Den Weggang der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) nach 70 Jahren verkraftet die Stadtgesellschaft in Frankfurt auf unterschiedliche Weise.
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Den Weggang der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) nach 70 Jahren verkraftet die Stadtgesellschaft in Frankfurt auf unterschiedliche Weise.

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IAA-Aus: Nicht alle weinen der Internationalen Automobil-Ausstellung  hinterher

  • vonUte Vetter
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Den Weggang der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) nach 70 Jahren verkraftet die Stadtgesellschaft in Frankfurt auf unterschiedliche Weise.

  • IAA verlässt Frankfurt
  • Das finden nicht alle in Frankfurt schlecht
  • Trotzdem herrscht Schock bei manchen Unternehmern
Frankfurt - Hans-Peter Kratz, Chef der Frankfurter Taxivereinigung, ist ein Freund klarer Worte: "Ich habe mir die Krokodilstränen abgewischt. Schön, dass die IAA weg ist". Diese zehntägige Messe habe "viel Verkehr und wenig Fahrgäste" gebracht, das Geschäft der rund 1700 Droschken in der Stadt nur während der ersten vier Tage etwas belebt. Früher, als es noch die Nutzfahrzeuge-Schau gab, bevor sie nach Hannover zog, sei das anders gewesen, "da haben Geschäftsleute beim Abendessen Verträge ausgehandelt und in der Stadt genächtigt". 

Schuld am IAA-Weggang sei auch nicht der Oberbürgermeister allein mit seiner kritischen Haltung und schon gar nicht die "fantastische Frankfurter Messe-Gesellschaft", sondern die "betrügerischen Autokonzerne" und auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) als ideenloser Veranstalter. "Jetzt werden einige zwar jede Currywurst aufrechnen, die sie hätten verkaufen können, aber Automechanika, Buch- und Musikmesse oder Light & Building generieren mehr Events".

IAA künftig nicht mehr in Frankfurt: Standort ist im Prinzip egal 

Auch viele der gestern von dieser Zeitung befragten Messebaufirmen zeigten eine gewisse Gleichgültigkeit. Ja, die IAA sei eine große Messe, aber ihr Standort im Prinzip egal. Bei einem Wechsel transportiere man für die auftraggebenden Autokonzerne und andere Firmen Mitarbeiter und Material einfach woanders hin. Thomas Eggenhofer, bei der Firma "Messe1x1.de" für Messebau-Koordination zuständig und auch bei der IAA tätig gewesen, sagte: "Messebauer benötigen sowieso Knowhow in Koordination und Logistik sowie Kontakte zu Partner-Firmen in Europa und dem Ausland". Gute Maler, Lackierer, Trockenbauer, Fliesenleger, Elektriker oder Statiker könne man überall einsetzen. Ins selbe Horn stieß Wolfgang Prantz, Geschäftsführer von "Expomaniac": "Ob ich unsere Mitarbeiter-Teams in den Zug nach Berlin setze oder in den Flieger nach Istanbul, ist von den Kosten her fast egal". Er kritisierte Frankfurts Verkehrsinfrastruktur; nur Köln sei "noch enger."

Frankfurt verabschiedet sich von IAA: Messe hatte großen Nutzen

Betroffen äußerte sich hingegen gestern Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt. Die IAA habe sich positiv auf Hotellerie und Gastronomie ausgewirkt und Frankfurt international bekannt gemacht. Jeder Messebesucher gebe im Schnitt rund 520 Euro für Übernachtung, Verpflegung, Einkäufe und Anreise aus. Die durch Messen erzeugten Ausgaben und Kaufkrafteffekte, insgesamt 3,6 Milliarden Euro im Jahr, fielen überwiegend in Frankfurt und der Region Rhein-Main an. Von den Veranstaltungsausgaben hätten insbesondere die Hotellerie und das Gaststättengewerbe sowie der Einzelhandel großen Nutzen gehabt.

Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer, mahnte: "Es bedarf jetzt eines gemeinsamen Diskurses und sorgfältiger Planung." Daran müssten sich Politik, Stadtgesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen beteiligen. Das regionale Handwerk, etwa Schreiner, Raumausstatter, Gebäudereiniger, Elektriker oder Maler hätten über 70 Jahre an der Ausrichtung der IAA mitgewirkt und damit das Bild des Messestandorts geprägt. Nun sei es wichtig, nach vorne zu schauen und aus der Situation das Beste zu machen.

IAA nicht mehr in Frankfurt: Man will jetzt nach vorne schauen

In diese Richtung schaut bereits die Messe-Gesellschaft laut Sprecher Markus Quint. "Den nun verfügbaren attraktiven Slot werden wir anderen Branchen anbieten. Hierfür kommen mehrere Industrien in Frage." Man sei zuversichtlich, das Messegelände für diesen Zeitraum lukrativ zu vermarkten. Zahlen wollte er jedoch nicht nennen: "Jeder Vergleich zu einem wirtschaftlichen Verlust kann nicht beziffert werden, da das neue Format der IAA ein völliges anderes sein wird."

"Immense Umsatzeinbußen" für Dienstleister, Hotellerie und Gastronomie befürchtet hingegen Eduard M. Singer, Vorsitzender des Hotel- und Gastronomieverbandes Hessen (DEHOGA). Die Branche stehe "unter Schock", der Tag der VDA-Entscheidung sei ein "schwarzer Tag" gewesen. Politik und Verwaltung hätten innovative Ideen und Forderungen wie öffentliches Wlan, digitale Gewerbehinweisbeschilderungen und liberale Außengastronomie "zu oft im Keim erstickt". Doch auch er sieht nach vorn: Vorstellbar sei eine Pharma-Messe und die Deutschen Mailingtage (bislang Nürnberg und Berlin) überlegten, ihre Fachkonferenz nach Frankfurt zu verlegen.

Joachim Stoll vom Handelsverband Hessen-Süd erklärte, der IAA-Weggang habe sicherlich "Auswirkungen in Millionenhöhe" auf den Einzelhandel in Frankfurt und der Region. Die Frankfurter Politiker müssten jetzt mit der Region und vor allem der Wirtschaft ernsthafte Verbesserungen der Situation und Zukunftsideen anstreben.

Die AutomesseIAA findet nicht mehr in Frankfurt statt. Das sorgt für Kritik an Oberbürgermeister Peter Feldmann. Hotels und Gastronomie reagieren schockiert.

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