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Das denkmalgeschützte Fährmannshäuschen in Frankfurt sitzt auf einer gotischen Zwingermauer, die zu den ältesten teilen der Höchster Stadtmauer gehört, und zwischen der Stützmauer der Schlossterrasse (links) und dem Zollturm (rechts).

Fährmannshäuschen in Höchst

Weder Zeit noch Geld da: Historisches Kleinod in Frankfurt verfällt

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Der Zustand des Fährmannshäuschens zwischen Zollturm und Maintor in Frankfurt gibt immer mehr Grund zur Sorge: Das kleine Häuschen oberhalb der gotischen Zwingermauer mit dem Wappen Diethers von Isenburg ist in einem schlechten Zustand - und verfällt immer mehr.

  • Frankfurt: Fährmannshäuschen in schlechtem Zustand
  • Gebäude ist Teil der alten Stadtmauer in Frankfurt-Höchst
  • Verantwortlicher Ortsbeirat 6 fordert Sanierung

Frankfurt- Früher war es die Dienstwohnung des Höchster Fährmanns, doch seit einiger Zeit steht es leer - und der Zahn der Zeit nagt an dem Gebäude. „Es wäre wünschenswert, wenn das Gebäude, welches Teil der Höchster Stadtmauer ist, möglichst schnell renoviert und einer Nutzung zugeführt wird, welche der Bedeutung dieses Gebäude gerecht wird“, hat der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) der Stadt Frankfurt auf Initiative von Hans-Christoph Weibler (CDU) ins Stammbuch geschrieben. Die Stadt ist Eigentümer des denkmalgeschützten Hauses, das per Vertrag an die Pacht der Höchster Mainfähre gebunden ist.

Fährmannshäuschen in Frankfurt: Ortsbeirat 6 erhält Antwort von Magistrat

Nun liegt eine Antwort des Magistrats vor: Die Sanierung der Fassade und die Restaurierung des in der Verwaltung des Amts für Bau und Immobilien (ABI) befindlichen Teils der historischen Stadtmauer in Frankfurt-Höchst sei „angestoßen“.

Bereits erfolgt sei die Schadens- und Ursprungsermittlung; das Untersuchungsergebnis werde derzeit ausgewertet. Vor der Erteilung einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung zur Sanierung seien weitere Abstimmungen mit dem Denkmalamt erforderlich.

Sanierung des Fährmannshäuschens in Frankfurt: Weder Zeit noch Mittel

Es heißt: „Nach dem Vorliegen einer bewertbaren Kostenberechnung ist die Bereitstellung der Mittel zu klären.“ Sprich: Es sind noch keine Mittel zur Sanierung in den Haushalt eingestellt. Auch ein Zeitplan könne erst in der Folge aufgestellt werden.

Zuletzt sind die gotische Zwingermauer und das Fries mit dem Wappen Diether von Isenburgs 2015 saniert worden. Das Maintor mit seinen beeindruckenden Hochwassermarkierungen aus mehreren Jahrhunderten und die Zwingermauer stammen aus dem Jahr 1460 und gehören zu den ältesten erhaltenen Abschnitten der Stadtmauer in Frankfurt.

Stadtmauer in Frankfurt: Zuletzt 1976 umfassend renoviert

Die Stadtmauer ist auf der Mainseite zwischen Brüningpark und Mainberg knapp 400 Meter lang. Sie prägt zusammen mit der Justinuskirche und dem Schlossturm die Main-Silhouette der Höchster Altstadt in Frankfurt. Der Ochsenturm am Brüningpark, eine ursprünglich frei stehende Warte aus dem 13. Jahrhundert, wurde bei der ersten Stadterweiterung zwischen 1396 und 1432 in die Stadtmauer eingebunden. Davor stand er frei vor der gotischen Zollburg, die der Vorläufer des im 16. Jahrhundert erbauten Höchster Schlosses war.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das ehemals flache Höchster Mainufer zum Bau eines Hafenkais bis zu zwei Meter hoch aufgeschüttet. Dadurch liegen Teile der Mauer heute unter der Erde, und sie wirkt niedriger, als sie tatsächlich ist. 1976 wurde die Stadtmauer in Frankfurt letztmals umfassend renoviert.

Sanierungsarbeiten in Frankfurt: Der Sandstein ist das größte Problem

Das Problem: Sie ist aus Sandstein, und Sandstein ist ein Sedimentgestein und wächst in Schichten. Bei der Verwitterung lösen sich die weicheren Schichten auf und werden ausgeschwemmt. Auch beim Bau des Fährmannshäuschens in Frankfurt-Höchst wurde zum Teil Sandstein verwendet. Zudem sitzt es an der Mauer zum Zollturm, die heute die Schlossterrasse stützt und früher Fundament eines mehrstöckigen Baus gewesen ist, von dem noch der Gewölbekeller unter der Schlossterrasse zeugt. Ein Teil des kleinen, verwinkelten Hauses ist in diese Mauer hineingebaut.

Frankfurt-Höchst: Ein geschichtsträchtiger Ort

Das zu Mainz gehörende Dorf „Hoesten“ wurde 1355 von Kaiser Karl IX. zur Stadt erhoben und bekam damit das Recht, Befestigungen anzulegen. In den folgenden Jahren wurde eine einfache Stadtbefestigung gebaut. 1396 zerstörten die Ritter von Kronberg im Auftrag des Frankfurter Rats im Streit um den Mainzoll die Stadt und die Burg Höchst.

In den Jahren bis 1432 wurden Burg und Stadt dann wiederaufgebaut und die Stadt dabei in einer ersten Phase erweitert. Die landseitigen Teile der Stadtmauer und die beiden Stadttore an der Hauptstraße, heute Bolongarostraße, wurden im 19. Jahrhundert abgebrochen, weil die Stadt aus allen Nähten platzte.

Frankfurt-Höchst beherbergt alte Fragmente der Stadtmauer

Erhalten blieb nur die Mainfront der alten Stadtbefestigung, da hier keine Ausdehnungsmöglichkeit bestand und die Mauer zudem Hochwasserschutz bot.

In der Altstadt von Frankfurt-Höchst gibt es aber noch vereinzelte Fragmente der Stadtmauer, so etwa in der Hilligengasse, am Höchster Marktplatz sowie im Restaurant „Il Veccio Muro“ in der Schleifergasse und im Bereich des Ettinghausenplatzes, wo Archäologen im Auftrag des Denkmalamts gerade nach den Fundamenten der 1938 zerstörten Höchster Synagoge und eines Vorgängerbaus graben.

Von Holger Vonhof

Der wurde schon saniert: Im Februar 2020 erstrahlte der Höchster Bahnhof nach einer zweijährigen Baumaßnahme in neuem Licht.

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