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Die Taubenpopulation an der Unterführung am Dalbergkreisel nimmt zumindest nicht mehr zu - dank der Arbeit der Naturschützer vom Stadttaubenprojekt, die Eier regelmäßig gegen Gipsattrappen austauschen. Foto: michael forst

Mehr Respekt für Stadttaubenschützer

Tierschützer kümmern sich um Taubendreck in Höchst

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 Eine mobile Einsatztruppe übernimmt die Reinigung der Unterführung am Dalbergkreisel in Frankfurt Höchst.

Frankfurt Höchst - Die Stadt hat die Taubendreck-Reinigungsarbeiten in der Unterführung am Höchster Dalbergkreisel in die Hände des Vereins Stadttaubenprojekt gegeben. Sie folgt damit einem von den Tierschützern seit Längerem gemachten, aber bisher abgelehnten Konzept: Das sieht vor, dass zwei Mitarbeiter auf Zuruf und bei Bedarf die Geh- und Fahrradwege unter der Brücke reinigen. Die neuen Mitarbeiter - Langzeitarbeitslose, die bislang Hartz IV bezogen -, arbeiten Vollzeit und entlasten somit das städtische Budget. Sie werden nach dem Teilhabe-Chancengesetz gefördert. In den nächsten 14 Tagen, sobald das Projekt aus eigenen Mitteln einen Hochdruckreiniger angeschafft hat, soll es laut Vorsitzender Gudrun Stürmer losgehen.

"Wir sind zu der Entscheidung gelangt, die Kooperation mit dem Verein auszubauen", bestätigte Ulrich Rendel, stellvertretender Leiter des Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE) auf Anfrage dieser Zeitung. Man befinde sich "im Austausch mit dem Verein, der seither an der Umsetzung der in seinem Konzept vorgestellten Maßnahmen arbeitet."

Frankfurt Höchst: Gipsatrappen als Erfolgsmodell

Bereits seit etwa zwei Jahren hat der Verein Stadttaubenprojekt die Unterführung am Dalbergkreisel in seiner Obhut: Mitglieder besichtigen alle 14 Tage die Gelege und ersetzen vorhandene Eier durch Gipsattrappen. Mit spürbarem Erfolg, denn in der Unterführung gibt es keine Jungtiere mehr. Das spart der Stadt viel Geld, kann sie doch auf teure und aufwendige Vergrämungsmaßnahmen wie derzeit an der S-Bahnstation Galluswarte oder unter der Brücke an der Schweizer und Voltastraße verzichten. Die werden von den Tierschützern ohnehin abgelehnt, wie der Deutsche Tierschutzbund, der Landestierschutzverband Hessen und das Stadttaubenprojekt gerade erklärt haben. Demnach bleiben die standorttreuen Vögel nämlich weiter in ihrer angestammten Umgebung. 

"Neben dem Tierleid wird also auch der anfallende Kot weiterhin ein Problem darstellen", erklärt Gudrun Stürmer, Vorsitzende des Projektes. So ist sie froh darüber, dass wenigstens in Höchst nun das Thema Tauben ganz in die Hände der Tierschützer übertragen wurde. Davon profitierten nicht nur die Tauben, sondern auch die Sauberkeit der Brücke, denn: "Unsere Leute sind zur Stelle, wann immer es nötig ist." Dadurch sei man flexibler als die Stadtreinigung FES. Die werde, bestätigt Sprecher Michael Werner gestern, dessen ungeachtet auch weiterhin unter der Brücke reinigen. Seit Kurzem im wöchentlichen Turnus - das hatte der fraktionslose Ortsbeirat Uwe Eisenmann, der auch ein Unterstützer des Stadttaubenprojektes ist, durchgesetzt. Michael forst

Frankfurt Höchst: Finanzielle Unterstützung für die Taubenschützer

Wer die Tierschützer des als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannten Stadttaubenprojektes unterstützen möchte, kann eine Spende überweisen an: Empfänger "Stadttaubenprojekt Frankfurt e. V.", IBAN DE 62 50 19 00 00 61 00 90 64 55, BIC FFVBDEFFXXX, Frankfurter Volksbank eG. red

Kommentar von Michael Forst zu Tauben in Frankfurt Höchst

Tauben versauen die Stadt und sind die Ratten der Lüfte - so denken immer noch viele Menschen. Entsprechend unwürdig wird mit den Vögeln umgegangen: Sie werden verjagt und dabei manchmal verletzt. Dabei sind sie Lebewesen, die einen respektvollen Umgang verdienen. Die Tierschützer des Stadttaubenprojektes helfen nicht nur, das Image der Vögel aufzupolieren. Dort, wo man sie lässt, zeigen sie auch, wie gutes Management ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Taube in der Kommune möglich macht. Dafür gebührt ihnen nicht nur Respekt, sondern - zumal mit ihren in den letzten Jahren gewachsenen Aufgaben - auch stärkere finanzielle Unterstützung der Stadt.

Der Taubendreck am Dalbergkreisel war bereits schon einmal Thema in Frankfurt-Höchst. Gegen die Tauben sind von der Stadt aus vorerst keine Maßnahmen geplant.

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