Direkt vors Bahnhofsgebäude kommen noch drei Bäume, und auch der durchaus funktionale Busbahnhof im Hintergrund soll noch mit drei Gruppen à vier Bäumen etwas von seiner praktischen Tristesse verlieren. Nur der Bahnhof selbst ist noch nicht saniert. Foto: Maik Reuß
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Direkt vors Bahnhofsgebäude kommen noch drei Bäume, und auch der durchaus funktionale Busbahnhof im Hintergrund soll noch mit drei Gruppen à vier Bäumen etwas von seiner praktischen Tristesse verlieren. Nur der Bahnhof selbst ist noch nicht saniert. Foto: Maik Reuß

Stadtentwicklung

Schandfleck war gestern: Bahnhof in Höchst endlich aufgeräumt

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Die Umgestaltung der Vorplätze in Höchst ist abgeschlossen. Nur eine Sache fehlt noch: Das Grün.

Frankfurt - Es ist das ganz große Loblied, das Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gestern frohgemut anstimmt bei der offiziellen Übergabe der neu gestalteten Vorplätze des Höchster Bahnhofs: Es sei "ein großer Tag für Höchst". 

Mit der Fertigstellung des östlichen Bahnhofsvorplatzes sei nun eine vor zwei Jahren begonnene Baumaßnahme abgeschlossen, die dem Höchster Bahnhof als zweitwichtigstem Frankfurter Bahnhof mit rund 45 000 Fahrgästen täglich gerecht werde. Schon mit dem neuen Busbahnhof westlich des Bahnhofsvorplatzes, im Dezember 2018 eingeweiht, sei ein "Schandfleck beseitigt" worden, "diese Ansammlung von Bruchbuden, die sich Busbahnhof genannt hat".

Frankfurt Höchst: Bahnhof im desolaten Zustand

Eine Bruchbude gibt es noch immer, eine große: das 1920, also vor 100 Jahren, mit Anklängen an den Jugendstil vollendete Bahnhofsgebäude, dessen Sanierung die Deutsche Bahn seit Jahren verspricht. "Da sind wir im Gespräch", nickt Oesterling zwei Bahnvertretern zu, die seiner Ansprache lauschen, und lobt sie für die schon vor einiger Zeit abgeschlossene barrierefreie Gestaltung des Bahnhofstunnels und der Bahnsteige: "Der Aufzug ist gegangen, als ich eben gekommen bin", sagt der Verkehrsdezernent, der wie zu allen seinen Terminen mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist ist. Das ist nicht selbstverständlich - die Klagen über defekte Aufzüge halten an.

Frankfurt Höchst: Es fehlt noch etwas grün

Ja, der zentrale Bahnhofsvorplatz sehe noch etwas kahl aus, sagt Oesterling, aber bald sollten Bäume gepflanzt werden. Das bestätigt Birgit Greiner, Planungsbeauftragte im Grünflächenamt: Drei Bäume kämen auf den zentralen Vorplatz, drei Gruppen à vier Bäume auf den Busbahnhof, noch einmal zwei Bäume an die Dalbergstraße, um die dortige Allee entlang der Bruno-Asch-Anlage zu vervollständigen. Auch der kleine Vorplatz des Bürgeramts gegenüber dem Bahnhof soll aufgewertet werden: Der Boden um die vier Rotbuchen, die dort stehen, sei sehr verdichtet; er werde mit einem Saugbagger aufgelockert und mit Substrat aufgefüllt, um dort Rosen pflanzen zu können. Beginnen sollen die gärtnerischen Arbeiten im März. Einen zusätzlichen Baum soll es von diesem Jahr an zumindest temporär geben: Ins Pflaster vor dem Bahnhofsgebäude ist eine Hülse für einen Weihnachtsbaum eingelassen worden.

