie es im Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und Grünen für alle Neubaugebiete vereinbart ist, sollen 30 Prozent geförderte Wohnungen entstehen. Allerdings darf die LBBW laut ihrer Satzung derartige Wohnungen nicht bauen, wie Geschäftsführer Frank Berlepp erklärte. 

Deshalb werde die ABG die Hälfte der von ihr zu errichtenden Einheiten  über den ersten oder zweiten Förderweg vermieten, sagte Geschäftsführer Frank Junker. Noch mehr Sozialwohnungen wollte die Stadt in dem Gebiet nicht bauen lassen, sagte Mike Josef. Zwar warteten knapp 10 000 Menschen auf eine geförderte Wohnung, „zur Wahrheit gehört aber auch, dass bei der ABG 15 000 Leute auf der Warteliste für eine frei finanzierte Wohnung stehen“, sagte der Planungsdezernent.

Für die frei finanzierten Wohnungen  wird die ABG einen Mietpreis von etwa zwölf Euro pro Quadratmeter aufrufen. Damit liege man unter der ortsüblichen Vergleichsmiete. „Drunter geht nichts“, sagte Frank Junker mit Hinweis auf die hohen Baukosten. Die LBBW wird ihre Wohnungen für zwölf bis 17 Euro pro Quadratmeter vermieten.

Für das neue Baugebiet müssen rund 0,38 Hektar Wald gerodet werden. Bereits in den kommenden Tagen sollen die ersten Bäume fallen. Für den größten Teil seien bereits Nachpflanzungen an anderer Stelle erfolgt, sagte Josef, weitere alternative Flächen sollen demnächst ausgewiesen werden.

Rebstock: Platz für Grundschule

Entlang der Wiesbadener Straße sollen künftig mehrere zusammenhängende Wohngebäude und eine Kita mit vier Gruppe entstehen. An der Ecke zum Katharinenkreisel solle es ein Hotel, gewerbliche Nutzungen und weitere circa 50 Wohnungen geben. Der mittlere Sektor soll mit einer Wohnnutzung und einer Ladenzone zum Stadtplatz entwickelt werden. Im Südwesten ist eine Grundschule eingeplant – die im Schulentwicklungsplan bisher aber nicht vorgesehen ist. Sollte die Schule nicht benötigt werden, könnten dort weitere Sozialwohnungen gebaut werden, sagte Josef: „Aber es wäre schwierig, im Nachhinein einen Platz für eine Schule zu finden.“

Teil des neuen Wohngebiets wird auch der Lindberghplatz sein, benannt nach dem Luftfahrt-Pionier Charles Lindbergh. Bei der Gestaltung will die Stadt eng mit Ortsbeirat und Anwohnern zusammenarbeiten. Eines steht für Mike Josef aber fest: „Ich will dort keinen grauen Schotter sehen.“ Die Wohnungsnot in Frankfurt ist so hoch, dass immer wieder Betrüger ihr Glück versuchen. 

von GEORG LEPPERT

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