Rund um den Brüningbrunnen an der Nordostecke des Höchster Markts hat die Stadt gerade die Sitzbänke erneuern lassen. Allerdings bräuchte der 1910 eingeweihte Brunnen auch mal eine Grundreinigung und eine technische Überarbeitung. Fotos: Holger Vonhof

Geschichtsverein schlägt vor

Neuer Platz für den Brüningbrunnen? Die Suche nach einem würdigen Platz

Der Geschichtsverein setzt sich dafür ein, den Brüningbrunnen vom Marktplatz in die Rudolf-Schäfer-Anlage neben das Hallenbad zu holen. Es sei, so die Argumentation, ein würdigerer Platz. 

Etwas verloren steht er da in der Ecke des Marktplatzes. Im Sommer tröpfelt Wasser in seine Becken, aber nicht selten landen Dosen, Flaschen oder auch welkes Gemüse in seinen Becken: Der Brüningbrunnen, ursprünglich ein Kunstwerk (siehe Box), hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Der Brunnen ist aus hellem Kalkstein; das Wasserbecken wird von Wasserspeiern in Form von Löwenköpfen gefüllt. Bildhauerische Allegorien für Handel, Chemie, Industrie und Forschung finden sich auf den Seiten. Zuständig für den Brunnen ist das Kulturamt, aber dessen Fürsorge beschränkt sich auf die Wartung und das Beheben von Schäden. Erst durch eine private Spende konnte der Brunnen im Herbst 2011 saniert und mit einer neuen Wasserleitung versehen werden; trotzdem verdrecken und verstopfen die Leitungen immer wieder. Als "desolat" bezeichnet Jürgen Rothländer, der stellvertretende Vorsitzende des Höchster Vereins für Geschichte und Altertumskunde, den Zustand.

Kiesweg rundherum

Deshalb hat er der Stadt einen Vorschlag unterbreitet: Vorländer möchte, dass der Brunnen in die Rudolf-Schäfer-Anlage versetzt wird und dort anstelle der imposanten Blutbuche aufgestellt wird, die an der Dürre zugrunde gegangen ist und wahrscheinlich diesen Herbst gefällt werden muss. Die Idee hat Rothländer in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Peter Feldmann, den Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler, die zuständigen Dezernenten und Amtsleiter sowie die Vorsteherin des Ortsbezirks 6, Susanne Serke, ausformuliert: "Angedacht wäre, das Ehrenmal auf dem Platz der gefällten Rotbuche zu errichten und mit einem zuführenden Kiesweg einen Rundweg um das Denkmal zu gestalten", so Rothländer. Er schlägt vor, den Brunnen durch Rosen oder Wacholder zu schützen und so der Vermüllung vorzubeugen.

Das Denkmal würdigen

Somit bekäme der Brunnen "seine verdiente Würdigung im Sinne eines kulturhistorischen Denkmals", argumentiert Rothländer. Ein weiterer Vorteil sei die dauerhafte Pflege durch das städtische Gartenamt; die bisherige Arbeit der Stadtreinigung sei "unzureichend".

Die alte Blutbuche (Bildmitte) hat die trockenen Sommer nicht überlebt und muss bald entfernt werden. An ihre Stelle, so der Vorschlag, könnte der Brüningbrunnen gesetzt werden.

Da ein Großteil der städtischen Gewerbesteuer aus dem Industriepark Höchst in die Kassen der Stadt flösse, so Rothländer, sollte die Stadt Bereitschaft zeigen: "Vor dem Hintergrund, dass Adolf Brüning als Mitbegründer sehr wesentlich Anteil an der Entstehung der vorhergehenden Hoechst AG hatte, auf deren Fundament der Industriepark entstand, sollte diesem Denkmal doch eine ehrenvollere Achtung entgegengebracht werden."

Nach Jahren der Vertröstung, dass "im darauffolgenden Jahr" etwas getan würde, sehe sich der Geschichtsverein dazu veranlasst, den offenen Brief zu schreiben. Nun kommt es darauf an, ob eine Partei die Initiative aufgreift und einen Antrag formuliert, um eine politische Entscheidung herbeizuführen. Beim Grünflächenamt dürfte die Begeisterung nicht überbordend sein: Die Rudolf-Schäfer-Anlage ist vor drei Jahren für 475 000 Euro aus dem Förderprogramm Höchster Innenstadt gärtnerisch überarbeitet und neu angelegt worden. Einen Wasseranschluss gibt es an der vorgeschlagenen Stelle nicht.

Der Brüningbrunnen wurde von der Stadt Höchst in Auftrag gegeben. 1904 von Karl Walch entworfen, wurde er von den Bildhauern Johann Belz und Philipp Hermann Leonhard geschaffen und am 24. September 1910 unter Beifall der Honoratioren auf dem Schlossplatz enthüllt. Die Nazis versetzten ihn 1938 an seinen heutigen Standort. Er ist zwei bedeutenden Honoratioren gewidmet; auf ihm steht: "Dem um die Entwicklung der Stadt und das Wohlergehen ihrer Bewohner hochverdienten Mitbegründer der Höchster Farbwerke Dr. Adolf Brüning 1837-1894 und seiner Ehefrau Clara geb. Spindler 1846-1909, der Freundin der Stadt und ihrer Armen, errichten diesen Brunnen zum immerwährenden Gedächtnis die dankbaren Bürger der Stadt Höchst a.M. - A.D. MCMX".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare