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Frankfurt hilft den Geflüchteten - wie schon 2015

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Von: Thomas J. Schmidt

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Frankfurt steht fest an der Seite der Ukraine - und bereitet sich gewissenhaft auf die Ankunft von Flüchtlingen vor. FOTO: Sebastian Gollnow/dpa
Frankfurt steht fest an der Seite der Ukraine - und bereitet sich gewissenhaft auf die Ankunft von Flüchtlingen vor. © dpa

Zwei Flüchtlingsunterkünfte sind schon reaktiviert, zwei Sporthallen kommen jetzt hinzu.

Frankfurt -Frankfurt bereitet sich angesichts der sich zuspitzenden Lage in der Ukraine ad hoc mit einem breiten Ausbau der Übernachtungsmöglichkeiten auf Schutzsuchende vor. Gestern richtete das Rote Kreuz provisorische Unterkünfte für Geflüchtete in zwei Sporthallen der Stadt her. "Unser oberstes Ziel muss jetzt sein, die geflüchteten Menschen gut zu versorgen und ihnen die Situation so leicht wie möglich zu machen", sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Frankfurter OB: Turnhalle nicht ideal, aber wir brauchen Spielraum

Die Unterbringung in einer Sporthalle sei alles andere als ideal. "Da wir aber nicht wissen, wie viele Menschen, wann und auf welchen Wegen zu uns kommen, brauchen wir Spielraum und eine gute Vorbereitung.", betont der Oberbürgermeister. Ziel müsse sein, die Dauer des Aufenthalts in einer Turnhalle so kurz wie möglich zu halten. Sie sei aber eine gute Möglichkeit, viele Menschen auf einmal unterzubringen und von dort aus auf passende Unterkünfte zu verteilen.

"Unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sind gut vorbereitet, um die Menschen aus der Ukraine in der neuen Unterkunft zu betreuen und zu versorgen", sagt Dierk Dallwitz, Geschäftsführer des DRK Frankfurt. "Gerne unterstützen wir als beauftragter Partner die Stadt Frankfurt mit all unserer Erfahrung als Hilfsorganisation - wie auch schon 2015."

Frankfurt oft nur Umsteigepunkt

Viele Kriegsflüchtlinge sehen Frankfurt nicht als Ziel, sondern lediglich als Umsteigepunkt. Sie fahren weiter zu Verwandten und Freunden in anderen Städten. Schon in der Vorwoche hat das Jugend- und Sozialamt zwei Wohlfahrtsorganisationen beauftragt, sich um das Wohlergehen derjenigen zu kümmern, die nicht bei Verwandten unterkommen können. Eine davon: Die Johanniter. Sie betreiben eine Flüchtlingsunterkunft. "In der Vorwoche haben wir die Halle wieder aktiviert", sagt Oliver Pitsch vom Regionalvorstand der Johanniter Unfallhilfe. "Zurzeit haben wir 88 Gäste." 20 seien schon wieder abgereist, zu Verwandten oder Freunden andernorts.

Auf zu IKEA - Pfannen kaufen!

Ähnlich ist die Situation in der zweiten Unterkunft. Timm Kauhausen, Sprecher der Caritas, berichtet: "Seit Dienstag vergangener Woche sind 90 Ukrainer gekommen. 55 sind noch da." Sie werden in einer reaktivierten Halle untergebracht, die schon in den heißen Monaten 2015 mit Trennwänden versehen wurde, die Kabinen mit Stockbetten ausgestattet. Für die Johanniter erklärt Pitsch: "Die Kriegsflüchtlinge werden uns von der Bahnhofsmission oder der Bundespolizei zugewiesen." Er ist neben seiner Vorstandstätigkeit noch ehrenamtlich in jener Unterkunft tätig. "Ich fahre nachher gleich noch zu Ikea, denn es fehlen Töpfe und Pfannen." Die Menschen - meist Familien ohne Väter, die zurzeit nicht ausreisen können - haben nur, was sie in ihren Taschen tragen. Hausrat gehört nicht dazu. "Bei uns kann man kochen, aber die meisten Geflüchteten, die 2015 gekommen sind, haben inzwischen ihre eigenen Töpfe." Wie 2015 stellt Pitsch einen großen Grundbedarf fest.

Es kommen nicht so viele Flüchtlinge nach Frankfurt wie 2015

Doch Pitsch sieht auch Unterschiede: "Die meisten wollen so schnell wie möglich zurück zu ihren Angehörigen. Sie bleiben in der Nähe der Grenze. Es kommen deswegen auch nicht so viele Flüchtlinge hier an wie 2015." Sie treffen eher in kleinen Gruppen am Bahnhof ein, es sind nicht ganze Züge wie damals. Um so wichtiger sei es jetzt, Ländern wie Polen und Ungarn zu helfen, die die weitaus meisten Ukraine-Kriegsflüchtlinge aufnehmen. "Wir haben einen Hilfskonvoi mit Medizinbedarf gestartet", berichtet Pitsch.

Hier bekommen Ukrainer oder hilfsbereite Frankfurter Informationen

Wie viele Ukrainer inzwischen in Frankfurt angekommen sind, kann niemand verlässlich sagen - weder das Sozialamt, noch die Bundespolizei. Denn mit einem gültigen Pass können sie sich visafrei drei Monate in Europa aufhalten. Und vermutlich längst nicht alle gehen sofort als erstes zum Sozialamt, um sich dort registrieren zu lassen. Trotzdem: "Bei uns ist extrem viel los", sagt Miriam Bandar, Sprecherin von Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). "Die Anlaufstelle ist hoffnungslos überlaufen." Ratsuchende Ukrainer oder deren Verwandte sollten sich deshalb an die eingerichtete Hotline wenden: (069) 212 48 444 .

Die Hilfsbereitschaft der Frankfurter ist groß. "Derzeit besteht kein Bedarf an Sachspenden", sagt Bandar. Dies bestätigt Pitsch: "Was wir aktuell brauchen, veröffentlichen wir auf Facebook. Das klappt super, kurze Zeit später bringen die Frankfurter das." Unaufgefordert Kleidung etc. zu spenden, führe jedoch zu Kleiderbergen. Weder die Adresse der Johanniter-Unterkunft noch die der Caritas soll darum genannt werden.

Hilfsbereitschaft zeigt sich auch nach dem Aufruf, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Haus- oder Wohnungsbesitzer können das per E-Mail tun an wohnraum@frankfurt-hilft.de . Die Mails laufen auf beim Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe. Sprecherin Rebecca Georgi vermutet: "Wir haben schon etwa 400 Angebote, darunter rund 50 Wohnungen." Die anderen sind Zimmer, quasi zur Untermiete. Das ist auch gut, aber der Verein muss jetzt auswählen. "Wir sind alle am organisieren und schwimmen noch etwas", so Georgi. "Es ist nicht ganz klar, wie sich das alles weiter entwickeln wird."

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