Der Blick aus blubberndem Wasser auf die Skyline ist natürlich etwas teurer.
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Der Blick aus blubberndem Wasser auf die Skyline ist natürlich etwas teurer.

Tourismus

Neues Hotel trotz Pandemie: „The Blasky“ will ein Viertel beleben

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Das Hotel Blasky will eine etwas öde Gegend im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen mit Leben füllen. Motto-Partys, Brunch und After-Work-Partys sind im Programm.

Frankfurt – Im Ziegelhüttenweg franst Sachsenhausen schon ein bisschen aus. Hier, zwischen Wohnhäusern, einem Discounter, der Bahnlinie und den dahinter beginnenden Schrebergärten hat unlängst ein Hotel samt Restaurant und Bar eröffnet, das auch Einheimische anlocken will. „Uns ist klar, dass wir nicht am Willy-Brandt-Platz sind und mit einem Bar-Hopping locken können“, fasst Hoteldirektor Tim Döhring die Lage zusammen. Daher will sich die Belegschaft des Hotels „The Blasky“ auch besonders ins Zeug legen, um den Gästen eine Wohlfühlatmosphäre zu bieten.

Von außen wirkt das Hotel zunächst wenig einladend. Bis vor drei Jahren hatte in dem Bürohaus der Kaffeeröster Lavazza seine Europa-Zentrale. Nach dem Auszug wurde das Gebäude im Innern zu einem Hotel umgebaut, die alte Fassade aus dem Jahr 1992 blieb bestehen. Der Betreiber des „On-top-Hotels“ hatte nicht viel Glück und schmiss bald das Handtuch. Daraufhin beschloss die Teka-Group, der rund 600 Büros und Wohnungen in Frankfurt gehören, darunter auch die Liegenschaft im Ziegelhüttenweg 43, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. „Geschäftsführer Alexander Tesler kommt aus der Hotellerie, es ist quasi sein Hobby“, sagt Döhring, der im August anheuerte, um dem neuen Hotel Leben einzuhauchen. „Das Haus war kalt und leer“, erinnert sich Döhring, der selbst „Mitarbeiter eins“ gewesen sei.

Hotel „The Blasky“ in Frankfurt: Angesagter „Scandi Look“ und besonderer Blick auf die Skyline

Wer das Haus jetzt betritt, ist sofort angenehm überrascht. Die Lobby ist zwar eher heimelig als prunkvoll, doch im sechsten Stock beginnt das Staunen. Döhring öffnet die Suite des Hotels. Der Wohnbereich versprüht Wohlfühlatmosphäre. Minimalistisch und gemütlich in hellen Farben. „Scandi Look“ nenne sich das und sei total angesagt, erläutert der Hoteldirektor. Noch heller ist die Dachterrasse der Suite. Die geräumige Terrasse hat einen eigenen Whirlpool und bietet einen ganz besonderen Blick auf die Stadt. Von der Skyline in Dribbdebach über Dom und Henninger Turm bis hin zu den Hochhäusern der Mailänder Straße ist alles im Blick. Das Prunkstück des Hotels ist aber der Restaurant- und Barbereich auf der selben Etage. Er bietet nicht nur einen schönen Ausblick, sondern auch einen großen Außenbereich, der ab März mit Motto-Partys bespielt werden soll.

Dieser Außenbereich war es auch, der dem Hotel seinen Namen gab. „Blasky“ ist schwedisch und bedeutet auf Deutsch „blauer Himmel“, und den sehen die Gäste in der sechsten Etage besonders gut, falls es das Wetter zulässt. Den Scandi-Look hat Döhring vom vorherigen Hotel übernommen. „Wir sind dann bei der Skandinavien-Schiene hängen geblieben,“ erklärt Döring die Namensgebung des Hotels. Wobei „hängen geblieben“ nicht so richtig passt, denn Döring und sein Team haben richtig Gas gegeben. „Wir haben das alles in sechs Wochen aus dem Boden gestampft.“

Frankfurt: Hotel „The Blasky“ übernimmt Mitarbeiter vom Hotel Flemmings

Döhring hatte zuletzt drei Jahre in der Hotelgruppe „25hours“ in verantwortlicher Position gearbeitet und war zuvor jahrelang für den Club Robinson tätig. Seine Kontakte hat er genutzt, um ein Team zusammenzustellen. Das sei ziemlich schwer gewesen in der kurzen Zeit. „Die Leute sind in andere Branchen abgewandert.“ Niemand schreie jetzt „Juchee, ich gehe zurück“. Als Döhring erfuhr, dass das Hotel Flemmings in der Innenstadt schließt, kondolierte er seiner Direktorenkollegin und bat darum, die Belegschaft möge ihm doch Bewerbungen schicken. Das habe ganz gut geklappt. Dennoch sucht der Hoteldirektor noch immer Personal und ist sich unterdessen nicht zu fein, beim Sonntags-Brunch mal selbst Teller abzuräumen. Denn seit Anfang Dezember hat auch das Restaurant im Blasky geöffnet. Küchenchef Thomas Jungk kann von ähnlichen Problemen bei der Personalgewinnung berichten: „Bundesweit fehlen 38 000 Köche, und das sind nur die festangestellten.“

Trotz Personalknappheit und Corona-Pandemie will das neu eröffnete Hotel den widrigen Umständen trotzen. „Wir halten die Fahne hoch, selbst wenn die Live-Djs bei der After-Work-Party nur für fünf Leute auflegen.“ Da könnten sich die Gäste, aber auch das Personal drauf verlassen. Kurzarbeit werde es im Blasky nicht geben. Die vollmundigen Ankündigungen kann Döhring wegen des finanziellen Background der Projektentwicklungsgruppe Teka machen.

Hotel „The Blasky“ in Frankfurt: Auslastung derzeit bis zu 40 Prozent

Das Hotel müsse zunächst keinen Gewinn abwerfen, was bei einer derzeitigen Auslastung von 20 bis 40 Prozent auch schwer wäre. Obwohl die Auslastung der 110 Zimmer an einem Samstag Anfang Dezember schon mal bei 47 Prozent gelegen habe, wie Döhring mit einem gewissen Stolz verkündet. Möglich ist das, weil das Hotel trotz der Einstufung in die Vier-Sterne-Kategorie zunächst mit günstigen Preisen lockt. Das normale Zimmer gibt es für 69 Euro, die Suite mit Whirlpool und Skyline-Blick für 199 Euro.

Für die Steigerung der Bekanntheit sollen auch Restaurant und Bar sorgen. Bei der großen Eröffnungsparty Anfang November seien schon 300 Leute gewesen. Neben der Mundpropaganda setzt das Hotel auf Radiowerbung. Auch für Hochzeiten und Geburtstage soll die Bar mit Skyline-Blick und Außenbereich buchbar sein.

Die Bekanntheit wird sicherlich auch dadurch gesteigert, dass es nicht bei dem einen Blasky-Hotel in Frankfurt bleiben soll. „Die Verhandlungen für ein zweites Grundstück laufen schon“, verrät Döhring. Zudem sei in der Mainzer Landstraße nahe der Galluswarte eine „Blasky Event-Location“ auf knapp 1000 Quadratmetern geplant. (Oliver Teutsch)

In diesem Jahr gab es auch das Inventar eines Hotels in Frankfurt bei einer Auktion zu ersteigern.

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