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Frankfurter Tierheim am Limit: „Wir starten jedes Jahr mit Minus von 1,3 Millionen Euro“

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Von: Friedrich Reinhardt

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Arbeiten mit Boa, Vogelspinne und Platzmangel: Die Leiterin des Tierheims, Sabine Urbainsky, teilt sich ihr Büro mit elf Aquarien und zwölf Terrarien. Über ihrem Schreibtisch lebt etwa eine zwei Meter lange Madagaskar-Boa. FOTO: Leonhard Hamerski
Arbeiten mit Boa, Vogelspinne und Platzmangel: Die Leiterin des Tierheims in Frankfurt, Sabine Urbainsky, teilt sich ihr Büro mit elf Aquarien und zwölf Terrarien. Über ihrem Schreibtisch lebt etwa eine zwei Meter lange Madagaskar-Boa. © Leonhard Hamerski

Das Tierheim in Fechenheim in Frankfurt hat viel zu wenig Platz und Geld. Auch das Dach ist undicht. Eine finanzielle Unterstützung ist dringend nötig.

Frankfurt – Im Tierheim wird es eng. Für Kleintiere wie Kaninchen und Hamster hat der Tierschutzverein schon einen Aufnahmestopp verhängt, ebenso für Fische. Wie eng es wird, sieht man am deutlichsten im Büro von Sabine Urbainsky, der Tierheim-Leiterin. Alle Wände sind voll gestellt mit elf Aquarien und zwölf Terrarien. Ein Regal hat das Tierheim in die Mitte des Raumes gestellt, um mehr Tiere unterzubringen. Urbainsky zeigt vom Schreibtisch auf die Wand hinter sich. „Hier wohnt eine zwei Meter lange Madagaskar-Boa. Die hat einfach jemand vorm Tierheim abgestellt.“

Während vor einigen Jahren noch sehr selten Reptilien abgegeben wurden, sei ihre Zahl - in den vergangenen sechs Jahren, schätzt Urbainsky - sprunghaft angestiegen. „Einige Wasserschildkröten wurden als invasive Art eingestuft, sie dürfen nicht mehr verkauft oder weitergegeben werden.“ Wohin also mit den Tieren, wenn sie der Besitzer nicht mehr möchte? Ins Tierheim.

Tierheim in Frankfurt: Erster Vorsitzender bittet Ortsbeirat um Hilfe

Durch die gestiegene Zahl der Tiere arbeiten die 22 Mitarbeiter am Limit, was die räumliche, die zeitliche und die finanzielle Ausstattung des Tierheims angeht. Und diese Mangelwirtschaft bekommt Risse in der Decke, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gebäude des Tierheims am Ende der Ferdinand-Porsche-Straße sind in die Tage gekommen.

Das Dach des Haupthauses mit den Büros, dem Hundebad, den Reptilienräumen und Sanitäranlagen musste zuerst erneuert werden. Nach einem Wasserschaden verschimmelte das ganze Gebäude. Wie konnte da überhaupt noch gearbeitet werden? „Naja, wie das halt ist mit Schimmel“, sagt Urbainsky, als handelte es sich um eine Kleinigkeit. „Wir mussten die Toiletten schließen und teilweise mit Maske arbeiten, um die Schimmelsporen nicht einzuatmen.“

Auch in dem Haus, in dem die Katzen-Quarantäne untergebracht ist, gab es einen Dach- und einen Wasserschaden. Vor drei Wochen ist das Dach saniert worden. Die Sanierungsarbeiten stellen den Tierschutzverein Frankfurt, der das Tierheim betreibt, vor finanzielle Probleme. Auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) war daher Michael Hallstein, der erste Vorsitzende des Vereins. Er bat um die dringend notwendige Unterstützung.

Tierheim in Frankfurt: Rund 700.000 Euro Einnahmen durch Vermittlungen pro Jahr

Jedes Jahr habe das Tierheim Kosten von rund 2 Millionen Euro, für Personal, Energiekosten, Futter und so weiter. Von der Stadt erhält das Tierheim rund 225.000 Euro. Den Rest finanziert die Auffangstation zum einen aus Spenden und Erbschaften. Zum anderen aus Gebühren für Tiere, die es vermittelt. „Wir nehmen mal 250, mal 300 Euro für einen Hund, manchmal auch nur einen Euro, wenn ein Tier so alt und krank ist, dass wir froh sind, dass jemand das Tier auf seine letzten Jahr zu sich nimmt.“

Rund 700.000 Euro nehme das Tierheim durch Vermittlungen pro Jahr ein. „Damit starten wir jedes Jahr mit einem Minus von 1,3 Millionen Euro“. Die finanzielle Situation ist schwierig. „Frankfurt ist in den vergangenen Jahren gewachsen, damit gibt es mehr Haustiere in der Stadt, aber unsere finanzielle Ausstattung blieb gleich.“

Tierheim in Frankfurt: Über Höhe der Unterstützung ist sich Ortsbeirat uneinig

Das Tierheim muss nicht nur die Dächer sanieren, es braucht eben auch mehr Platz für Reptilien. Hallstein berichtete im Ortsbeirat von den vielen Aquarien und Terrarien in Urbainskys Büro. „Das ist ein Zustand den man seinen Mitarbeitern nicht lange zumuten kann.“ Rund 45.000 Euro würde es allerdings kosten, Kellerräume für die Reptilien herzurichten.

Dass der Ortsbeirat das Tierheim unterstützen wird, darin waren sich alle Mitglieder einig. Nur bei der Höhe des Betrags, gingen die Vorstellungen auseinander. Benjamin Wiewiorra, CDU- Fraktionsvorsitzender, schlug einen Betrag von 30.000 Euro vor. 35.000 Euro stehen dem Ortsbeirat für Investitionen noch zur Verfügung. Den Grünen waren die von der CDU vorgeschlagenen 30.000 Euro daher zu hoch. „Wir wissen nicht, was 2022 noch auf uns zukommt“, argumentierte Fraktionsvorsitzende Sandra Neubauer.

Ihr Fraktionskollege Christoph Zielonka gab außerdem zu bedenken, dass die Finanzierung des Tierheims eine städtische Aufgabe sei, die nicht der Ortsbeirat übernehmen solle. Daher sei ein Betrag zwischen 15.000 und 20.000 Euro angemessen. Stefan Klee, Fraktionsvorsitzender der Linken, entgegnete: „Bei anderen Themen gibt es nicht diese Dramatik wie beim Tierheim, wo es um lebende Wesen geht.“ Die Entscheidung wird der Ortsbeirat erst im neuen Jahr treffen. (Friedrich Reinhardt)

Während der Pandemie haben sich viele Menschen Haustiere zugelegt, da plötzlich viel Zeit und Langeweile war. Mit dem Ende des Homeoffice in vielen Unternehmen, geben zahlreiche Menschen ihre „Corona-Tiere“ nun jedoch ab – eine weitere Belastung für das Tierheim.

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