Als neue Grünen-Chefin ganz Frankfurt im Blick: Julia Frank, hier vor dem Stadtmodell im Planungsdezernat. Als Stadtverordnete will sie sich der Stadtplanung und der Bildung widmen. Sie engagiert sich, da sie die Politik der "alten weißen Männer" nicht erträgt. FOTO: E. Sauda
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Als neue Grünen-Chefin ganz Frankfurt im Blick: Julia Frank, hier vor dem Stadtmodell im Planungsdezernat. Als Stadtverordnete will sie sich der Stadtplanung und der Bildung widmen. Sie engagiert sich, da sie die Politik der "alten weißen Männer" nicht erträgt.

Stadtpolitik

Frankfurt: "Ich bin halt so ein Weltverbesserer"

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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47 neue Politikerinnen und Politiker gibt es in der 93 Parlamentarier zählenden Stadtverordnetenversammlung. In einer wöchentlichen Serie werden sie an dieser Stelle portraitiert. Heute: Julia Frank (Grüne).

Frankfurt -Ja, sie ist auch neue Stadtverordnete. Doch bei Julia Frank (46) tritt das fast drei Monate nach Beginn der Wahlperiode schon beinahe in den Hintergrund. Die Konzertmanagerin aus Nieder-Eschbach ist auch neue Vorstandssprecherin der Frankfurter Grünen. Als Chefin der größten Partei ist die politische Seiteneinsteigerin nun eine der mächtigsten Frauen in der Stadt. Als Friedrich Merz 2018 versuchte, Angela Merkel vom Vorsitzendenposten der CDU zu drängen, da hielt es Julia Frank nicht mehr aus. "Das war der Moment", als sie sich entschied, in die Politik zu gehen. Diese Politik alter, weißer Männer, die Merz verkörpert, vor der graut es ihr.

Eine der erfahrensten Konzertmanagerinnen

Schon öfter hatte Tanja Raab-Rhein, CDU-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 15, Julia Frank gedrängt, sie solle sich doch politisch engagieren - ebenso wie die dortige Grünen-Fraktionschefin Sabine Klopp. Die Frauen kennen sich auch aus langjähriger Arbeit in Elternbeiräten. Also trat Frank den Grünen bei - und in ihrem Heimatstadtteil Nieder-Eschbach zur Kommunalwahl im März an. Die Wähler sandten sie in den Ortsbeirat und in den Römer.

Geboren in Frankfurt, wuchs sie in einem 200-Seelen-Dorf im Taunus auf, kam dann als Schülerin wieder nach Sachsenhausen. Als Heranwachsende mischte sie lieber bei den Jungs mit - beim Fußball und Judo. Später zog sie nach Nieder-Eschbach, kümmert sich als alleinerziehende Mutter um ihre zwei Jungs (12, 14). Und dann wäre da noch ihr Hauptjob: Sie ist eine der erfahrensten Konzertmanagerinnen der Republik.

Für Wizard Promotions von Ossy Hoppe organisiert sie im "Schlüsselmarkt Deutschland" Tourneen von Musikern wie Kiss, Aerosmith, Faith No More, Jamie Cullum. Angefangen im Konzertbusiness hatte sie in den Neunzigern während ihres VWL-Studiums bei Ossy Hoppe und Marek Lieberberg. Dabei half ihr die klassische Gesangsausbildung.

Viel gelernt als Vorsitzende des Stadtelternbeirates

Ihre Arbeit ist auch ein Grund, warum sich Frank die ehrenamtliche Arbeit als grüne Parteichefin zutraut. "Organisieren ist ja mein Beruf." Dieser ist weniger glamourös, als das Publikum vermutet. "Ich kümmere mich mehr um Dachlasten, Fluchtwege, Brandschutz und dergleichen."

An den Wochenenden und im Urlaub mit Wohnmobil oder Zelt stehen die Söhne, ihre Mutter sowie die Schwester samt Familie im Vordergrund. Dann greift Julia Frank auch schon einmal zur Gitarre. Und die Erholung nebenher? "Ich lese sehr gern." Oder sie hört Musik, rocklastig, klar. Oder sie geht mit ihrem spanischen Terrier an der Nidda spazieren.

Stadtweit engagiert sich Julia Frank seit 2018 im Vorstand des Stadtelternbeirats, als Vorsitzende seit 2020. Parteipolitik mache dort keiner. "So können wir ganz toll Sachen voranbringen." Obwohl sich die Stadträte für Bildung und Schulbau, Sylvia Weber (SPD) und Jan Schneider (CDU), viel stritten. "Wie Hund und Katz'" seien die beiden, so Frank. Die Erlebnisse waren für sie ein tiefer Einblick in die Politik.

Der hilft nun, nachdem die grüne Basis sie überraschend zu einer der beiden Vorstandssprecher wählte. Wobei: Überrascht hat das nicht jeden. Auch mit einer Landtagskandidatur liebäugelte Frank schon. Zuletzt lag sie auf Linie der Basis, die vor allem dagegen opponierte, dass der bisherige Vorstand das Frauenstatut - also grüne DNA - bei der Besetzung der Dezernentenposten nicht beachtet hatte. "Ich hätte gern, dass so etwas selbstverständlich mitgedacht wird", sagt Frank.

In der Stadtpolitik ist sie längst eingebunden. Für die Grünen war sie in den Verhandlungsgruppen für Stadtplanung und Wohnen sowie Bildung - und in der Hauptverhandlungsgruppe für die Koalition mit SPD, FDP und Volt. Der langjährige Grünen-Planungsexperte Bernhard Maier coacht sie. Was in diesem Politikfeld schief läuft, hat Julia Frank in den Römer verholfen - davon ist sie überzeugt: "Die Debatte um das Gewerbegebiet Nieder-Eschbach."

Weil im Römer eigenmächtig entschieden worden sei, sei erstmals jemand aus dem Stadtteil ins Parlament gewählt worden. Julia Frank will daher etwas ändern, siehe die Gewerbegebietsfrage: "Da ist in der Kommunikation etwas schief gegangen: Keiner war mal draußen vor Ort, alle haben sich gedrückt." Sie wolle die Bürger "viel früher einbinden", damit solche Projekte vor Ort akzeptiert würden.

Auch mit den Nachbarstädten will sie mehr sprechen. Schließlich könne Frankfurt einen Zuwachs von 40 000 bis 80 000 Einwohnern nicht alleine durch "Innenentwicklung" stemmen. Als Grünen-Vorsitzende wird sich Julia Frank aber um alle Themen kümmern müssen. Damit sie das auch zeitlich schafft, hat sie bereits auf ihr Ortsbeiratsmandat verzichtet. Auch die Arbeit im Stadtelternbeirat hängt sie an den Nagel. Schließlich muss sie nun die Partei führen, die in den nächsten fünf Jahren die politische Richtung der Stadt vorgibt. Und Julia Frank hat hohe Ansprüche: "Ich bin so ein Weltverbesserer." Dennis Pfeiffer-Goldmann

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