Das Pflaster stelle "einen Bezug zum denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude her", heißt es offiziell. Dieses Bahnhofsgebäude sieht allerdings in Richtung des Busbahnhofs wie eine Kriegsruine aus, seit dort der Anbau, der früher das Fahrradgeschäft Kriegelstein beherbergte, abgerissen worden ist. Die "Sanierung des Brombeergestrüpp-Biotops", so Oesterling, das sich entlang der Gleise anschließe, soll auch noch stattfinden: Die Pläne, dort Wohnbebauung zu errichten, hat der SPD-Stadtrat offenbar noch nicht aufgegeben.

Frankfurt Höchst: Bahnhof im neuen Outfit

Zum Gesamtpaket gehörte auch die Grundsanierung der Dalbergstraße und der Einmündungen der Albanus- und der Ludwigshafener Straße. Die Dalbergstraße und die Adolf-Haeuser-Straße sind jetzt auch in Richtung des Dalbergkreisels befahrbar, was den Verkehr durchs Höchster Einbahnstraßen-Gewirr vermindern soll. Der Park-&-Ride-Platz samt Taxistand zwischen Bahnhofsgebäude und Bruno-Asch-Anlage ist ebenfalls neu geordnet worden.

Die Bauarbeiten haben im Oktober 2017 begonnen; rund 13 500 Quadratmeter Fläche sind umgestaltet worden. Gekostet hat das rund fünf Millionen Euro. An dem Projekt, das zum Programm "Schöneres Frankfurt" gehört, hat sich das Land Hessen mit Fördermitteln in Höhe von 1,9 Millionen Euro beteiligt. Nicht alles überzeugt jeden, aber die Klagen halten sich in Grenzen: Der Stadtteilarbeitskreis vermisst eine Uhr vor dem Bahnhof, und der parteilose Ortsbeirat Uwe Eisenmann weist darauf hin, dass sich das westliche Ende des Busbahnhofs "zum Eldorado für Falschparker" entwickelt habe. "Es gibt immer Sachen, die nachgebessert werden müssen", sagt Oesterling dazu. So wolle man auch auf dem schon vor Jahren umgestalteten nördlichen Bahnhofsvorplatz, zum Bildungs- und Kulturzentrum (Bikuz) hin, nachlegen: Die dort in Betrieb genommene Fahrradabstellanlage wird so gut genutzt, dass sie nicht nur bereits erweitert worden ist, sondern auch noch zusätzlich abschließbare Fahrradboxen für teurere Räder, etwa E-Bikes, bekommen soll. Denn auch die Langfinger haben die Anlage schätzen gelernt. 

Kommentar: Das Entrée des Frankfurter Westens braucht mehr

Es heißt ja allenthalben im Römer, die Bürger im Frankfurter Westen hätten grundsätzlich etwas zu nörgeln, weil sie die Eingemeindung von 1928 noch immer nicht verkraftet hätten. Das mag stimmen, aber bei aller Gunst, welche die edle Stadtregierung dem renitenten Haufen angedeihen lässt, bleibt festzuhalten: Mit etwas Kosmetik, und kostet sie auch fünf Millionen Euro, ist es nicht getan. Stadtrat Oesterling erzählt davon, wie rege er samstags früh um 2 Uhr bei einer nächtlichen Exkursion das Leben am Höchster Bahnhof empfunden habe, diesem betriebsamen Verkehrsknotenpunkt, den er mit Regionaltangente und verlängerter Straßenbahn weiter zum Erblühen zu bringen gedenkt. Nur was des Stadtrats Aug' nicht sieht: Den wenigsten, die da nachts aktiv sind, steht der Sinn nach einer Fahrt - es ist vielmehr der Trip, der lockt, denn rund um den Bahnhof wird gedealt, dass sich die Feinwaagen biegen, und in der Bruno-Asch-Anlage setzen nicht selten benutzte Spritzen bunte Akzente in verdorrten Blumenrabatten. Dass es kein Drogenproblem gibt, das kann man nur behaupten, wenn man selbst alles rosarot sieht.

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