Tierquälerei

Hundewelpen von Nachbarn aus überhitztem Auto gerettet: „Die Drei waren fix und fertig“

  • vonSabine Schramek
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Herzerweichendes Jaulen lässt Nachbarn in Frankfurt aufhorchen. In einem überhitzten Auto sitzen Hundewelpen fest. Offenbar sollten die Welpen verkauft werden. 

  • Frankfurt: Drei Hundewelpen sitzen bei brutaler Hitze in einem Auto fest.
  • Die Tiere sollten wohl illegal aus dem Kofferraum heraus verkauft werden.
  • Nachbarn in Unterliederbach werden auf ihr Jaulen der Hunde aufmerksam. 

Frankfurt – Der illegale Rassehundehandel mit gefälschten Papieren bringt meistens nur einem etwas - dem ruchlosen Tierhändler. In Unterliederbach in Frankfurt haben aufmerksame Nachbarn die Polizei gerufen, weil im Kofferraum eines gemieteten Volvos drei Welpen herzzerreißend gejault haben.

Hunde-Welpen aus einem Auto in Frankfurt gerettet: „Die waren fix und fertig“

Bianca Benkenstein ist immer noch aufgebracht. „Die Drei waren fix und fertig und hatten weder Wasser noch Fressen in ihren Boxen. Wer weiß, wie lange sie so ausharren mussten“. Als Benkenstein am Freitagabend mit ihren Mischlingshunden Gassi ging, hörte sie Jaulen und Wimmern aus dem Kofferraum eines geparkten weißen Volvos mit italienischem Kennzeichen. „Ich habe die Polizei angerufen. Zuerst hatte sie keine Handhabe, weil es auch privat hätte sein können. Erst als sich die Amtstierärztin eingeschaltet hatte, kamen gleich drei Einsatzwagen“, berichtet sie.

Als die Beamten den Wagen öffneten, bot sich ein trauriges Bild: Drei Welpen lagen in zwei Boxen und hechelten stark. Benkensteins Verdacht, dass es sich um illegalen Kofferraumverkauf von Rassehunden handelt, bestätigte sich. "In den Impfpässen fehlten sämtliche Stempel und auch die Papiere sind offensichtlich falsch", sagt sie.

Frankfurt: Teure Rasse-Hunde werden als „Schnäppchen“ verkauft

Immer wieder werden vor allem auf E-Bay günstig Rassehunde angeboten. Rassen, die beim Züchter zwischen 800 und 3000 Euro kosten, werden für 300 bis 600 Euro angeboten. Die Übergabe findet oft an Autobahnraststätten oder Tankstellen statt. "Dass es das in der ruhigen Wartburgstraße gibt, ist unfassbar", sagt die Tierschützerin, die ihre eigenen Tiere aus dem Heim hat.

Rassehunde, die so günstig angeboten werden, stammen meist aus Qualzuchten aus dem Ausland. Sie sind krank, nicht geimpft und nicht entwurmt. Wenn diese Welpen überhaupt überleben, sind die Tierarztkosten oft höher, als wenn man gleich von einem seriösen Züchter kauft, weiß Benkenstein.

Hunde eingesperrt: Frankfurterin findet Welpen in überhitztem Auto – Polizei kommt 

Sie blickte in die traurigen Augen der drei Welpen. „Die werden sehr groß, es sind wahrscheinlich Herrenschutzhunde wie Briards“, sagt sie über den schwarzen, den weißen und den weiß-braunen Welpen. „Die Polizisten waren total nett und hatten bei dem Anblick der Hunde nur noch Herzchen in den Augen“, sagt sie und schluckt. „Die Welpen sehen so süß und hübsch aus.“

Im Kofferraum dieses in der Wartburgstraße geparkten Autos hörte die Hundefreundin das Winseln der leidenden Hunde-Welpen in Frankfurt.

Warum sich Leute Hunde nicht aus dem Tierheim oder vom Züchter holen, versteht sie nicht. „Natürlich sind gut gehaltene Zuchttiere teuer. Es steckt viel Arbeit und Mühe darin. Aber sie werden nicht mit vier Wochen von der Mutter weggenommen, leben nicht im Dreck, sondern bleiben mindesten 15 Wochen bei der Mutter und werden penibel auf eventuelle Krankheiten beobachtet und untersucht. Seriöse Züchter würden niemals jüngere Tiere vermitteln. Das ist gut fürs Immunsystem und die Entwicklung der Tiere. Auch im Tierheim werden keine Hunde vermittelt, die nicht komplett durchgecheckt, geimpft und versorgt sind. Auch dort gibt es immer wieder Rassehunde“, weiß sie. Dabei seien Mischlinge oft leichter zu halten und gesünder.

Frankfurt: Aus dem Auto gerettete Hunde-Welpen kommen in ein Tierheim

Bianca Benkenstein versteht nicht, warum sich Menschen Welpen einfach so aus dem Kofferraum andrehen lassen. Die drei Welpen jedenfalls mussten von der Polizei gerettet werden. Stundenlang hatten sie offenbar kein Wasser bekommen und nichts zu fressen. „Die zwei Boxen waren komplett trocken. Das geht nur, wenn die Hunde über 24 Stunden nicht versorgt werden. Wie viele es insgesamt waren und wie viele bereits verkauft wurden, kann Benkenstein nur schätzen. „Wenn man sie eng zusammenpfercht, waren da vielleicht sechs Hunde in den beiden Boxen.“

Die Welpen wurden ins Tierheim Fechenheim gebracht und werden jetzt in Quarantäne versorgt und gepäppelt. Ein Sprecher der Polizei Frankfurt bestätigt das. Die Ermittlungen dauern an. „Das Jaulen und Winseln der Drei werde ich wohl nie mehr aus den Ohren bekommen“, sagt die Hundehalterin schaudernd. Sie will sich gar nicht vorstellen, was mit ihnen passiert wäre, wenn keiner auf die durstigen Hunde aufmerksam geworden wäre. Den Käufern der anderen Hunde rät Benkenstein, sie schnell beim Tierarzt untersuchen und impfen zu lassen. „Vielleicht können dann einige halbwegs gesund groß werden.“ (Von Sabine Schramek)

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