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Wortgewandt und gut vernetzt, jung, erfahren und konservativ: So will Yannick Schwander aus Nieder-Erlenbach Chef der Jungen Union in Hessen werden. Mit ihm würde erstmals nach 53 Jahren wieder ein Frankfurter an die Spitze der CDU-Nachwuchsorganisation gewählt. Foto: Menzel

Junge Union

Yannick Schwander strebt an die Landesspitze des CDU-Nachwuchses

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Der Nieder-Erlenbacher Ortsvorsteher Yannick Schwander möchte Landesvorsitzender der Jungen Union werden. Er wäre der erste Frankfurter auf dem aussichtsreichen Chefposten der CDU-Nachwuchsorganisation seit Heinz Riesenhuber. Ob er bei der Entscheidung im Juni siegt, ist offen.

Frankfurt - „Ohne die Junge Union“, sagt Yannick Schwander und setzt eine wirkungsvolle Pause, „wäre das Ergebnis wohl noch schlechter ausgefallen.“ Allseitiges Klopfen auf die Tische im Sitzungsraum im Südbau des Frankfurter Römers quittieren dem Bezirksvorsitzenden der CDU-Nachwuchsorganisation, dass er gerade die Seele der jungen Konservativen streichelt. Die Schüler-Union tagt hier gerade – und sie hat einen prominenten Gastredner.

Dieser schickt sich an, noch prominenter zu werden: Schwander, fast 31, möchte Landesvorsitzender der Jungen Union werden. Das wäre nicht nur für den studierten Politologen ein großer Schritt, sondern für den gesamten Parteinachwuchs der Main-Metropole. Vor 53 Jahren wurde letztmals ein Frankfurter auf den Spitzenposten gewählt: Heinz Riesenhuber, der später mit der Fliege als Markenzeichen die drittlängste Amtszeit eines Bundestagsabgeordneten absolvieren sollte.

Von unten hocharbeiten

Der Posten ist ein hervorragendes Karriere-Sprungbrett. Der heutige Landesvater Volker Bouffier nutzte es auch schon. Auch Schwander strebt voran. Bei der jüngsten Kommunalwahl verpasste er aber knapp ein Stadtverordnetenmandat.

Stattdessen wurde er 2016 ehrenamtlicher Ortsvorsteher in seinem Heimatstadtteil Nieder-Erlenbach. Offen und schwungvoll führt er dort die Sitzungen. Wenn es um Stolperfallen auf Gehwegen geht oder überquellende Mülltonnen, setzt der Politiker auf pragmatische Lösungen. Er hat offene Fraktionssitzungen eingeführt, fordert die Bürger zur direkten Mitsprache auf.

„Ein sehr talentierter Jungpolitiker“, lobt sein Vorgänger Matthias Mehl, inzwischen Stadtrat. „Politik liegt ihm.“ Es sei gut, dass sich Schwander „von unten heraufarbeitet“. Dauerlauf ist ohnehin eines seiner Hobbies, gern die Marathon-Distanz. Übers Laufen lernte er Freundin Nicole Warczynski (26) kennen, Lehrerin in Wiesbaden.

Zuvor war Schwander daheim Spieler und Jugendtrainer im Fußballverein. Er ist „Bembelbuwe“ in der Fassenacht bei den „Bodentramplern“. Unterhaltsames Herangehen nutzt der CDU-Nachwuchs ja auch äußerst erfolgreich bei der Mitgliederakquise. Politisch diskutiert wird in Schwanders Familie, seit er klein war. In der Schule malt er Wahlplakate im Kunstunterricht. Mit Petra Roth ist man in der Nachbarschaft per Du, ebenso mit der einstigen SPD-Hoffnungsträgerin Andrea Ypsilanti.

Beruflich hat sich der Politologe tief ins Verwaltungsgeschäft eingearbeitet: Seit 2015 arbeitet er als Sprecher für den Bad Vilbeler Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). Auch für diese Zeitung schrieb der Student vor zehn Jahren schon.

So weiß er genau, wie er Botschaften unterbringt. Facebook, Instagram, überall in den sozialen Netzwerken ist Schwander präsent. Er polarisiert, was seine Meinung bekannt macht. Wie bei einem seiner Lieblingsthemen: Patriotismus. Dieser Tage forderte er Hessenkunde als Schulfach. Das nimmt man ihm ab, denn auch an Nieder-Erlenbach mag er das Dörfliche.

„Das Rennen ist offen“

„Mitte-Links in der CDU“ ordnet sich Schwander ein. Das muss man weit dehnen, denn Frauenquote, „Fridays for Future“ oder Homo-Ehe sind gar nicht seins. So aber trifft er den Nerv der Jungen Union, die gern viel offensiver konservativ auftritt als die Mutterpartei.

In der JU ist Schwander seit vier Jahren Bezirksvorsitzender, dazu Landeschef der Jugend im Arbeitnehmerflügel CDA, war während des Studiums schon beim RCDS aktiv. Das Netzwerk des Nieder-Erlenbachers ist riesig, er pflegt es intensiv. Was ihm beim Landestag der JU über Pfingsten in Hünfeld wichtige Stimmen sichern könnte. Denn auch Landesvize Sebastian Sommer (25) strebt auf den Chefsessel. Der Wehrheimer ist ebenso engagiert: Ortsvorsteher, Kreistagsmitglied.

Dennoch mag niemand in der JU auf einen Durchmarsch Sommers wetten. Erst Mitte März hatte Außenseiter Tilman Kuban den Favoriten Stefan Gruhner im Kampf um den Posten des JU-Bundesvorsitzenden geschlagen. So konstatiert ein Frontmann der Hessen-JU: „Das Rennen ist durchaus offen.“

Seit Monaten tingeln Schwander und Sommer zu Veranstaltungen überall im Land, fechten einen unerklärten Wahlkampf. Womöglich wird erst die Kandidatenrede in Hünfeld die Entscheidung bringen. Reden, das liegt dem Frankfurter.

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