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Eine Taube lugt neugierig von ihrem Nistplatz an der Eisenbahnüberführung an der Königsteiner Straße herunter. foto: Maik Reuss

Gründe unklar

Tauben-Brennpunkt am Dalbergkreisel: So reagiert die Stadt

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In Frankfurt-Höchst gibt es einen Tauben-Brennpunkt am Dalbergkreisel. Gegen die Tauben sind vorest keine Maßnahmen geplant.

  • Stadt Frankfurt möchteTauben vertreiben
  • Aber nicht überall sind Maßnahmen geplant
  • Im Stadtgebiet gibt es nur drei Taubenhäuser

Frankfurt - Die Stadt Frankfurt macht derzeit mobil gegen ihre vielen Tauben: Metallbleche wie an der Galluswarte und demnächst auch in der Schweizer Straße sollen die Tiere unter den Brücken vertreiben. Doch am Tauben-Brennpunkt des Frankfurter Westens, der Eisenbahnüberführung Königsteiner Straße am Dalbergkreisel, sind vorerst keine Maßnahmen geplant. 

Dies erklärte Michaela Kraft vom Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) auf Anfrage. Die genauen Gründe dafür nannte sie nicht. Dass der hintere Teil der Brücke denkmalgeschützt ist und hier keine Verschalungen von Nistgelegenheiten angebracht werden dürfen, könnte ein Argument sein.

Stattdessen verweist das ASE auf Maßnahmen, die der Verein Stadttaubenprojekt seit zwei Jahren ergriffen hat. Die Tierschützer um Gudrun Stürmer besichtigen alle 14 Tage die Gelege, entfernen vorhandene Eier und ersetzen sie durch Gipsattrappen. "Wir unterstützen das Stadttaubenprojekt, indem wir dazu ein mobiles Gerüst zur Verfügung stellen", berichtet Michaela Kraft. Wohl auch, weil inzwischen der Magistrat anerkannt hat, dass die Bemühungen des Stadttaubenprojektes erfolgreich waren. "Wir haben in der Unterführung am Dalbergkreisel keine Jungtiere mehr", bestätigt auch Gudrun Stürmer.

Frankfurt-Höchst: Die Tauben sollen nicht vertrieben werden

Die Aussage des Amtes, die Tauben dort nicht "vergrämen" zu wollen, wie die Vertreibung in der Fachsprache heißt, begrüßt die engagierte Frau, die sich mit ihren Helfern seit 35 Jahren für das Wohl der Tiere stark macht. Denn die Vergrämung alleine, ohne den Vögeln einen alternativen Ort zu bieten, verlagere nach ihrer Ansicht nur das Problem. "Die ganzen Tauben würden sich ansonsten über die Königsteiner Straße und den Höchster Bahnhof ergießen", gibt sie zu bedenken.

Im Wesentlichen weiß sie sich auf einer Linie mit Uwe Eisenmann. Der fraktionslose Politiker im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) hat sich des Problems seit langem angenommen und setzt sich beim Magistrat für einen Drei-Stufen-Plan ein: Erst kommt die seit zwei Jahren praktizierte "Eiertausch-Nummer" (Uwe Eisenmann); dann sollen gleichzeitig Stufe zwei und drei greifen: 

Die Vergrämung der Tiere - bei gleichzeitiger Bereitstellung eines Taubenhauses. Dessen Standort könnte die benachbarte Bruno-Asch-Anlage sein. In dem Taubenhaus würden die Tiere zum Brüten im Schlag angeregt. Durch den Austausch der Gelege könnte die Besiedlung langfristig eingedämmt werden.

Frankfurt Höchst: "Stadt möchte kein Taubenhaus"

Allerdings glaubt Uwe Eisenmann nach mehreren vergeblichen Initiativen, "dass die Stadt einfach kein Taubenhaus haben will". Dabei komme sie eine solche Einrichtung letztlich viel günstiger als der aufwendige Eier-Tausch alle zwei Wochen und die Reinigung der Unterführung. Auch Gudrun Stürmer befürwortet ein Taubenhaus. Das würde das Problem zwar weder für die Stadt insgesamt noch für den Frankfurter Westen lösen. Wohl aber würde ein Taubenhaus im Hinblick auf den Brennpunkt am Dalbergkreisel helfen. Im gesamten Stadtgebiet gebe es lediglich drei dieser Häuser. 

Frankfurt-Höchst: Tierschützerin - für die Tauben wird "viel zu wenig" getan

"Viel zu wenig", urteilt die Tierschützerin. Im Übrigen berichtet sie von ihrem Brückenkonzept, mit dem sie bei der Stadt auf taube Ohren gestoßen war. Zwei Langzeitarbeitslose wären nach diesem Plan auf Zuruf durch die Ortsbeiräte zu besonders verdreckten Brücken geschickt worden, um dort Eier wegzunehmen und mit einem Hochdruckreiniger sauber zu machen. Das Ganze ist nach ihren Worten aber an zwei Dingen gescheitert: "Zum einen gehören die meisten Brücken der Bahn." Außerdem habe das Dezernat angeblich kein Geld für einen Hochdruckreiniger. "Diese Auskunft hat mich wie der Schlag getroffen," sagt Gudrun Stürmer. Denn: "So ein Teil kostet im Baumarkt vielleicht 300 Euro."

Von Michael Forst

Zutritt für Tauben in Frankfurt verboten, heißt es inzwischen auch an der Eisenbahnbrücke an der Galluswarte in Frankfurt. Tierschützer kritisieren das.

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