Nordweststadt

Frankfurt historisch: Vergessener Klimaturm

20 Jahre lang war die Klimastele, eine 14 hohe Brunnenplastik, der Blickfang auf dem Walter-Möller-Platz. Bis die Skulptur 1987 wegen Umbaumaßnahmen verschwand. Die Stadt denkt darüber nach, das Kunstwerk nach 30 Jahren wieder aufzustellen. Es gibt jedoch zwei Haken: ein fehlender Platz und hohe Kosten.

Wie eine abgestürzte Rakete, bestehend aus zahlreichen mehr oder weniger zerbeulten Edelstahlrohren liegt der Klimaturm auf der Wiese. Gras und Blumen haben sich ihren Weg gebahnt, gezielt schlängelt sich das Grünzeug zwischen den Rohren hindurch. Es ist kein imposantes, sondern ein eher trauriges Bild, das die Brunnenplastik, die einst den Eingang des Nordwestzentrums schmückte und so manchen Besucher beeindruckte, heute abgibt.

Die Künstler Hermann Goepfert und Johannes Peter Hölzinger entwarfen den Turm 1968 für die Baugesellschaft Nordtrakt KG, dem damaligen Eigentümer des Nordwestzentrums. 14 Meter hoch und zwei Meter breit ist die Brunnenplastik aus poliertem Edelstahl.

Ein Leitungssystem, bestehend aus 136 übereinander angeordnete Röhren sorgte dafür, dass aus den Düsen stets Wasser spritzte. In den Tropfen brach sich das Licht und erzeugte Farbenspiele. Das war aber nur ein positiver Nebeneffekt – zunächst habe der Turm die Funktion Luft mit Wasser anzureichern und so „ein angenehmes Verweilklima“ zu erzeugen, wie Hölzinger erklärt.

Eingelagert

20 Jahre lang war der Klimaturm, der zu einer Serie ähnlicher Kunstwerke gehört, fest im Nordwestzentrum verwurzelt. Bis sich die Nordtrakt KG vor 30 Jahren dazu entschied, den Walter-Möller-Platz um- und die Brunnenplastik abzubauen. Man sehe sich aufgrund der Veränderungen nicht mehr in der Lage, den Turm weiter zu unterhalten, lautete 1987 das offizielle Statement dazu, warum er von einem auf den anderen Tag verschwand. Die Plastik wurde in Neu-Isenburg eingelagert und geriet in Vergessenheit bis die Stadt Frankfurt 2008 verhinderte, dass sie im schlimmsten Fall entsorgt wird. Das gelang mit einem Schenkungsvertrag zwischen der Betreibergesellschaft des Nordwestzentrums und dem Kulturamt. Seitdem lagert die Stele im städtischen Depot in der Borsigallee und wartet dort auf ihren nächsten Einsatz.

Doch am Klimaturm hat der Zahn der Zeit genagt, wie ein Ortstermin im Depot zeigte. Johannes Peter Hölzinger, der nach dem Tod von Hermann Goepfert 1982 das Urheberrecht am Turm besitzt, und das Kulturamt begutachteten gemeinsam die Stele. Mit dem Ergebnis: Für eine Wiedereinrichtung bedarf es einer kompletten Neukonstruktion der Brunnenanlage – Decke, Kammer und Wassertechnik – lediglich die eigentliche Brunnenstele ist noch erhalten. Die Skulptur sei von ihrem Eigentümer damals nicht fachgerecht demontiert worden, es sei zu erheblichen Schäden gekommen. Die Kosten für den Wiederaufbau lägen bei rund 250 000 Euro. Mittel seien dafür im Etat des Kulturdezernats nicht vorhanden, zerstörte die Stadt jetzt in einem Magistratsbericht alle Hoffnung, dass die Stele schon bald wieder an einem prominenten Ort bestaunt werden könnte.

Innenstadt bevorzugt

Es sind jedoch nicht nur die Kosten, die diese Pläne zunichte machen – es fehlt auch ein geeigneter Platz. Schon 2010 wurden die sanierte Zeil und eine Freifläche an der Konstablerwache als mögliche Orte untersucht. Hölzinger stimmte diesen grundsätzlich zu, doch schon damals fehlte das Geld. Trotz allen Schwierigkeiten, will die Stadt die Klimastele aber nicht gänzlich in Vergessenheit geraten lassen, das Kulturamt hat das Stadtplanungsamt über dessen Existenz informiert und gebeten, den Brunnen in zukünftigen Bebauungsprojekten und der Gestaltung öffentlicher Plätze zu berücksichtigen.

Wo dies seien könnte, da hat Hölzinger ganz genaue Vorstellungen: Der Architekt bevorzugt einen versiegelten Innenstadtplatz, auf dem das Objekt räumlich im Zentrum steht. Im besten Fall mit einem Brunnenbecken, in dem Kinder spielen und durch das Wasser laufen können. Damit der Klimaturm nicht weitere 30 Jahre auf einer Wiese sein Dasein fristet.

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