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Ein historisches Bild der Paulskirche.

175-Jahrfeier der Nationalversammlung

Zeit für Sanierung der Frankfurter Paulskirche wird knapp

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) will eine breite Debatte über die Zukunft der Paulskirche führen. Doch CDU-Chef und Baudezernent Jan Schneider mahnt: "Die Zeit wird knapp." Wenn das Gebäude zur 175-Jahrfeier der Nationalversammlung saniert sein soll, müsse sich die Stadt schnell einig werden.

Frankfurt - Was wird aus der Paulskirche? Soll der spröde Nachkriegsbau nur saniert und technisch auf den neusten Stand gebracht werden oder wagt Frankfurt eine Neugestaltung, die sich an das historische Original anlehnt? Und wer soll das Nationaldenkmal künftig für welche Zwecke nutzen? Über diese Fragen will Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lang und breit diskutieren: mit Frankfurter Bürgern, aber auch mit Politikern aus Berlin.

Millionen aus Berlin

Denn aus der Hauptstadt hat Feldmann signalisiert bekommen, dass der Bund wohl einige Millionen Euro in die historische Tagungsstätte des ersten deutschen Parlaments, der Nationalversammlung von 1848/49 investieren wird. Natürlich möchten die Hauptstadtvertreter dann auch ein Wörtchen mitreden. Nur wer wird am Ende entscheiden: die Stadtverordnetenversammlung oder der Bundestag?

"Wenn der Bund bereit ist, Mittel zur Verfügung zu stellen, freue ich mich sehr", sagt der Frankfurter CDU-Chef Jan Schneider. "Nur sollten wir uns die Hoheit über die Paulskirche nicht aus der Hand nehmen lassen. Sie ist mit dem Dom das bedeutendste Baudenkmal Frankfurts."

Als Baudezernent ist Schneider für die Sanierung der Paulskirche zuständig. Zumindest für die Planung und Umsetzung. Die eigentliche Zuständigkeit für das städtische Gebäude liegt beim Oberbürgermeister. Und der hat kürzlich innerhalb des Magistrats und der Römer-Koalition mit seinem Vorstoß für Unruhe gesorgt. Auch über eine Rekonstruktion der Vorkriegs-Paulskirche solle offen diskutiert werden, forderte Feldmann. Dabei hatten sich die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen schon auf ein "Nein" zur Rekonstruktion geeinigt. Sie wollen das nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg neu aufgebaute und betont nüchtern gestaltete Gebäude erhalten.

Jan Schneider

"Zeit wird knapp"

Diese Linie vertritt auch Stadtrat Schneider nach wie vor. "Die Paulskirche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit verhältnismäßig einfachen Mitteln wieder aufgebaut, in einem gemeinsamen Kraftakt der Bundesländer. Das war ein Vorzeigeprojekt der jungen Republik", sagt Schneider. "Die Paulskirche ist, so wie wir sie heute kennen, ein Ort, der für die erfolgreiche Demokratie nach dem Nationalsozialismus steht. Ich wüsste nicht, weshalb man die Paulskirche von 1848 wiederherstellen sollte: ein Gebäude, das an eine gescheiterte Demokratie erinnert."

Von langwierigen Grundsatzdebatten hält Schneider offenbar nichts. Er mahnt zur Eile. "Die Zeit wird knapp. Im Jahr 2023 steht die 175-Jahrfeier der Nationalversammlung an", sagt er. "Wenn die Paulskirche bis dahin saniert sein soll, müssen wir uns wegen des nötigen Vorlaufs bei Planung und Finanzierung noch dieses Jahr dafür entscheiden."

Dass Feldmann neben das historische Gebäude ein Demokratiezentrum für Besucher und Bürger bauen will, begrüßt Schneider. "Die Idee, neben der Paulskirche ein Informationszentrum einzurichten, stammt von mir. Im April 2018 habe ich das in der Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen", sagt er. "Dass Oberbürgermeister Feldmann dies aufgegriffen hat, freut mich." Aus Schneiders Sicht wäre es die beste Lösung, das Demokratiezentrum im Kämmereigebäude westlich der Paulskirche unterzubringen. Feldmann hingegen favorisiert einen Neubau auf dem Parkplatz nördlich der Kämmerei. "Die eigentliche Sanierung der Paulskirche wird keine Unsummen kosten", sagt Schneider, ohne konkrete Zahlen zu nennen. "Wenn uns der Bund unterstützen will, könnte er ja die Baukosten für das Demokratiezentrum übernehmen." Dann bliebe auch die Paulskirche allein in städtischer Hand.

von Daniel Gräber

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